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KI behält das Fliessband im Auge

Schweizer Start-up optimiert Produktionsprozesse weltweit

Cerrion entwickelt eine KI-Plattform, um Produktionslinien automatisch per Video zu überwachen.

Marc Kowalsky

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Nikolay Kobyshev (l.)und Karim Saleh reduzierten mit ihrer KI-Lösung Ausfallzeiten und Sicherheitsrisiken auf Produktionslinien um bis zu 50 Prozent. RMS

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Die Geschäftsidee?

Cerrion entwickelt eine Plattform für Video-KI-Agenten, die Produktionslinien mit Standardkameras automatisch überwachen. Sie erkennen Anomalien in Echtzeit und reagieren selbstständig darauf – und reduzieren so Ausfallzeiten und Sicherheitsrisiken um bis zu 50 Prozent. Die Plattform ermöglicht es Fabriken, skalierbare KI-Agenten einzusetzen, die auf jede visuelle Prozessabweichung reagieren können: von Produktionsblockaden über Qualitätsprobleme wie defekte Verpackungen bis hin zu Sicherheitsrisiken wie Flammen. Die Agenten können automatisch Maschinen stoppen, Transportbänder verlangsamen oder Warnmeldungen auslösen.

Wie ist sie entstanden?

Ich bin in einer Produktionsfamilie in Ägypten aufgewachsen und habe selbst erlebt, wie sehr Produktionsarbeit einem ständigen «Firefighting» gleicht. Nachdem wir mit mehr als 500 Produktionsteams gesprochen hatten, wurde für uns deutlich, warum das so ist: Die hohe Komplexität in Fabriken führt dazu, dass viele Probleme unbemerkt bleiben – bis sie zu vermeidbaren Verlusten oder Sicherheitsrisiken werden. Video und KI schienen uns die ideale Lösung zu sein, um solche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Warum der Name?

Wir mochten den Klang italienischer Städtenamen. Nikolay schrieb deshalb einen Algorithmus, der die Domain-Verfügbarkeit aller italienischen Städte und Gemeinden prüft. Wir fanden «Cerrion» cool – allerdings hatte der Algorithmus einen kleinen Bug und liess immer den letzten Buchstaben weg. Eigentlich hätte der Name «Cerrione» heissen sollen, nach dem italienischen Dorf Cerrione im Piemont.

Partner-Inhalte

  • Website: www.cerrion.com
  • Gegründet: Dezember 2021
  • Gründer: Karim Saleh (26), CEO; Dr. Nikolay Kobyshev (36), CTO
  • Firmensitz: Zürich
  • Anzahl Mitarbeiter: 32
  • Umsatzziel für 2026: achtstellig
  • Profitabel:jederzeit möglich

Woher stammt das Startkapital?

Max Diez, ein erfolgreicher Schweizer Unternehmer, war unser erster Angel Investor. Dann folgte eine Fünf-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde mit Y Combinator, Twitch-Gründer Justin Kan, Session VC, Soma Capital, 10x Founders sowie führenden Unternehmern aus der Schweiz und dem Silicon Valley.

Womit erzielen Sie die Umsätze?

Unternehmen zahlen eine jährliche Gebühr pro Kamera, die an unsere Plattform angeschlossen ist und deren Videofeed von unseren KI-Agenten analysiert wird.

Die Vision?

Unser Ziel ist es, das KI-Operating-System – das System of Action – für Produktionslinien zu werden. Kurz gesagt: Wir bauen die neue Siemens für das KI-Zeitalter.

