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Bad Ragaz: Alles, was der Mensch braucht

Luxushotel. Therme. Spa. Golfplatz. Casino. Die Grand Hotels Bad Ragaz tragen derzeit die Krone der Schweizer Hotellerie. Damit das so bleibt, investieren die EigentΓΌmer weitere 100 Millionen Franken.

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Traumhaft hohe Bettenauslastung: Peter Eggenberger, GeschΓ€ftsfΓΌhrer der Grand Hotels Bad Ragaz. (Foto: Roland TΓ€nnler) RMS

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Passion.Β» Wenn Willy Kissling, VerwaltungsratsprΓ€sident der Grand Hotels Bad Ragaz, von seinem Engagement fΓΌr das Unternehmen spricht, gerΓ€t er ins SchwΓ€rmen. Β«Etwas AussergewΓΆhnliches, EinmaligesΒ» sei das Luxusresort im Sarganserland. Sein ganz persΓΆnliches Steckenpferd. Etwas, fΓΌr dessen Fortbestehen er sich gerne einsetze. Γ„hnlich tΓΆnt das Credo von Michel Favre, der ebenfalls dem illustren, siebenkΓΆpfigen Verwaltungsrat angehΓΆrt: Β«Dort mitzuarbeiten, macht Spass.Β» Und das, obwohl sich das Gremium bis zu zehnmal im Jahr trifft und die Arbeit zeitintensiv ist.
Der Grund fΓΌr so viel Aufwand: Die Grand Hotels Bad Ragaz sind, was Luxushotellerie betrifft, schon seit Jahren federfΓΌhrend in der Schweiz, und nun werden weitere Millionen investiert. Bei Willy Kissling stapeln sich Papierberge auf dem Schreibtisch – das Ergebnis des Planungswettbewerbes fΓΌr die bauliche Entwicklung des Resorts. Ein halbes Dutzend architektonische Visionen, wie das GelΓ€nde rund um den Park der bestehenden Hotels in Zukunft aussehen kΓΆnnte.
Die neu gestaltete und ausgebaute Tamina Therme wird durch Neubauten fΓΌr das medizinische Zentrum mit den bereits bestehenden Hotelkomplexen verbunden, hinzu kommt eventuell ein drittes HotelgebΓ€ude. Alles in allem wird die Anlage noch grΓΆsser, luxuriΓΆser und spektakulΓ€rer, als sie ohnehin schon ist.

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Intensive Zeiten auch fΓΌr Peter Eggenberger. FrΓΌher MΓΆvenpick-, Jelmoli- und Betty-Bossi-Manager, ist er nun seit vier Jahren als GeschΓ€ftsfΓΌhrer in Bad Ragaz der Mann, der die Visionen des Verwaltungsrats in die RealitΓ€t umzusetzen hat. Leicht angespannt sitzt der Endvierziger in der grossen Halle des Β«QuellenhofsΒ», eine Erscheinung, die in dieses Ambiente des diskreten Understatements passt: gross, schlank, edel gekleidet und von tadellosem Auftreten. Hin und wieder springt er auf, um HotelgΓ€ste zu begrΓΌssen oder zu verabschieden. Zurzeit fungiert er nicht nur als CEO der Grand Hotels Bad Ragaz, sondern auch noch als Hoteldirektor – zumindest so lange, bis ein Nachfolger fΓΌr den im MΓ€rz ausgeschiedenen Hans E. Koch gefunden ist.
Rund 100 Millionen Franken sollen in den kommenden Jahren sukzessive investiert werden. Wohin das Geld fliessen soll, erklΓ€rt Eggenberger anhand eines Modells, das im Β«Hof RagazΒ» im Eingangsbereich des Wellnesscenters Β«To B.Β» aufgebaut ist. Schon heute ist es dem Unternehmen, das die Grand Hotels Hof Ragaz und Quellenhof, die Tamina Therme, ein medizinisches Zentrum, einen Golfplatz, ein Casino und das Kurhotel Valens umfasst, gelungen, trotz Wirtschaftsflaute einen Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern von ΓΌber zehn Millionen Franken auszuweisen. Im vergangenen Jahr wurde den AktionΓ€ren erstmals seit 1989 wieder eine Dividende von 20 Franken pro Aktie ausgezahlt. Eine Tatsache, die GeschΓ€ftsleitung und Verwaltungsrat mit Stolz erfΓΌllt.

