Als Philosophen brillieren die wenigsten Konzernlenker, und gerade bei Nestlé-Präsident Paul Bulcke, der in seiner langen Karriere zwar hoch erfolgreich, aber doch eher visionsfrei seine Schokoladen, Pizzen und Hundefutterdosen in die Absatzkanäle presste, würde hier kaum jemand spezielle Anwandlungen vermuten.

Doch der Neo-Schweizer aus Belgien ist ein begeisterter Anhänger des indischen Weisheits-Propheten Jagdish Parikh, dem Hoheprediger der Philosophie des «detached involvement»: Ja, Engagement ist wichtig, aber immer mit einer gewissen Distanz, um gegen die Unwägbarkeiten des Daseins sowie alles andere gewappnet zu sein. Man könnte auch sagen: Engagiert losgelöst.

Warum das wichtig ist? Gestern legte sich Economiesuisse fest: Wir sind für das institutionelle Rahmenabkommen mit der EU. Überraschend dabei: Im 17-köpfigen Vorstandsausschuss des Dachverbands fiel das Votum einstimmig aus. Selbst Swiss-Life-Präsident Rolf Dörig, der als SVP-U-Boot das Rahmenabkommen stets torpedierte, lenkte ein. Bei der Abstimmung zur SVP-Selbstbestimmungsinitiative im letzten November hatte der Versicherungsverbandspräsident noch gegen die Parole des eigenen Verbands für ein Ja plädiert und war der Abstimmung fern geblieben. Jetzt beugte er sich.

Dabei hätte er hier deutlich einfacher Mitstreiter finden können. Bei der hart gelandeten Selbstbestimmungsinitiative war die Wirtschaft praktisch geschlossen gegen die SVP. Beim Rahmenabkommen sind die Linien durchlässiger, die Ablehnung kommt nicht nur von links und rechts, sondern auch von gemässigten Personen in der Mitte – und das führt zurück zu Buddha Bulcke. Solange der Brexit nicht ausverhandelt sei, solle die Schweiz hier nichts überstürzen, befindet der Nestlé-Vormann: «Wir sollten flexibel bleiben.» Ziemlich losgelöst – und ziemlich richtig.

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