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Bei der Credit Suisse wird morgen ein Quartalsverlust erwartet. Schon jetzt steht fest: Es ist ihre heftigste Krise seit 2002. Das Vertrauen in die FΓΌhrungsspitze sinkt. Wann greift der Sparplan?

Karen Merkel-Gyger
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Wenn die Credit Suisse morgen Dienstag ihre Zahlen prΓ€sentiert, werden wenige vor Spannung zittern, aber einige Bauchschmerzen haben. Die Grossbank hat im Voraus bekannt gemacht, dass sie mit einem Verlust in mehrstelliger MillionenhΓΆhe rechnet, hier dΓΌrfte kaum eine Γberraschung liegen. Im Gegenteil: Β«Wenn bei den Quartalszahlen eine zusΓ€tzliche negative Γberraschung ausbleibt, ist das als Beruhigung zu wertenΒ», sagt Andreas Brun, Analyst von der ZΓΌrcher Kantonalbank. Die ZKB rechnet fΓΌr das erste Quartal mit einem Verlust von 597 Millionen Franken und liegt damit im unteren Mittelfeld bei den Prognosen der Marktbeobachter.
Die Beruhigung allerdings wΓ€re der Gewinnwarnung im Vorfeld geschuldet, damit sind die Probleme der Grossbank keineswegs gelΓΆst. CS-Chef Tidjane Thiam muss ein umfangreiches Sparpaket umsetzen. Er muss die Investmentbank schrumpfen und in der VermΓΆgensverwaltung konkurrenzfΓ€hig werden. Er will das wichtige Wachstum in Asien vorantreiben und kΓ€mpft mit dem leidigen Eigenkapitalpolster, das nach wie vor zu dΓΌnn ausfΓ€llt.
Der Aktienkurs der Credit Suisse ist seit Monaten im Sinkflug; auch, weil ein Ende der Durststrecke kaum abzusehen ist. Seit Jahresbeginn hat der Titel mit leichten Erholungsphasen 38 Prozentpunkte verloren. Zudem wandelt sich die Euphorie ΓΌber die Nominierung von Tidjane Thiam zunehmend in Skepsis. Β«Wir kΓΆnnen bei der Credit Suisse von einem Vertrauensverlust sprechenΒ», sagt ZKB-Analyst Brun. Β«Die Erwartungen gegenΓΌber Tidjane Thiam waren zu Beginn ΓΌberhΓΆht, weil er den Investoren vieles versprochen hat. Jetzt ist er in der Bringschuld.Β»
Thiams Vorgehen wirft bei Anlegern Fragen auf. ZunΓ€chst einmal aufgrund des Nachbesserns beim Sparprogramm im MΓ€rz. Neu sollen 4,3 Milliarden Franken bis 2018 eingespart werden, statt wie vorher geplant 3,5 Milliarden Franken. Die Zahl der Stellenstreichungen ist um 2000 auf 6000 ArbeitsplΓ€tze gestiegen, die vor allem in der Schweiz, in New York und London gekΓΌrzt werden sollen. Berichten zufolge sind in London bereits erste Jobs gestrichen worden, von dort meldete Reuters vergangene Woche 80 abgebaute ArbeitsplΓ€tze. Der Fortschritt bei der Neustrukturierung der Bank dΓΌrfte morgen im Fokus der Analysten stehen.
Auch beim Umbau des Konzerns hat Thiam seit seinem Amtsantritt einige Male PrioritΓ€ten geΓ€ndert. Der Verkauf von Hochrisikokrediten an die US-Gesellschaft TSSP im Wert von 1,2 Milliarden Dollar etwa, durch den die CS im aktuellen Quartal 100 Millionen US-Dollar abschreiben muss. Im Februar, so hΓ€lt die Β«Finanz und WirtschaftΒ» fest, hatte Thiam noch den Sinn und die Nachhaltigkeit dieser Positionen gelobt.
