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Bank Vontobel: Alter Einfluss

Peter Wagner hat seinen Rauswurf als Präsident einem Einzigen zu verdanken: Hans Vontobel.

Von René Lüchinger
26.01.2005

Als am 7. Dezember des vergangenen Jahres die Demission von Peter Wagner als Präsident der Holding und der Bank Vontobel publik gemacht wurde, reichten zwölf Zeilen, um eine elfjährige VR-Karriere im Hause, davon drei als Präsident, zu beenden. «Die Hauptaktionäre», hiess es in der Pressemitteilung, «und die Verwaltungsräte sowie Peter Wagner» seien übereingekommen, das Mandat an der Generalversammlung 2005 «nicht zu erneuern». Der Wortlaut ist, gelinde gesagt, euphemistisch. Er drückt den Willen einer einzigen Person aus: jenen von Hans Vontobel, dem grossen alten Mann der Bank und Vontobel-Ehrenpräsidenten. Eine allfällige Demission des Präsidenten ist im Verwaltungsrat nie traktandiert, nie besprochen und folglich auch nie rechtmässig beschlossen worden. Auch in der Vontobel-Stiftung, einem der grossen Aktionäre, nebst Vertretern der Familie Vontobel mit Persönlichkeiten wie der FDP-Ständerätin Trix Heberlein und Professor Ernst Kilgus im Stiftungsrat, regte sich Unverständnis und Widerstand gegen Hans Vontobels Entscheid. Nachrücken als Präsident wird mit Urs Widmer ein Mann entsprechend Vontobels Wahl, seit 2003 im VR und davor Präsident von Ernst & Young, der langjährigen Revisionsstelle der Bank Vontobel. Die Demission des Präsidenten ist der vorläufig letzte Akt des Hans Vontobel, um die Zeit in seiner seit 1986 börsenkotierten Bank zurückzudrehen, die Schlüsselpositionen mit Persönlichkeiten seines Vertrauens zu besetzen und Missliebige aus der Bank zu drängen. Dabei scheut der 88-Jährige keinen Aufwand; noch heute kann er es nicht lassen, Einblick in die VR-Protokolle zu nehmen. Ähnlich wie im jüngsten Fall ging er vor, als er 2003 Hans Geiger, Ordinarius an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich und ausgewiesener Bankenspezialist, aus dem Gremium der Bank entfernt haben wollte. Pikanterweise war es damals Wagner, der als Präsident Geiger darauf vorzubereiten hatte, dass der Patron im Gremium eine «Verjüngung» – so die offizielle Sprachregelung – einleiten wolle. Mit dem Abgang Geigers verlor das Gremium nicht nur eine selbstbewusste Persönlichkeit, sondern Wagner auch seine wichtigste Stütze im VR. Geiger, der ehemalige CS-Banker, und Wagner, der ausgewiesene Finanzfachmann, funktionierten als zwar gegensätzliches, sich aber ergänzendes Tandem im Vontobel-VR – und kaum war Ersterer verabschiedet, atomisierte sich das Gegengewicht zu den Vontobel nahe stehenden Verwaltungsräten. Und so sah sich Wagner mehr und mehr auf verlorenem Posten. Was aber treibt den Ehrenpräsidenten dazu an, entgegen allen Regeln der Corporate Governance derart in die Personaldispositionen der Bank einzugreifen, die börsenkotiert ist und in welcher der Patron seit Jahren keine Funktionen mehr innehat? Dies mag damit zusammenhängen, dass niemand abzuschätzen vermag, was geschehen wird, wenn das Familienoberhaupt der Aktionärsfamilie einmal nicht mehr ist. Es scheint, als wolle der alternde Bankier durch seine Personaldispositionen verhindern, dass der Aktionärsbindungsvertrag der Familie dereinst auseinander fallen könnte, wenn die einende Autorität von Hans Vontobel einmal fehlt. Klar ist, dass es unter den Familienaktionären, die mittlerweile drei Generationen umfassen, divergierende Interessen gibt.

Dass es Wege gibt, diesen Konflikt zu lösen, zeigt die Bank Bär. Die Besitzerfamilie der börsenkotieren Bank gab Mitte Januar bekannt, die Kontrollmehrheit abzugeben und eine Einheitsaktie einzuführen, mit dem Ziel, «einen grösseren unternehmerischen Spielraum» zu erhalten, wie die «NZZ» kommentierte. Damit ist es bei der Bank Vontobel nicht mehr weit her: Das von CEO Herbert J. Scheidt vorgelegte Budget 2005 soll vom VR zunächst zurückgewiesen worden sein: Er müsse, so die Forderung des VR, einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen.

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