Nadelöhr zwischen Emmerich und Oberhausen
Ab der deutschen Landesgrenze fahren die Züge nach Duisburg, Köln oder Mannheim dann aber meist vergleichsweise langsam: Denn zwischen Emmerich und Oberhausen ist ein Nadelöhr, das auch von Personenzügen genutzt wird. Erst in den nächsten Jahren soll die Trasse mit Milliarden-Aufwand aufgerüstet werden. Kritiker vor allem in den Niederlanden vermuteten sogar, dass Deutschland mit der Verzögerung vor allem den Hamburger Hafen als Konkurrenten Rotterdams schützen wollte. Von Hamburg und Bremen in Richtung Hannover und Würzburg verläuft die zweite grosse Nord-Süd-Trasse.
Aber auch weiter im Süden stockt es: Italien mit der
Industrieregion um Mailand hat Nachhofbedarf und selbst in Süddeutschland ist es eng: Auf den knapp 200 Kilometer zwischen Karlsruhe und Basel soll die Strecke vierspurig ausgebaut werden, vor allem um den ICE-Verkehr von den langsamen Regional- und Güterzügen zu trennen. Gebaut wird schon seit Jahren, doch mit der Fertigstellung wird nicht vor 2030 gerechnet. Die Kosten werden sieben Milliarden Euro übersteigen.
Ein Grund, warum es langsam vorangeht, ist die Schattenseite des Güterverkehrs: Der Lärm der Züge treibt die Bürger seit Jahren auf die Barrikaden. Durch das Mittel-Rheintal rattern täglich bis zu 600 Züge, drei Viertel davon im Güterverkehr. Die Freude über den neuen Gotthard-Tunnel ist daher gering. Der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers, etwa geht davon aus, dass künftig alle drei Minuten ein Zug vorbeidonnern könnte - rund um die Uhr. Denn der Güterverkehr ist vor allem nachts unterwegs, um den Personenzügen Platz zu lassen.