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Jahrelang galt das Luxusresort als Herzensangelegenheit von HauptaktionΓ€r Thomas Schmidheiny. Dank den Millioneninvestitionen des Zementbarons aus dem Rheintal wurde in den Neunzigerjahren der Β«Hof RagazΒ» renoviert, das Β«To B.Β» und eine hoteleigene Therme wurden gebaut sowie der alte Β«QuellenhofΒ» abgerissen und wieder neu aufgebaut. Gesamtkosten damals: rund 250 Millionen Franken. Doch erst seit dem Eintritt von Willy Kissling, eines alten WeggefΓ€hrten von Schmidheiny, als PrΓ€sident weist das Unternehmen regelmΓ€ssig schwarze Zahlen aus. ZunΓ€chst allerdings in eher bescheidenem Ausmass. Β«Als ich 1997 zum Verwaltungsrat stiessΒ», erinnert sich Kissling, Β«erwirtschafteten die Grand Hotels einen Cashflow von drei Millionen Franken.Β» Heute sind es konsolidierte 16,6 Millionen Franken.
Der Auftrag, den Willy Kissling bei seinem Eintritt gefasst hatte, lΓ€sst sich auf drei Worte reduzieren: mehr Nachhaltigkeit erzielen. In den darauf folgenden Jahren wurde das Unternehmen folgerichtig weg von der reinen Hotellerie hin zum Resort mit breitem Angebot weiterentwickelt.
Dazu gehΓΆrte die Umwandlung der Spielbank in ein Casino mit B-Lizenz. 2003 wurde das neue Casino in Betrieb genommen – und schon im ersten Jahr resultierten aus dem Spielbetrieb 20 Millionen Franken Umsatz.

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Die Zimmerauslastung schnellte von etwas ΓΌber 70 Prozent in den Neunzigerjahren auf herausragende 90 Prozent im Jahr 2001 hoch. Eine Traumauslastung, die in den vergangenen drei Jahren jedoch konjunkturbedingt wieder auf heute rund 80 Prozent zurΓΌckfiel. Dennoch liegt sie noch immer weit ΓΌber dem Durchschnitt von Luxushotels vergleichbarer GrΓΆsse wie beispielsweise dem Β«Victoria-JungfrauΒ» in Interlaken, das eine Auslastung von 52 Prozent aufweist, oder dem Β«Badrutt’s PalaceΒ» in St. Moritz, das ebenfalls knapp die 50-Prozent-Grenze ΓΌberschreitet. Dennoch: Ausruhen mag sich in Bad Ragaz niemand. Wohl wissend, dass die Luxushotellerie ein Metier ist, das keine Verschnaufpause duldet. Β«Andere Hotels haben mΓΆglicherweise versΓ€umt, in ihre Kernkompetenz zu investieren. Das soll uns nicht passierenΒ», sagt Michel Favre.
Deshalb soll munter erweitert und optimiert werden, dem Trend immer eine NasenlÀnge voraus. «Wenn wir die führende Position im Markt halten wollen», stellt HauptaktionÀr Thomas Schmidheiny nüchtern fest, «dann müssen wir weiterhin in die QualitÀt des Resorts investieren.» Unter diesen Vorraussetzungen hat der Verwaltungsrat vor zwei Jahren ein neues Strategiepaket vorgelegt, welches das wirtschaftliche Überleben der nÀchsten 15 bis 20 Jahre sichern soll.

