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Die Macht von Social Media

Ein Post, und alle wollen Dubai-Schoggi

Influencer und Algorithmen bestimmen zunehmend, welche Produkte und Dienstleistungen Erfolg haben.

Erich Bürgler, Redaktor BILANZ - fotografiert im September von Paul Seewer für BILANZ

<p>Ein Post von Influencerin ­Maria Vehera machte Dubai-Schokolade weltweit begehrt. Lindt griff den Trend rasch auf – und landete einen ­Verkaufshit.</p>

Ein Post von Influencerin Maria Vehera machte Dubai-Schokolade weltweit begehrt. Lindt griff den Trend rasch auf – und landete einen Verkaufshit.

Screenshot TikTok

Dass Lindt so früh auf den Hype um die Dubai-Schokolade reagieren konnte, hat der Schweizer Hersteller nicht in erster Linie seinem Unternehmensleiter Adalbert Lechner zu verdanken – sondern dessen Nachwuchs. «Auf den Trend Dubai-Schokolade wurde ich erst durch meine Kinder aufmerksam», gibt der CEO gegenüber BILANZ offen zu. Sie hatten auf der Social-Media-Plattform TikTok das Video einer jungen Frau gesehen: Genüsslich beisst sie in eine Schokolade, aus der grüne Pistazienfüllung quillt – hergestellt von einem Kleinbetrieb in Dubai. Ein kurzer Clip, der sich rund um den Globus verbreitete und eine weltweite Nachfrage nach der Süssigkeit entfachte. Lindt reagierte dank dem direkten Draht zu den Digital Natives schnell und brachte eine neue Schoggi auf den Markt. «Die Lindt-Dubai-Style-Schokolade ist die erfolgreichste Produktlancierung in der jüngeren Geschichte von Lindt», sagt Lechner.

Das Beispiel zeigt, wie tief soziale Medien inzwischen in unternehmerische Entscheide eingreifen können und wie stark sie Tempo und Richtung von Innovationen mitbestimmen. Eine solche Begeisterung für eine neue Schokoladensorte hätte wohl kein noch so hohes Werbebudget entfachen können. Unternehmen wappnen sich, indem sie ihr Personal und spezialisierte Agenturen darauf ansetzen, Trends in sozialen Medien aufzustöbern. Und sie versuchen mit eigenen Beiträgen auf Instagram und anderen Kanälen Interesse zu wecken – und im besten Fall Content zu kreieren, der viral geht. Oft setzen sie dabei auf Influencer und Blogger – besonders, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Stefan Michel, Professor für Strategie und Marketing am IMD Lausanne, hält das für eine sinnvolle Vorgehensweise. «Unternehmen können so Personen ansprechen, die sie mit klassischen Medien nicht mehr erreichen.» Prominente Testimonials, wie Sportler oder Filmstars, gab es schon immer. Die neuen Stars sind laut Michel die Influencer, weil sie die Sprache ihrer Follower sprechen. «Es ist zwar eine Inszenierung – aber eine, die nahe an den Lebenswelten der entsprechenden Zielgruppe ist.»

Unternehmen aus den verschiedensten Branchen setzen auf solche Werbung: von Konsumgüterherstellern über die Luxusindustrie bis zum Bankensektor. Mit gutem Grund: «Wenn ein Unternehmen auf eine junge Kundschaft angewiesen ist, wäre es gefährlich, auf Influencer-Marketing zu verzichten», sagt Stefan Michel. Im Finanzbereich nutzen etwa Neobanken wie Yuh und die Bank Cler mit ihrer Neobank-App Zak die Werbeform. Natalie Waltmann, Kommunikationsleiterin der Bank Cler, spricht von «Finfluencern», die dem Unternehmen Zugang zu Zielgruppen ermöglichen, die über klassische Werbekanäle kaum mehr anzusprechen sind. Und sie nennt weitere Vorteile: «Für viele Konsumentinnen und Konsumenten sind Influencer zu einer selbstverständlichen Informationsquelle geworden, und ihre Beiträge und Meinungen werden als authentisch und glaubwürdig wahrgenommen.»

Über die Autoren
Erich Bürgler, Redaktor BILANZ - fotografiert im September von Paul Seewer für BILANZ
Erich Bürgler
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