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Wirtschaftsprüfer 
Die Big Four in der Krise

Stefan Pfister ist der CEO KPMG Schweiz, fotografiert am Donnerstag (13.09.18) beim Hauptsitz an der Badenerstrasse 172 in Zuerich für ein Interviewgespräch. Foto: Sebastian Magnani
KPMG-Chef Stefan Pfister.Quelle: Sebastian Magnani für BILANZ

Neue Skandale zehren an der Glaubwürdigkeit von KPMG, EY, Deloitte und PwC. BILANZ schaut hinter die Kulisse der verschwiegenen Wirtschaftsprüfer.

Philipp Albrecht
Von Philipp Albrecht
27.09.2018

Den Grossmeistern der Revision bläst wieder einmal ein kalter Wind entgegen. Nach dem Enron-Skandal 2002 und der Lehman-Pleite 2008 schon zum dritten Mal in 16 Jahren. Die Qualität ihrer Arbeit wird in vielen Ländern angezweifelt, weil die von ihnen geprüften Unternehmen Zahlen manipulierten.
 
Zum Beispiel bei der Postauto AG, wo die Revisoren von KPMG nichts vom Subventionsskandal sehen wollten. Der Revisionskonzern bestreitet, dass dies seine Aufgabe gewesen sei: «Hier fühlen wir uns von der Öffentlichkeit zu wenig ver­standen», sagt KPMG-Schweiz-Chef ­Stefan Pfister. Die Sache habe dem Ruf des Unternehmens geschadet. Die Post verzichtet künftig auf die Dienste von KPMG und prüft nun Organhaftungsklagen, die einzelne Führungsleute und externe Revisoren haftbar machen könnten.

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Falsch verstanden

Oder im Fall Bastos, wo ebenfalls KPMG involviert ist. Der Verdacht: Der schwei­zerisch-angolanische Geschäftsmann Jean-Claude Bastos hat Steuern hinterzogen und Geld gewaschen. Die Bundesanwaltschaft und die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) ermitteln. Laut «Tages-Anzeiger» richtet sich das Steuerverfahren auch gegen Bastos’ Steuerberater KPMG. Auch hier fühlt man sich falsch verstanden: KPMG weist die Vorwürfe der ESTV auf Anfrage zurück.
 
PwC kämpft sich unterdessen am Raiffeisen-Skandal ab. Im Fall der Beteiligungsgesellschaft Investnet, an der sich Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz bereichert haben soll, wird dem leitenden PwC-Revisor ein Interessenkonflikt vorgeworfen. Details sind keine bekannt. Man könne sich nicht zu Kunden äussern, verteidigt sich Andreas Staubli, seit diesem Sommer CEO des Schweizer Marktführers.

PwC-Chef Andreas Staubli
PwC-Chef Andreas Staubli.
Quelle: Sebastian Magnani für BILANZ

Interessenskonflikte und Rekrutierungsprobleme

In Grossbritannien, Südafrika, Indien und den USA gab es zuletzt Millionenbussen und Berufsverbote für die Big Four. Politiker fordern die gesetzliche Trennung von Beratung und Wirtschaftsprüfung.
 
Im Gespräch mit Aussteigern, Experten und Big-Four-Partnern zeigt sich, dass die Branche mit Interessenskonflikten und Rekrutierungsproblemen kämpft. Aber auch mit Missverständnissen in der öffentlichen Wahrnehmung. «Was die Öffentlichkeit von uns erwartet, unterscheidet sich stark von dem, was das Gesetz vorschreibt», sagen alle vier Schweiz-Chefs der Big Four. Kritiker stört, dass die Revisoren gleichzeitig Berater sind und kaum Transparenz über die Aktivitäten von KPMG, PwC, EY und Deloitte herrscht. Zudem sei die Aufsichtsbehörde zu wenig unabhängigt. Ex-Preisüberwacher Rudolf Strahm spricht von «Kameraderie».

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