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Umfrage

Banken sind nicht gleich Banker

Eine Umfrage zeigt: Die Menschen haben nach wie vor ungebrochenes Vertrauen in ihre Hausbank. Und glauben, sie schafft die Digitalisierung.

Banken
Entscheidender Knoten: Bankkunde am Automaten. Getty Images

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Es gibt die Banken in der Politik und den Medien – und es gibt die Banken im Alltag. Und das eine hat nicht unbedingt viel mit dem anderen zu tun. Dies der Eindruck, den eine neue Umfrage erweckt.
Ganz grundsΓ€tzlich besagen die Daten, dass die Banken einen sehr guten Ruf haben in der Schweiz. Konkreter: 58 Prozent der BevΓΆlkerung – so die Hochrechnung – beurteilen die hiesigen Geldinstitute positiv oder sehr positiv.
Damit wΓ€re der Eindruck der GeldhΓ€user wieder Γ€hnlich gut wie vor der grossen Finanzkrise. Im letzten Jahr vor dem Lehman-Crash, 2007, hatte der Positiv-Wert bei 59 Prozent gelegen. Beim Tiefpunkt, 2013, hatten sich noch 43 Prozent der Befragten positiv zu den Schweizer Banken geΓ€ussert.

Solid plus Skandale

Die Umfrage wurde vom Institut Gfs im Auftrag der Schweizerischen Bankiervereinigung erhoben. Sie zeigt aber auch, dass sich – je nach Fragestellung – Positives mit Negativem vermischt.
  • Eine Mehrheit der BevΓΆlkerung denkt zum Beispiel, dass die Banken Β«finanziell solid und wirtschaftlich sicherΒ» sind (83 Prozent); oder dass die Banken Β«wichtige ArbeitgeberΒ» sind (89 Prozent).
  • Eine Mehrheit denkt aber auch, dass die Banken Β«im Zentrum von GeldwΓ€scherei und FinanzierungsskandalenΒ» stehen (69 Prozent) oder dass sei Β«Profit vor gesellschaftliche VerantwortungΒ» stellen (65 Prozent).

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Zur Umfrage

Swiss Banking: Meinungsumfrage 2019 zu den Banken in der Schweiz, Mai 2019.

Telefon- und Handy-Umfrage, durchgefΓΌhrt im Januar 2019, 1’000 Befragte. Stichprobenfehler:  Β±3,1 Prozent bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit.

Aber das sind keine Dissonanzen – wer Banken als wichtige Arbeitgeber erachtet und zugleich feststellt, dass sie oft im Zentrum von Finanzskandalen stehen, beschreibt ja durchaus einen Ist-Zustand.

Es geht ums Personal

Offenbar gibt es fΓΌr Herrn und Frau Schweizer auch einen Unterschied zwischen Β«den BankenΒ» als Institution – und der Bank, mit der man tΓ€glich zu tun hat. Eine sehr satte Mehrheit der Befragten findet die eigene Hausbank Β«solide und zuverlΓ€ssigΒ» (94 Prozent) beziehungsweise Β«vertrauenswΓΌrdigΒ» (95 Prozent). Und man hat auch allgemein das GefΓΌhl, das Personal sei kompetent (92 Prozent).

Das Image der Banken lebt also stark von den Leuten an der Front – und weniger von den Managern, die in den Medien auftauchen.
Insgesamt sind die Werte der Swissbanking-Umfrage ΓΌber die Jahre recht stabil. Eine auffΓ€llige Steigerung ergab sich allerdings bei der Frage, ob man das GefΓΌhl habe, die Bank informiere transparent: 80 Prozent sagen diesmal Ja – vor vier Jahren waren es noch 70 Prozent gewesen. Ob sich hier strengeren Compliance-Regeln und Anlagerichtlinien wie Mifid II niederschlagen, ist die offene Frage.

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London? New York? Da halten wir mit.

Auch in einer Adlerperspektive halten die Schweizer iher Banken fΓΌr solide – es herrscht sogar erheblicher Zukunfts-Optimismus: So findet eine Mehrheit von 56 Prozent, der hiesige Finanzplatz sei wettbewerbsfΓ€higer als die Bankensektoren anderer LΓ€nder (wobei in der Frage sogar Schwergewichte wie Grossbritannien, Singapur, Luxemburg und die USA namentlich genannt wurden).
Und ebenfalls 56 Prozent denken, die Banken wΓΌrden zu den Gewinnern der Digitalisierung gehΓΆren; wobei dieser Wert allerdings vor zwei Jahren deutlich hΓΆher gelegen war (2017: 65 Prozent).

Bill Gates? Welcher Bill Gates?

Und so erwarten nochmals 56 Prozent aller Befragten, dass es Schweizer Banken auch in 20 Jahren noch geben wird (wenngleich in stark verΓ€nderter Form). Bill Gates’ Vorstellung, dass es in der Zukunft zwar noch Banking braucht, aber keine Banken, fΓ€llt den Menschen offenbar immer noch schwer: Nur gerade 4 Prozent sagen Ja auf die Frage, ob es in zwanzig Jahren die Banken nicht mehr geben kΓΆnnte.

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