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Onlinehandel

Coop und Swisscom verbrannten mit Siroop Millionen

Aufwand und Ertrag zeigen: Der Marktplatz Siroop kam Coop teuer zu stehen. Doch der Vergleich mit Digitec zeigt: Auch die Konkurrentin ist noch kein Geldesel.

Bastian Heiniger

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Siroop ging Ende 2015 an den Start und hΓ€tte das Schweizer Amazon werden sollen. Keystone

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Ende Jahr wird der Marktplatz Siroop eingestellt. Coop und Swisscom haben damit viel Geld verbrannt. Wie viel, lΓ€sst sich nicht exakt beziffern, aber schΓ€tzen. Zuletzt arbeiteten 180 Personen fΓΌr Siroop. Die Personalkosten dΓΌrften sich somit gut zwischen 10 bis 18 Millionen Franken belaufen – konservativ kalkuliert. FΓΌr 2017 hat Siroop laut Experten mindestens 30 Millionen Franken fΓΌr Marketing ausgegeben. Hinzu kommen noch Versandkosten, Mieten, Versicherungen und IT-Kosten. Alles in allem dΓΌrften sich die Ausgaben im Bereich um 50 Millionen Franken bewegen
Doch wie viel konnte Siroop ΓΌberhaupt einnehmen? Experten schΓ€tzen den Umsatz auf 60 Millionen Franken β€“ im Vorjahr waren es laut des KΓΆlner EHI Retail Instituts noch 25 Millionen Franken. Von Retailern wie etwa Schuh-, Kleider- oder SpielzeughΓ€ndlern nimmt Siroop eine Kommission von 10 Prozent. Bei Elektronikartikel mit ihren tiefen Margen ist es allerdings weniger. Rechnet man dennoch optimistisch mit einer Marge von 10 Prozent auf den gesamten Umsatz, erzielte Siroop 2017 einen Ertrag von 6 Millionen Franken.
Konservativ geschΓ€tzt stehen als Ausgaben um die 50 Millionen Franken also einem optimistisch gerechneten Ertrag von 6 Millionen Franken gegenΓΌber. Der Online-Marktplatz dΓΌrfte somit vergangenes Jahr einen Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich eingefahren haben. Genug jedenfalls, damit erst Swisscom ausstieg und nun auch Coop die Reissleine gezogen hat.

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Siroop zu frΓΌh aufgegeben

Hat Coop dennoch zu frΓΌh aufgegeben? Β«Ich bin ΓΌberrascht, dass jetzt schon der Stecker gezogen wirdΒ», sagt Patrick Kessler, PrΓ€sident des Verbands Schweizer VersandhΓ€ndler (VSV). Β«Eigentlich hΓ€tten sie Siroop mindestens drei Jahre Zeit geben mΓΌssen.Β» Doch der Glaube an das Produkt sei wohl schon frΓΌh verloren gegangen. Dass es im Online-Handel jedoch einen langen Atem braucht, zeigen die Beispiele Amazon oder Zalando. Beide schrieben lange Jahre Verluste.

Bei Siroop ist aber trotz auffΓ€lliger Werbekampagne der Funke nicht gesprungen: weder bei den HΓ€ndlern noch bei den Kunden. Verschiedene HΓ€ndler berichteten, dass kaum Bestellungen via Siroop hereingekommen seien. Zudem war es laut Kessler nicht mΓΆglich, seine Produkte prominenter zu bewerben. Bei anderen MarkplΓ€tzen wie Amazon oder ricardo.ch hingegen geht das. Und bei den Konsumenten konnte Siroop auch nicht mit sonderlich tiefen Preisen punkten. Kessler sagt: Β«Vom Nutzen her gab es keinen relevanten Unterschied zu anderen Portalen, die schon lΓ€nger am Markt sind.Β»

Auch Digitec Galaxus ist noch kein Geldesel

Konkurrentin Digitec dagegen hat sich mit der Integration von Galaxus nach und nach zu einem Marktplatz entwickelt, der eine Rolle spielt im Schweizer Onlinehandel. Da sah Coop wohl kaum noch eine Chance, mit Siroop gross Marktanteile aufzuholen. Digitec Galaxus, die zu 70 Prozent der Migros gehΓΆrt, hat vergangenes Jahr mit 861 Millionen Franken 14 mal mehr umgesetzt.  

Dennoch dΓΌrfte der grΓΆsste Schweizer Online-HΓ€ndler noch kein Geldesel sein, wie sich abschΓ€tzen lΓ€sst: Insgesamt arbeiteten derzeit 1150 Personen bei Digitec Galaxus. Allein die Personal-Kosten dΓΌrften sich daher gegen einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen. FΓΌrs Marketing dΓΌrfte der Online-HΓ€ndler mindestens so viel ausgegeben haben wie Siroop. SchΓ€tzungen in der Branche gehen sogar vom Doppelten aus. Die Ausgaben dΓΌrften somit ΓΌber 150 Millionen Franken liegen.

Doch wie sieht es mit dem Ertrag aus? Der grΓΆsste Teil des Umsatzes machen Elektronikartikel aus, auf denen die Marge sehr tief ist. Besonders etwa bei Fernsehen, Computer, Tablets oder Smartphones. Branchenexperten schΓ€tzen, dass solche Produkte mit einer Marge bis maximal 5 Prozent etwa 50 Prozent des Umsatzes ausmachten. In diesem Bereich gΓ€be das einen Bruttoertrag von 22 Millionen Franken.



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Digitec Galaxus hat nun freie Bahn

HΓΆher dΓΌrfte die Marge bei Ersatzteilen und Gadgets wie Kabel, Stecker und HandyhΓΌllen sein. Rechnen kann man bei diesen Produkten mit durchschnittlichen Marge von 20 bis 30 Prozent. Nimmt man 30 Prozent ergibt das einen Bruttoertrag von 130 Millionen. Insgesamt dΓΌrfte sich der Bruttoertrag also geschΓ€tzt um 150 Millionen Franken belaufen. Ertrag und Ausgaben kΓΆnnten sich somit ungefΓ€hr die Waage halten.  

Kessler zumindest schΓ€tzt, dass Digitec Galaxus trotz der hohen WerbeintensitΓ€t nahe an der ProfitabilitΓ€t ist. Β«Wenn sie zwei, drei Jahre so weiter wachsen, kommt es sehr gutΒ», sagt er. Dass der Konkurrent Siroop bald wegfΓ€llt, spielt dem Online-HΓ€ndler zusΓ€tzlich die Karten. Auch kΓΆnnte er nun seine Marketingausgaben etwas zurΓΌckfahren. Gefahr droht nur noch von den auslΓ€ndischen Giganten, die in der Schweiz stΓ€rker werden.

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