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Der Gedanke dahinter, so Willy Kissling, sei von bestechender Einfachheit: Β«Wird ein Hotel dieser Preisklasse heute als reiner Hotelbetrieb gefΓΌhrt, kann das nicht mehr rentieren.Β» Selbst das bereits weltweit einzigartige Angebot in Bad Ragaz – die Kombination von Health, Spa und Golfresort – ist nicht eintrΓ€glich genug. Verdienen, so lΓ€sst Kissling durchblicken, lΓ€sst sich in diesem Luxussegment nicht ausreichend mit HotelgΓ€sten. Vielmehr sind es die Synergien mit der Region, welche die nΓΆtige Auslastung und genΓΌgend Kunden bringen. Die Grand Hotels Bad Ragaz sind denn auch im Begriff, den gesamten Komplex noch mehr mit der Umgebung im Sarganserland zu verknΓΌpfen.
JΓ€hrlich 500 000 bis 600 000 Besucher will das Unternehmen in Zukunft durch den Neubau der bereits heute ΓΆffentlichen Tamina Therme anlocken. Die bestehende Therme soll komplett saniert, das alte Bad renoviert, eine ausgedehnte Sauna- und Wellnesslandschaft zusΓ€tzlich gebaut werden. Auch hier mit dem ehrgeizigen Ziel, Β«eine in der Schweiz bislang einzigartige Badelandschaft zu schaffenΒ», so Eggenberger. Geplante Investition: 40 Millionen Franken.
Weitere acht Millionen sollen in den Ausbau des bereits bestehenden Medical-Health-Centers fliessen. Doch anstatt auf Diagnostik und Therapie will man in Zukunft noch mehr auf PrΓ€vention und Rehabilitation setzen. Schon heute arbeiten 20 Γ„rzte im medizinischen Zentrum, vom Psychiater ΓΌber den Rheumatologen, den Dermatologen bis zum Laserspezialisten. Das neuartige Angebot lΓ€uft unter dem Stichwort Β«Medical WellnessΒ». Und da der Leiter der Abteilung Beat Villiger heisst und zugleich auch Swiss-Olympic-Chefarzt ist, erstaunt es nicht, dass die sportmedizinische Abteilung des medizinischen Zentrums vom Schweizerischen Olympischen Verband zum Swiss Olympic Medical Center (SOMC) geadelt wurde: eine Anlaufstelle fΓΌr Sportler in aller Welt, die ihren Gesundheitszustand abchecken lassen wollen.

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Von der Zusammenlegung des SOMC mit den Grand Hotels Bad Ragaz profitieren jedoch auch Privatpersonen, die den Leistungs-Check-up ebenfalls beanspruchen kΓΆnnen. Nur etwa 20 Prozent der Patienten werden HotelgΓ€ste sein, der Rest kommt aus der Region.
Eine weitere Überlegung im Zusammenhang mit einem Ausbau ist die Planung eines dritten Hotels auf dem Areal. Eines freilich, das sich vom Stil her unterscheiden soll von dem bereits existierenden Hotelangebot. Es soll, so Peter Eggenberger, ein jüngeres, sportlicheres Publikum ansprechen, GolfgÀste etwa und solche, die sich einen Wellness-Aufenthalt gânnen. Eine eigene Réception ist nicht geplant, vielmehr werden die Zimmer an die bereits bestehende Infrastruktur angeschlossen, die damit besser ausgeschâpft werden kann. Kostenpunkt: 40 bis 50 Millionen Franken.
ZunΓ€chst aber wartet die GeschΓ€ftsleitung auf die Genehmigung, den bestehenden 18-Loch-Golfplatz um eine 9-Loch-Anlage erweitern zu kΓΆnnen. Eggenberger, dessen klarer Auftrag unter anderem darin besteht, ein neues und jΓΌngeres Kundensegment anzusprechen, will das Resort damit auch fΓΌr Golfeinsteiger attraktiv machen.
Last, but not least steht eine Renovation der Zimmer des Β«Hof RagazΒ» bevor, die auch noch einmal um die vier Millionen Franken kosten werden.

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Die Investitionen werden, so Willy Kissling, in Etappen ausgelΓΆst. Die verbindlichen Entscheidungen darΓΌber sollen im nΓ€chsten Jahr gefasst wird.
Bleibt die Frage nach der RentabilitΓ€t. Willy Kissling wehrt sich dagegen, die Grand Hotels Bad Ragaz als Zuschussbetrieb zu sehen: Β«Wir arbeiten nach wirtschaftlichen GrundsΓ€tzen.Β» Das heisst: Die Rendite muss stimmen. FΓΌr die geplanten Neuinvestitionen hat Schmidheiny zwar schon grΓΌnes Licht gegeben, doch 30 Millionen Franken sollen von anderen Investoren eingebracht werden. Auch diese neuen AktionΓ€re, so viel ist anzunehmen, werden von ihrem Investment eine ansprechende Rendite erwarten.

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