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Die Übernahme von Revolution durch Merck ist vorerst offenbar abgeblasen: Das betrifft einen unbekannten Zürcher Investor besonders stark.
Thilo Schröder ist der starke Mann bei Nextech Invest.
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Bis zu 32 Milliarden Dollar sollte der Deal schwer sein: Für diesen Betrag wollte der amerikanische Pharmakonzern Merck die Biotech-Firma Revolution Medicines angeblich übernehmen. Es wäre ein Aufpreis von über 230 Prozent zum Börsenwert gewesen, bevor die Übernahmegerüchte aufflackerten. Laut einem Bericht des «Wall Street Journal» sind die Preisverhandlungen gescheitert – vorerst.
Einer der grössten Profiteure eines allfälligen Deals kommt aus der Schweiz: die Venture-Firma Nextech Invest mit Sitz an der Zürcher Bahnhofstrasse. Sie flog bisher unter dem Radar der Öffentlichkeit. Nextech wurde 1998 von Fredy Scheidegger (heute 69) gegründet mit dem Schwerpunkt Onkologie. Inzwischen heisst der starke Mann Thilo Schröder (44). Der gebürtige Hanauer kam 2012 nach der Promotion in Biochemie an der Uni Zürich als Praktikant hinzu und wurde nach nur einem Jahr Partner. «Damals hatte Nextech vier Mitarbeiter inklusive Backoffice – und eine kontroverse Reputation», erinnert er sich. Denn in den 14 Jahren seit Gründung hatte Nextech erst zwei kleinere Fonds lanciert. Schröder nahm das Ruder in die Hand, fokussierte den Anlageschwerpunkt auf Precision Oncology und wagte den Sprung in die USA: «90 Prozent der Healthcare- und der Venture-Industrie sind dort, und das Fundraising ist leichter.» Ein lohnenswerter Schritt: Er konnte Medizinnobelpreisträger William Kaelin von der Harvard University als Advisor gewinnen.
Zwei Investments brachten dann die Wende. Erstens der Einstieg bei Blueprint Medicine in Boston als Lead Investor, wo Schröder mit 32 auch im Board Einsitz nahm. Die Firma wurde 2025 für zehn Milliarden Dollar von Sanofi übernommen. Und zweitens die Investition in Peloton Therapeutics aus Dallas. Die schnappte sich Merck 2019 für 2,2 Milliarden. «Beides hat unser Network eröffnet und unserer Reputation geholfen», so Schröder.
2017 übernahm er die Hälfte von Nextech, heute sind noch drei andere Partner in Zürich und den USA beteiligt. Heute hat Nextech 22 Mitarbeiter in Zürich, Boston und San Francisco und verwaltet 2,2 Milliarden an Assets under Management. «Heute sind wir weltweit die Nummer eins in der Onkologie», so Schröder, auch wenn er den Fokus inzwischen wieder geöffnet hat: Ausser in die Krebsvorsorge investiert Nextech auch in Therapien zur Behandlung von Immun- und seltenen Genkrankheiten.
Bei Revolution stieg Nextech 2018 in der B-Runde als Lead Investor ein. Seither sitzt Schröder dort im Board, weshalb er sich zu einer möglichen Übernahme durch Merck nicht äussern kann. «Ich habe immer gesagt: Nextech wird eines Tages grösser als die UBS werden.» Über die Jahre kaufte er deshalb Aktien hinzu, mit 4,2 Prozent ist Nextech heute grösster Aktionär hinter Fidelity Investments. Käme ein Deal zustande, wäre der Anteil gegen 1,34 Milliarden Dollar wert – und Revolution mit ihren 800 Mitarbeitern so viel wie Bayer mit 80’000. Was die Firma so kostbar macht: Sie konnte als bisher einzige ein Medikament gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln, die tödlichste Krebsform. Daran versterben pro Jahr in Europa und den USA 200’000 Menschen.
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Die Gespräche zwischen Revolution und Merck könnten laut der US-Zeitung wieder aufgenommen werden. Zudem gebe es weitere Interessenten für Revolution Medicines.
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