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Ernst Tanner, René Benko: Süsse Hilfe aus der Schweiz

Geschäft mit edlen Geschäftshäusern: Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner (l.), Signa-Lenker René Benko.

Der Schoggi-König mischt mit bei der Signa Prime Selection – Europas aggressivster Immobilienfirma.

Von Walter Pellinghausen
18.01.2013

Erst 35 Jahre jung, beflügelt der Tiroler René Benko in der österreichischen Heimat lange schon die Fantasien von Justiz und Journaille. Der Schulabbrecher mit ungarischen Wurzeln steuert ein ­prosperierendes Portfolio prächtiger ­Paläste – dank ­finanzieller Hilfe von etlichen Multimillionären wie dem griechischen Reeder George Economou (59) oder Ex-Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking (60) sowie Schwergewichten aus der Politik wie Österreichs Alt-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (52) als Beiratsvorsitzendem. Gesammelt werden die Prunkstücke unter dem Dach der Signa Holding in Wien. «Über 5,5 Milliarden Euro Investitionsvolumen» addiert der Entrepreneur im zwölften Geschäftsjahr nach der Gründung im Jahr 2000. Sachverstand und frisches Kapital kommen dabei gegenwärtig aus der Schweiz. Bei der Signa-Tochterfirma Prime Selection soll Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner (66) neu mitmischen. Bares stellte parallel die Zürcher Falcon Private Bank zur Verfügung. Dieses unscheinbare Geldhaus gehört über die Aabar Investments indirekt dem öl- und gasreichen Emirat Abu Dhabi am Persischen Golf. Scheich Mansour bin Zayed al Nahyan (42), Mitglied der Herrscherfamilie, hatte vor drei Jahren von der damals angeschlagenen US-Versicherungskrake American International Group (AIG) deren Schweizer Ableger AIG Private Bank gekauft, Falcon als neue Firmierung gewählt und den bewährten CEO Eduardo Leemann (56) mit der Expansion beauftragt.

Die Bank hat sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung 13,6 Prozent der Signa Prime Selection gesichert. Diese Gesellschaft mit Sitz in Innsbruck glänzt mit edelsten Geschäftshäusern wie dem Wiener Gebäudekomplex Am Hof, dem Generali-Tower oder The Cube, Sitz der Deutschen Börse in Frankfurt.

Der bislang spektakulärste Deal gelang den Konzernarchitekten um Benko in der Weihnachtszeit. Signa raffte 17 deutsche Karstadt-Warenhäuser – samt dem legendären Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin. Mehr als eine Milliarde Euro spendierten die Investoren; gut die Hälfte des Kaufpreises allein für das KaDeWe, das mit rund 60 000 Quadratmetern Verkaufsfläche das grösste Warenhaus Kontinentaleuropas ist.

Angesichts der Milliarden wirken 150 000 Euro wie der Inhalt einer mittleren Portokasse. Eine Zahlung in solcher Höhe aber bescherte Benko im Herbst eine Verurteilung wegen angeblicher Korruption. Signa hatte sich wohl der Dienste von Kroatiens Ex-Premier Ivo Sanader (59) bedient, um behördliche Barrieren in Italien zu beseitigen. Ob das vereinbarte und bezahlte Erfolgshonorar tatsächlich als Bestechung bewertet werden darf, muss demnächst das österreichische Obergericht in letzter Instanz beurteilen. In erster Instanz hatte das Landesgericht ihn zu zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt. 

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