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Trendwende

Chinesen wollen Apples Schweizer Vormacht brechen

Seit jeher gilt die Schweiz als Apple-Land. Und noch immer halten viele Schweizer am Smartphone der ersten Stunde fest. Noch - denn chinesische Hersteller sind auf dem Vormarsch.

Julia Fritsche

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ErΓΆffnung des Apple-GeschΓ€fts in Basel 2014: Schweizer sind Kunden erster Stunde.Β Β Keystone RMS

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JΓΌngste Zahlen zum globalen Smartphone-Markt lassen aufhorchen. Der Markt – und Apple in dessen Sog – geraten zunehmend unter Druck. Laut eines Berichts des Marktforschers IDC wurden im ersten Quartal 2016 nur noch leicht mehr Smartphones ausgeliefert als im Vorjahresquartal. Die hohe SΓ€ttigung des Marktes hat bei Apple und auch Samsung gar zu einen RΓΌckgang gefΓΌhrt. Die SchwΓ€che der etablierten Anbieter machen sich chinesische Neulinge zunutze, die im vergangenen Quartal beachtliche Wachstumsraten vorweisen konnten.
Der internationale Trend spiegelt sich auch in der Schweiz. Und das obwohl die Schweiz seit jeher als Apple-Land gilt. Viele Smartphone-Besitzer haben hierzulande ein iPhone in der Tasche. Ein wichtiger Grund: Dank den vergleichsweise hohen LΓΆhnen kΓΆnnen Schweizer sich ein solches auch relativ schnell leisten. Eine Kaufkraft-Studie der UBS zeigt, dass man dafΓΌr hierzulande nur gerade 20,6 Stunden arbeiten muss (Schlusslicht Ukraine: 627,2 Stunden, siehe unten stehende Bildergalerie).

Negative Premiere

Β«Schweizer gehΓΆren zu den Apple-Usern der ersten StundeΒ», hΓ€lt Christoph Glaus vom Vergleichsdienst Comparis fest. Und noch heute sind viele dem Hersteller ihres ersten Smartphones treu. Das wird aber kaum auf ewig so bleiben. Im Gegenteil: Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass der Zenit fΓΌr Apple auch in der Schweiz ΓΌberschritten sein kΓΆnnte.

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So sank die Verbreitung des iPhones in der Schweiz gemΓ€ss Comparis-Erhebung im ersten Quartal dieses Jahres erstmals, auf nun 54 Prozent. In den Vergleichsstudien 2012 und 2013 betrug der Marktanteil von Apple noch jeweils 55 Prozent, bevor 2014 mit 56 Prozent der hΓΆchste Wert erreicht wurde. Beim Onlineshop Galaxus/Digitec sind die iPhone-VerkΓ€ufe eigenen Angaben zufolge noch stabil, gleichzeitig nimmt demnach aber die Nachfrage nach chinesischen Marken stetig zu: So gelang es Huawei, sich innert kurzer Zeit unter den vier meistverkauften Marken zu etablieren.

Chinesen holen auf

Huawei belegt denn auch laut der Studie von IDC weiter Platz Eins unter den Apple-Verfolgern. Die neuen Player Oppo und Vivo, die beide seit 2011 auf dem chinesischen Markt mitmischen, holen aber dank dreistelligen Wachstumsraten auf. Oppo vertreibt seine Modelle seit 2012 international, zuerst in Thailand, nun aber auch in vielen anderen LΓ€ndern der Welt. Inzwischen stellt das Unternehmen einen FΓΌnftel seiner Smartphones fΓΌr den auslΓ€ndischen Markt her. Mit einer Wachstumsrate von 153 Prozent im ersten Quartal gegenΓΌber dem Vorjahreszeitraum kommt Oppo weltweit auf einen Marktanteil von 5,5 Prozent, was immerhin einen Drittel des Apple-Werts ausmacht.