Γhnlich steht es um den Bereich Β«Asset ManagementΒ», wie die Β«Schweiz am SonntagΒ» meldete. Die Einheit sollte der neu geschaffenen Internationalen VermΓΆgensverwaltung zugeordnet werden. Nun werde der Bereich vielmehr eigenstΓ€ndiger, die Schweizer Einheit unter Thomas Gottstein mehr Einfluss erhalten. Β«Mit dem Joint Venture tragen wir dem Umstand Rechnung, dass das Asset Management einerseits ein globales GeschΓ€ft ist, anderseits auch sehr stark in der Schweiz verankert istΒ», sagt CS-Sprecher Christoph Meier gegenΓΌber der Β«Schweiz am SonntagΒ». Damit wird die Zuordnung des Β«Asset ManagementsΒ» erneut geΓ€ndert.
Vor allem aber kehren viele FΓΌhrungskrΓ€fte und Top-Manager der Grossbank den RΓΌcken. Schmerzhaft dΓΌrften fΓΌr Thiam die AbgΓ€nge im AsiengeschΓ€ft sein, dem Bereich, in dem die Bank erklΓ€rtermassen am stΓ€rksten wachsen will. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass mit Angela Bow, Leiterin Philippinen und Thailand, die dritte Asien-Expertin innert weniger Wochen von der CS zu Julius BΓ€r wechselt.
In den vergangenen Monaten hΓ€ufen sich die Nachrichten ΓΌber die Ausstiege, darunter auch Topshots wie Robert Shafir, zuvor bestbezahltes Mitglied der GeschΓ€ftsleitung. Heute wurde bekannt, dass Brite Richard Burden von der CS auf den Posten des neuen Head of Investor Relations bei Zurich wechselt.
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Die erodierende GlaubwΓΌrdigkeit kann der CS-FΓΌhrung wenig zupass kommen. Hat die Grossbank doch einen Marathon vor sich. Bis sich die Zahlen bessern, dΓΌrfte wohl noch mindestens ein Jahr ins Land gehen. Vor allem das Thema Eigenkapital ist nach wie vor eine Knacknuss. Erst im Herbst hatte die Grossbank 6,4 Milliarden Franken neues Kapital aufgenommen. Ende 2015 lag die Eigenkapitalquote damit bei 11,4 Prozent. Β«Das Polster aus der KapitalerhΓΆhung ist schon fast wieder verbranntΒ», sagt ZKB-Analyst Brun. Β«Ohne nachhaltig den Gewinn deutlich zu erhΓΆhen, wird sich die Eigenkapitalquote mittelfristig nicht stark verbessern.Β»
Den Gewinn zu erhΓΆhen, damit dΓΌrfte die Credit Suisse besonders zu kΓ€mpfen haben. Das erste Quartal 2016 bereitet schon vielen Banken Schwierigkeiten, die besser aufgestellt sind β fΓΌr die Credit Suisse dΓΌrfte es auch mittelfristig ohne den RΓΌckenwind sich verbessernder MΓ€rkte wenig Hoffnung auf Besserung geben.
Eine Meldung kΓΆnnte den Aktienkurs derzeit wohl aus dem Niemandsland holen. Β«Sollte Urs Rohner von der Spitze des Verwaltungsrates zurΓΌcktreten, wΓΌrde das den Aktienkurs beflΓΌgelnΒ», sagt Analyst Brun. Er kann sich hier sogar Gewinne im zweistelligen Prozentbereich vorstellen. Der Grund: Der Verwaltungsrat der Credit Suisse gilt aktuell als das Gremium, das bereits Thiam-VorgΓ€nger Brady Dougan unterstΓΌtzte, der die Kurswende mit der Bank nicht geschafft hat. Ein Wechsel dort kΓΆnnte als weiterer Schritt Richtung Neuerung gesehen werden β und die Investoren in Kauflaune versetzen.
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