Die deutsche Regierung will mit Hilfe eines Abkommens Steuerhinterziehern den Fluchtweg nach Singapur verbauen. Diese sollen Gelder auch aus der Schweiz in den Stadtstaat verschieben.
Deutschlands Finanzminister SchΓ€uble wird nach Singapur reisen. (Bilder: Keystone) RMS
Im Kampf gegen Steuerhinterzieher will die deutsche Bundesregierung ein Abkommen mit Singapur schliessen. Finanzminister Wolfgang SchΓ€uble werde bei einer Reise in den Stadtstaat in einer Woche mit der dortigen Regierung ΓΌber ein neues Auskunftsabkommen verhandeln.
Das verlautete aus Regierungskreisen, die damit einen Bericht der Β«BildΒ»-Zeitung bestΓ€tigten. Durch das Abkommen sollen die deutschen BehΓΆrden Informationen ΓΌber deutsche Steuerpflichtige erhalten, die ihr VermΓΆgen am Fiskus vorbei nach Singapur verschieben.
Nach Medienberichten gibt es Hinweise darauf, dass deutsche SteuerflΓΌchtlinge ihr Geld aus der Schweiz abziehen und nach Singapur schaffen. Die Rede ist von einem zweistelligen Milliardenbetrag.
Der Schweizer StaatssekretΓ€r fΓΌr internationale Finanzfragen, Michael AmbΓΌhl, sagte Ende September bei einer ExpertenanhΓΆrung im deutschen Bundestag, genauere Daten zu den Β«AbschleichernΒ» wΓΌrden demnΓ€chst vorliegen. Nach seiner EinschΓ€tzung wird das Problem ΓΌberbewertet.
Im Fall einer Schweizer Grossbank seien seit September 2011 nur 1 Prozent der Konten deutscher Kunden geschlossen worden, erlΓ€uterte AmbΓΌhl. Die HΓ€lfte dieses Geldes sei nach Deutschland, ein Viertel in andere EU-Staaten oder innerhalb der Schweiz verschoben worden. Damit kΓΆnnten 0,25 Prozent der deutschen Kunden potentielle Abschleicher sein.
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Gute Voraussetzungen fΓΌr Abkommen
Die Voraussetzungen fΓΌr ein Abkommen mit Singapur werden in deutschen Regierungskreisen positiv eingeschΓ€tzt: Das Land verfolge eine Β«Weissgeld-StrategieΒ», hiess es dort.
Das heisst, nach dieser EinschΓ€tzung hat der Staat kein Interesse daran, unversteuertes Schwarzgeld anzuziehen. Dies entspricht der offiziellen Linie Singapurs. Im August hatte die dortige Finanzaufsicht erklΓ€rt, keine ZuflΓΌsse von Schwarzgeld ins eigene Finanzsystem zu tolerieren.
Seit einiger Zeit ziehen Deutsche nach Medienberichten ihr Schwarzgeld aus der Schweiz ab, um der Offenlegung ihrer VermΓΆgen zu entgehen. Hintergrund soll das geplante deutsch-schweizerische Steuerabkommen sein, das jedoch vor dem Scheitern steht.
Es sieht eine pauschale Besteuerung deutscher VermΓΆgen in der Schweiz vor. Von SPD und GrΓΌnen gefΓΌhrte BundeslΓ€nder sperren sich gegen die Ratifizierung des Staatsvertrages, weil sie darin eine Bevorzugung der SteuerflΓΌchtlinge im Vergleich zu ehrlichen Steuerzahlern sehen.
Allerdings kΓΆnnen deutsche Steuerhinterzieher mit Geld in der Schweiz auch bei einem Scheitern des Steuerabkommens nicht beruhigt sein. Deutsche SteuerbehΓΆrden haben angekΓΌndigt, weiter Kontodaten aus der Schweiz kaufen zu wollen.