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Konkurrent Vivo ist noch stΓ€rker auf den Heimmarkt fokussiert, erst 2014 wagte sich der Smartphone-Produzent nach Indien und SΓΌdostasien. Daher lieferte das Unternehmen 2015 auch erst 10 Prozent seiner Produkte ins Ausland. Von Januar bis MΓ€rz diesen Jahres konnte Vivo am fΓΌnftmeisten Smartphones ausliefern. Die Zuwachsrate war mit 124 Prozent ebenfalls beachtlich. Die beiden Neulinge haben die traditionsreicheren Konkurrenten Lenovo und Xiaomi aus den Top FΓΌnf verdrΓ€ngen kΓΆnnen.

Positionierung im Premiumsegment

Vivo positioniert sich als Premiummarke. Das X5Pro, eines ihrer bestverkauften Modelle, kostet umgerechnet etwas ΓΌber 300 Schweizer Franken. Im Vergleich zur iPhone-Familie ist das immer noch ziemlich wenig. Das neue iPhone SE ist in der gΓΌnstigsten Variante bereits fΓΌr rund 480 Franken zu haben.
Das iPhone SE im Test:
Der Preis sei fΓΌr Schweizer Konsumenten allerdings nicht der entscheidende Faktor, sagt Comparis-Experte Christoph Glaus. Das zeigt das Beispiel Apple: Die Produkte sind teuer und kamen bislang immer gut an. Β«Huawei, Lenovo und Xiaomi mΓΌssen, wenn sie denn die Schweiz als fΓΌr sie wichtigen Absatzmarkt erachten, mit Innovation und QualitΓ€t punkten.Β»

Potenzial ist vorhanden

Galaxus-Sprecher Lino Bugmann sieht chinesische Hersteller in diesem Bezug gut aufgestellt: Β«Smartphones aus China sind in technischer Hinsicht ΓΌblicherweise auf dem neusten Stand.Β» Das Preis-Leistungs-VerhΓ€ltnis stimme bei diesen Produzenten. Smartphones von Vivo und Oppo sind in der Schweiz bisher noch nicht erhΓ€ltlich – heute bleibt der Weg ΓΌber das Internet. Von der Marke Oppo bietet Galaxus aber bereits ZubehΓΆr wie KopfhΓΆrer an.

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Bevor die aufstrebenden Marken aus dem Osten Apple auch in der Schweiz gefΓ€hrlich werden kΓΆnnen, mΓΌssen sie zwei HΓΌrden ΓΌberwinden. So befΓΌrchtet der Comparis-Experte, dass viele Schweizer, welche nicht sehr technologieaffin sind, gegenΓΌber Produkten aus China grosse Vorbehalte in puncto QualitΓ€t haben. Wobei eben gerade dort ihre StΓ€rke liegt. Bugmann sieht die Markenliebe der Schweizer Konsumenten als Markteintrittsbarriere. Das Beispiel Huawei zeige aber, dass hierzulande auch chinesische Hersteller Potenzial haben.
Apple kann sich also auch in der Schweiz nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Der Hype um die frΓΌhen Produkte des Techkonzerns noch unter der Γ„gide von Steve Jobs wird zwangsweise abebben. Dann mΓΌssen die neuen Produkte wieder mehr Innovation bringen als etwa die iPhones 6S oder SE.
So lange mΓΌssen Arbeiter rund um die Welt fΓΌr ein iPhone arbeiten:
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Weltweit erhΓ€ltliche GΓΌter eignen sich, um die Kaufkraft international zu vergleichen. Die UBS hat fΓΌr rund 70 GrossstΓ€dte erhoben: Wie lange muss ein Angestellter im Schnitt fΓΌr ein iPhone arbeiten? Auch der Kauf eines Big Macs, eines Laib Brots und eines Kilo Reis’ ist aussagekrΓ€ftig.Platz 5: Los Angeles: 27,2 Stunden fΓΌr ein iPhone. FΓΌr einen Big Mac muss man nur elf Minuten arbeiten. Einen Laib Brot gibt es nach zehn Minuten, die HΓ€lfte davon braucht es fΓΌr ein Kilo Reis. RMS

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