«Bildungsausländer», so nennt sie das Bundesamt für Statistik. Gemeint sind alle jungen Männer und Frauen, die ihre Mittelschule im Ausland abschliessen, dann fürs Studium in die Schweiz einwandern. Das geschieht immer häufiger. In den letzten fünfzehn Jahren hat sich die Zahl dieser Bildungsausländer verdoppelt: Fürs Studienjahr 2005/2006 beträgt ihr Anteil 15 Prozent aller einen universitären Bildungsgang Absolvierenden.

Warum wirken hiesige Universitäten wie ein Magnet? Dies kommt sicher vom guten Ruf, den etwa die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen oder die Managerschmiede in St. Gallen international geniessen. Gleichzeitig spielt wohl auch der tiefe Eintrittspreis eine Rolle: Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston muss jeder Student pro Jahr eine Gebühr von 32 300 Dollar hinblättern – an der ETH Zürich 1200 Franken.

Die Universität St. Gallen, nur leicht teurer als die ETH, würde sogar von Ausländern überrannt, hätten die Lokalpolitiker nicht eine fixe Quote von 25 Prozent festgelegt. So werden in St. Gallen strenge Zulassungstests durchgeführt – aber nur für Ausländer, während der Zugang für alle Schweizer Maturandinnen und Maturanden weiterhin frei ist. Man muss hier wohl von einer Ausländerdiskriminierung sprechen. Einen Mittelweg schlagen die beiden ETH ein: Sie akzeptieren die Abiturzeugnisse aus den vier Nachbarländern Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien; alle andern Ausländer aber, die von weiter her stammen, müssen ebenfalls eine Zulassungsprüfung bestehen. Damit dürften auch die beiden ETH das Prinzip der Personenfreizügigkeit verletzen.

Dass auch liberale Lösungen möglich wären, demonstrieren die Schweizer Fachhochschulen im Bereich der Kunst (Musik und Theater). Hier herrschen dieselben Regeln für alle – Schweizer wie Ausländer müssen hohe Zulassungshürden überspringen, was jeweils nur einer schmalen Elite gelingt. Das wirkt nicht etwa abschreckend, im Gegenteil: Keine Universität und auch keine ETH zählt so viele Bildungsausländer wie die Hochschulen für Theater und Musik (40 Prozent).

Damit ähneln die Kunsthochschulen fast einer US-Eliteuniversität: Sie wählen unter den vielen Bewerberinnen und Bewerbern die Besten aus, und darunter befinden sich naturgemäss etliche Bildungsausländer. Ein entscheidender Unterschied bleibt: Die Studierenden in der Schweiz werden hoch subventioniert. «Ein Platz an einer Musikhochschule kostet die Steuerzahler rund 45 000 Franken im Jahr», rechnet Christian Aeberli, Bildungsexperte vom Think-Tank Avenir Suisse, vor. «Das ergibt allein für die 1167 ausländischen Musikstudentinnen und -studenten rund 50 Millionen Franken im Jahr.» Diese Kosten werden von der Allgemeinheit getragen, also auch von den «kleinen Leuten». Dies sei nicht sozial, findet Aeberli.

Hinzu kommt, dass sich nicht alle Immigranten, die an Schweizer Hochschulen von der Allgemeinheit finanziert werden, danach nützlich machen und auch hier arbeiten dürfen. Die automatische Personenfreizügigkeit gilt nur für Personen aus der erweiterten EU. Tatsächlich stammen die meisten Zuwanderer aus Deutschland, Frankreich und Italien. Auf Platz vier jedoch folgen die Immigranten aus China, dann jene aus Rumänien und Russland, die an Schweizer Unis bereits zahlreicher auftreten als etwa Österreicherinnen und Österreicher.

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