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Luftfahrt

Bombardier sucht Hilfe bei der Konkurrenz

Mit seiner C-Serie will Bombardier zum Rivalen von Airbus und Boeing werden. Doch der kanadische Flugzeugbauer sitzt auf einem hohem Schuldenberg. Ein Partner muss her. Im Visier: die Konkurrenz.

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Premiere in Kloten: Ab nΓ€chstem jahr fliegt die Bombardier-Maschine fΓΌr die Swiss.Β Β Keystone RMS

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Nach den geplatzten GesprΓ€chen mit Airbus sucht der Flugzeug- und Zughersteller Bombardier laut einem Insider weiter nach einem Partner fΓΌr seinen bisher grΓΆssten Flugzeugtyp. Dabei haben die Kanadier laut Berichten vom Montag auch den Branchenriesen Boeing und den brasilianischen Regionaljet-Hersteller Embraer im Auge.
Die neue Bombardier CSeries, auf Deutsch auch C-Serie genannt, soll 2016 erstmals ausgeliefert werden. Bombardier, bisher fΓΌr GeschΓ€ftsreise- und Regionaljets bekannt, zielt mit dem Modell auf das Segment der Mittelstreckenjets, das bisher von Boeing und Airbus beherrscht wird.

Bombardier braucht Hilfe

Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass Bombardier die C-Serie in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem europΓ€ischen Flugzeugbauer Airbus ΓΌberfΓΌhren wollte. Der Deal kam jedoch nicht zustande. Bombardier sitzt auf einem hohen Schuldenberg, die parallele Entwicklung der C-Serie und eines weiteren Flugzeugtyps verschlingt zudem hohe Summen.
In der Γ–ffentlichkeit wurde das geplante BΓΌndnis mit Airbus vielfach als Hilferuf der Kanadier verstanden, zumal sich Bombardier auch mit einem BΓΆrsengang der Zugsparte finanziell Luft verschaffen will. Dem Insider zufolge sollen dabei jedoch 70 bis 80 Prozent der Zug-Anteile in den HΓ€nden von Bombardier bleiben. Bis Ende des Jahres soll ΓΌber den BΓΆrsengang Klarheit herrschen.

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Grosse Nachfrage stimmt die Kanadier optimistisch

Im Umfeld des C-Serie-Projekts wird beteuert, dass das Geld fΓΌr die Entwicklung und den Bau des Fliegers ausreiche. Von einem BΓΌndnis mit Airbus oder einem anderen Hersteller versprΓ€chen sich die Kanadier vor allem Vorteile bei der Einkaufsmacht gegenΓΌber Zulieferern und bei der Vermarktung. Sollte sich kein Partner finden, werde das Unternehmen die C-Serie alleine weiterbauen. Schliesslich wΓΌrden in den kommenden 20 Jahren weltweit voraussichtlich 4000 bis 5000 Maschinen dieser GrΓΆsse benΓΆtigt.
Unklar bleibt, ob eine Beteiligung an der C-Serie einem anderen Flugzeugbauer genΓΌgend Vorteile bietet, so dass dieser einen Einstieg wagt. Die grΓΆssere Version der C-Serie, die CS300, bietet Platz fΓΌr bis zu 160 Passagiere. Sie tritt damit gegen den Airbus A319 und dessen Neuauflage A319neo an und ist etwas kleiner als die Boeing 737 und deren Neuauflage 737-MAX. Beim Β«neoΒ»-Airbus und der C-Serie kommt auch ein Γ€hnlicher Triebwerkstyp vom Hersteller Pratt & Whitney zum Einsatz. Er soll fΓΌr deutlich geringeren Spritverbrauch sorgen als bisher ΓΌblich.

Swiss bekommt das neue Bombardier-Flugzeug zuerst

Bombardiers Rivale bei den Regionaljets, der brasilianische Hersteller Embraer, hat bislang davon abgesehen, mit einem grΓΆsseren Flugzeugtyp in das Revier von Airbus und Boeing vorzudringen. Bombardier hat mit der C-Serie derweil mit mehrjΓ€hrigen VerzΓΆgerungen zu kΓ€mpfen. Die Erstkundin, die Lufthansa-Tochter Swiss, soll ihr erstes Exemplar nun Mitte 2016 erhalten.

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Seit mehr als einem Jahr hat keine Airline mehr den Jet bestellt, der bei Paris im Juni erstmals auf einer Luftfahrtmesse zu sehen war. Bombardier liegen 243 Festbestellungen vor, bis zur Indienststellung des ersten Exemplars sollen es eigentlich 300 sein. Allerdings haben Interessenten zusΓ€tzlich zu den Festbestellungen unverbindliche VorvertrΓ€ge fΓΌr mehr als 350 Maschinen unterzeichnet.
(awp/jfr)

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