▶ «Schon viel erreicht»

«Cerrion hat nicht eine Technologie entwickelt, die ein Problem sucht, wie man das ja manchmal an Hochschulen erlebt, sondern verfolgt einen stark problemgetriebenen Ansatz. Und ungeplante Produktionsstillstände sind ein grosses Problem mit gewaltigem Schadensvolumen. Die KI-Lösung ist breit gebaut, aber spezifisch auf drei Branchen ausgelegt und basiert auf eigenen Modellen, das gefällt mir. Sie ist in über 60 Fabriken im Einsatz, auch international, der Product-Market Fit ist also da, Cerrion hat schon viel erreicht. Die beiden Gründer scheinen komplementär zu sein, der CEO hat Drive und überzeugt mit seinen Ambitionen und Überlegungen. Die beiden haben sich von Anfang an mit sehr namhaften Advisors und Business Angels zusammengetan – beeindruckend, wer da im Hintergrund ist! Allerdings ist das Cerrion-System als «Co-Pilot» zu verstehen, der in erster Linie Mitarbeiter unterstützt. Da bewegt man sich noch in klassischen IT-Budgets. Der grosse Sprung wäre die vollautonome KI-Lösung, die auch in die Prozesssteuerung integriert ist. Das bedingt Partnerschaften, aber die Wertsteigerung wäre massiv.»
Stefan Kuentz ist als Co-Head of Swisscom Ventures verantwortlich für die Start-up-Beteiligungen dort.
Stefan Kuentz ist als Co-Head of Swisscom Ventures verantwortlich für die Start-up-Beteiligungen dort.zvg
Stefan Kuentz ist als Co-Head of Swisscom Ventures verantwortlich für die Start-up-Beteiligungen dort.
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▶ «Sexy!»

«Die Geschäftsidee von Cerrion ist nicht neu: Wir haben uns schon vor 20 Jahren Systeme angeschaut, die mittels Optik und Gewicht fehlerhafte Teile auf der Produktionsstrasse identifizieren. Entsprechend viele Anbieter gibt es bereits auf dem Markt. Der entscheidende Faktor dort ist nicht die technische USP, sondern ob man es schafft, in die Fabriken reinzukommen und schnell erzielte Ersparnisse zu belegen. Da ist Cerrion recht erfolgreich. Sie sprechen von 50 Prozent Ausfallzeitreduktion, und die Implementationszeit beträgt nur zwei Wochen – sexy! Der Gründer hat mich beeindruckt, er ist jung, legt aber eine grosse Professionalität an den Tag und wirkt sehr strukturiert. Er war als Wasserballspieler an drei Weltmeisterschaften mit dabei, weiss also, wie ein Team funktioniert und hat Ehrgeiz. Auch sein Co-Gründer und CTO scheint supersmart zu sein. Cerrion hat Top-VCs in der B-Runde reinbekommen, das ist ein Gütesiegel. Die Lösung ist gut skalierbar, auch in andere Industriesektoren hinein. Und Cerrion arbeitet schon an vertikalen und horizontalen Wachstumsstrategien. Insgesamt ist das sehr eindrücklich, da stehen viele Ampeln auf Grün. Cerrion hat das Potenzial, etwas Grosses zu werden.»
Cédric Köhler ist seit 2007 Managing Partner von Creathor Ventures mit Sitz in Zürich und Bad Homburg.
Cédric Köhler ist seit 2007 Managing Partner von Creathor Ventures mit Sitz in Zürich und Bad Homburg.zvg
Cédric Köhler ist seit 2007 Managing Partner von Creathor Ventures mit Sitz in Zürich und Bad Homburg.
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Die grosse Stärke?

Unsere Obsession, Wert für unsere Kunden zu schaffen und sie im grossen Massstab glücklich zu machen. Unsere KI-Agenten sind plug and play und können in wenigen Tagen Kundenprozesse automatisieren.

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Die grösste Herausforderung?

Um mit unserem starken Wachstum Schritt zu halten, müssen wir das Team weiter ausbauen. Die besten Talente zu finden, ist unsere grösste Priorität – und zugleich eine der grössten Herausforderungen.

Der bisher grösste Erfolg?

Ein «Fortune»-500-Unternehmen hat unsere KI-Agenten in nur 13 Monaten von einer Fabrik auf elf Standorte ausgeweitet – nachdem es schon in den ersten fünf Wochen einen klaren ROI gesehen hat.

Das Überraschendste bisher?

Mit wie vielen Problemen Produktionsteams täglich konfrontiert sind.

Der nächste Schritt?

Skalieren – und unsere KI-Agenten sowie ihren Effizienz-Impact in so viele Fabriken wie möglich bringen.

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