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Credit Suisse: Exodus am Zuckerhut

Nach dem jüngsten Skandal der Grossbank in Brasilien laufen der CS nun wichtige Mitarbeiter davon.

Von Carmen Gasser
21.11.2006

Walter Berchtold, der jugendliche Private-Banking-Chef der Credit Suisse, hat derzeit jede Menge Baustellen. Die Margen sind im Sinkflug: Sie reduzierten sich im dritten Quartal von 110 auf 101 Basispunkte. Dabei zählte die CS seit Jahren zu jenen Finanzinstituten, welche die höchsten Margen in diesem Sektor auswiesen. Und auch mit seinem Brasilien-Einsatz konnte er sich bislang keine Lorbeeren verdienen.

Im März 2006 war die Karnevalsstimmung in der brasilianischen Repräsentanz São Paulo der CS schon längst verrauscht. Gleich mehrere Mitarbeiter wurden von der Bundespolizei verdächtigt, in illegale Geschäfte verwickelt zu sein. Ein Mitarbeiter, Peter Schaffner, wurde kurzzeitig sogar festgenommen, um seine Ausreise zu verhindern. Die Behörden sprachen von Geldwäscherei und illegalen Finanztransfers. Von einem Exempel, das die Brasilianer an Auslandbanken statuierten, die zu aggressiv heimische Kunden akquiriert hätten, war in Finanzkreisen die Rede. Heute, acht Monate später, dauern die Untersuchungen noch an. Und noch immer erhielt ein Schweizer CS-Mann seinen Pass nicht retour und sitzt in Brasilien fest.

Die Unsicherheit der Mitarbeiter in Brasilien ist nicht gewichen, im Gegenteil. Die CS liess via Pressesprecherin Regula Arrigoni ausrichten, dass eine «Anpassung der Strukturen in Brasilien umgesetzt» worden sei.

Das tönt beruhigend – die Realität indes präsentiert sich dramatischer: Das Private-Banking-Team in Brasilien atomisiert sich.

Alexander Siegenthaler, der starke CS-Mann in Lateinamerika, der in Brasilien auch die Onshore-Präsenz verstärken sollte, nahm Ende September den Hut. Er wechselt zu Sarasin und übernimmt dort das Private Banking für Zürich.

Drei langjährige Mitarbeiter in Rio machen sich selbständig. Allein dieses Team, seit Jahren in Brasilien lebend, betreut Kunden mit einem Gesamtvermögen von rund 1,5 Milliarden Franken. Die drei wechseln in die Obhut der Aquila-Gruppe in der Schweiz, eines Zusammenschlusses von privaten Vermögensverwaltern, die mittlerweile rund vier Milliarden Franken bewirtschaften.

Ein weiteres Team schnappte sich die Bank Julius Bär, die ihre Präsenz in Lateinamerika ausbauen will. Das Pikante daran: Alex Widmer, einstiger CS-Kollege und heute Private-Banking-Chef bei Julius Bär, holte die Leute zu sich. Berchtold wurde Widmer, damals Private-Banking-Chef der CS, nach einer Reorganisation 2004 vor die Nase gesetzt. 2005 quittierte er.

Die restlichen Private-Banking-Mitarbeiter in Brasilien stehen mehr oder weniger auf Stand-by für einen Absprung. Viel Arbeit also für Berchtold im neuen Jahr.

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