Guten Tag,
Frederic Neumann, Chefökonom Asien von HSBC, erwartet durch den Wiederaufbau in Japan für ganz Asien eine Wirtschaftsbelebung.
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BILANZ: Welche Folgen hat das Erdbeben für Japans Wirtschaft ?
Frederic Neumann: Erst einmal bin ich über das Ausmass der Zerstörung und das Leid der Bevölkerung erschüttert. Ist die Gefahr einer nuklearen Katastrophe gebannt, gilt der Fokus dem Wiederaufbau. Zunächst wird sich das Wirtschaftswachstum verringern, ab Mitte Jahr und speziell im nächsten Jahr aber deutlich beschleunigen. Unsere Wachstumsprognose von zwei Prozent von vor dem Erdbeben dürfte 2012 übertroffen werden.
Woher kommt Ihre Zuversicht?
Ende April sollten sich die Energieversorgung und die Industrieproduktion in Japan wieder normalisieren. Die japanische Industrie ist mit ihren starken Auslandsaktivitäten in der Lage, die Produktionsausfälle im Inland in anderen Ländern zu kompensieren.
Bremst der Yen die Erholung?
In einer ersten Phase wird die Aufwertung des Yen sogar nützlich sein. Die Einfuhr von Rohstoffen und Produkten für den Wiederaufbau wird dadurch verbilligt.
Sehen Sie strukturelle Folgen?
Besonders in der Elektronikindustrie müssen die Unternehmen ihre Produktion auf weitere Standorte diversifizieren, um die Ausfallrisiken durch solche oder auch politische Ereignisse zu verringern.
Wird Japan nun aber nicht seine Investitionen und Aktivitäten in ganz Asien zurückfahren?
Für den Wiederaufbau ist Japan auf Importe aus dieser Region angewiesen. Länder wie Indonesien und Vietnam, aber auch Korea oder Taiwan könnten profitieren.
War die negative Reaktion der Aktienmärkte also übertrieben?
Was die Anleger beunruhigt hat, war die Ungewissheit über die Gefahren in den zerstörten Atomanlagen. Inzwischen ist nun eine gewisse Normalität eingekehrt. An der Börse dürfte sich der durch das Erdbeben unterbrochene Aufschwung fortsetzen. Besonders die Maschinenbranche und der Hochtechnologiesektor profitieren vom Wirtschaftswachstum und von den Produktionsengpässen in Asien.
Bleiben die Leitzinsen tief?
In Japan sicher. Die Entwicklung der Weltwirtschaft dürfte aber vom Erdbeben kaum betroffen sein. Ebenso wenig die Geldpolitik der Notenbanken. Indien, China oder auch die Europäische Zentralbank setzen ihre Straffung fort. Die Entwicklung beim Ölpreis ist von weit grösserer Bedeutung. Eine weitere Verteuerung könnte den Konsum in den USA und damit das Wachstum schwächen.
Zumal Atomstrom nun verpönt ist.
Die Energieversorgung bleibt für das Wirtschaftswachstum gerade in Asien von zentraler Bedeutung. Der Bau neuer Anlagen wird sich vielleicht verzögern. Ein Ausstieg ist aber nicht zu erwarten.
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