1. Home
  2. Unternehmen
  3. Firmenich: Der stille Riese aus Genf hat Hunger

Pläne 
Firmenich: Der stille Riese aus Genf hat Hunger

Gilbert Ghostine: Sieht für Firmenich «jede Menge Wachstumsmöglichkeiten».Keystone

Die Genfer Firma Firmenich ist die weltweite Nummer zwei im Geschäft mit Aromen und Duftstoffen, aber sehr verschlossen. Jetzt äussert sich CEO Gilbert Ghostine – und verspricht Übernahmen.

Von Holger Alich
22.02.2017

Es gibt Unternehmen, deren Produkte jeder zuhause hat, und die dennoch kaum einer kennt. Solch ein Fall ist der Genfer Duftstoff- und Aroma-Hersteller Firmenich. Die Supernasen des diskreten Dufstoffriesen haben zum Beispiel die Essenzen für das Erfolgsparum Black Opium von Yves Saint Laurent komponiert. Die Süssstoffe von Firmenich lassen in Limonaden und Joghurts den Zucker nicht vermissen.

Mit einem Marktanteil von 13,8 Prozent ist Firmenich die weltweite Nummer zwei im Geschäft mit Aromen und Duftstoffen, Platzhirsch ist der Schweizer Wettbewerber Givaudan. Firmenich ist im Unterschied zu Givaudan ein privat gehaltenes Unternehmen. Im Aussenauftritt ist der Konzern, der seit 120 Jahren der Familie Firmenich gehört, daher sehr diskret.

Offen für Zukäufe

Seit gut zwei Jahren ist Gilbert Ghostine CEO des stillen Riesen aus Genf. Der «Bilanz» hat er zum ersten Mal einem deutschsprachigen Medium ein Interview gegeben und erläutert darin exklusiv seine Wachstumsstrategie. Zukäufe sind ausdrücklich Teil davon.

«Wir sind an Akquisitionen interessiert», sagt Ghostine ohne Umschweife, auch wenn er betont, dass Firmenich unter keinem Zugzwang stehe. «Wir wachsen schneller als der Markt der im Schnitt mit 2,5 bis 3 Prozent pro Jahr wächst», erklärt er. Mit Blick auf die Regionen meint Ghostine: «In den Schwellenländern gibt es für Firmenich jede Menge Wachstumsmöglichkeiten, doch hier muss man auswählen, niemand hat unendliche Budgets». 

In Sachen Zukäufe scheut der neue starke Mann von Firmenich auch nicht vor grösseren Transaktionen zurück. «Ob eine grössere Transaktion Sinn macht, hängt vom Ziel ab», so Ghostine. Eine maximale Volumenzahl will er nicht nennen, betont aber: «Selbst wenn es ein transformatorischer Deal wäre, würden wir uns das anschauen, wenn es strategisch sinnvoll ist.»

Beteiligung an Essex Laboratories

Das sind vollkommen neue Töne von Firmenich. Während Konkurrent Givaudan regelmässig sich durch Zukäufe stärkte, hielt sich das Genfer Traditionsunternehmen hierbei bisher zurück. Vergangenen Sommer hat sich Firmenich an Essex Laboratories beteiligt, einem US-Produzenten von Nahrungsmitteln und Kosymetika auf Basis von Minzextrakten. Natürliche Inhaltsstoffe sind ein Mega-Trend in der Kosmetik- und Nahrungsmittelbranche. Über finanzielle Details schweigt sich Firmenich aus, doch dürfte die Beteiligung kaum mehr als ein paar Millionen gekostet haben.

Nun scheut das Unternehmen auch vor grösseren Deals nicht zurück – und könnte damit auch bei einer breiteren Öffentlichkeit Bekanntheit erlangen.

 

Das vollständige Interview mit Firmenich-CEO Gilbert Ghostine über die Pläne des Genfer Duftstoff- und Aroma-Herstellers lesen Sie in der neuen «Bilanz», ab Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

 

 

 

Sehen Sie in der Bildergalerie unten, die zehn wichtigsten Persönlichkeiten - das «Who is who» - der Schweizer Pharma- und Chemiebranche:

Anzeige

Das «Who is who» der Pharma- und Chemiebranche

1|10
«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen in der Pharma- und Chemiebranche:Erik FyrwaldCEO SyngentaSeit Juni leitet er den Agrochemiekonzern, der mitten im Prozess der Übernahme durch ChemChina steckt. Mit seiner Erfahrung bei DuPont und beim Chemiegrosshändler Univar bringt er aber viel Branchenkenntnisse mit. Jeff Wheeler