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Ausländische Direktinvestitionen brechen massiv ein

Der internationale Hauptsitz von EBay in Bern, am Donnerstag, 31. Juli 2003. In n?chster Zukunft wird EBay hier um 100 Arbeitsplaetze schaffen. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Heute geschlossen: Internationaler Hauptsitz von Ebay in Bern – hier nach seiner Eröffnung 2004.

Quelle: Keystone

Ausländische Firmen ziehen massiv Gelder aus der Schweiz ab. Den Grund dafür liefert Donald Trump.

Veröffentlicht 07.05.2019

Globalisierung ade? Dies ist der Eindruck, den eine neue Auswertung der OECD uns verschafft. Die Zahlen zeigen nämlich, dass die grenzübergreifenden Direktinvestitionen im letzten Jahr um satte 27 Prozent abgesackt sind.

Bereits im Vorjahr waren die Gelder, welche Unternehmen irgendwo im Ausland anlegten, um deutliche 16 Prozent gesunken. Und insgesamt handelte es sich um den dritten Rückgang in Folge.

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Oder nochmals anders formuliert: In den letzten zwanzig Jahren waren die internationalen Direktinvestitionen – als Anteil des globalen BIP – nie so tief gewesen wie 2018.

Irland und die Schweiz mit meisten Abflüssen

Wie kommt das? Zur Erklärung der jüngsten Entwicklung stellen die Ökonomen der Industriestaaten-Organisation einen Hauptgrund ins Schaufenster: das Steuerpaket der Regierung Trump. Es ermutigte amerikanische Konzerne, auf steueroptimierende Niederlassungen in fernen Ländern zu verzichten. Und es bewegte manch ein Unternehmen sogar dazu, Kapital in die USA zurückzutransferieren.

Ins Bild passt, welche Länder am stärksten von Abflüssen betroffen waren: Irland und die Schweiz. Also zwei Staaten, die nicht alleine wegen guter Standortbedingungen, tiefen Produktionskosten oder qualifizierten Arbeitskräften angesteuert werden, sondern aus steuerlichen Gründen.

Symbol Ebay

Konkretes Beispiel: Im November 2018 zog Ebay seine Europa-Holding an der Berner Helvetiastrasse 15 ab – und verlagerte Beteiligungen im Wert von fast elf Milliarden Franken auf eine Gesellschaft in den Niederlanden. Die Ebay Holding GmbH in Bern gibt es nicht mehr. Deutlich weniger Kapital als im Vorjahr floss auch nach Grossbritannien – hier spielte die Brexit-Unsicherheit eine Rolle.

Trotzdem, der Trend ist allgemein und geht über Einzelfälle mit Einzelerklärungen hinaus: Insgesamt 13 OECD-Industriestaaten erhielten tiefere Direktinvestitionen; Ausnahmen bildeten nur Spanien, Belgien, Australien, Kanada und die Niederlande. Ebenfalls positiv entwickelten sich die Anlagen in Nicht-OECD-Staaten, also etwa in Schwellenländer und dabei in China und Indien.

Faktor Franken

Vorsicht herrscht. Es wird weniger im Ausland investiert. Die Auswertungen der Pariser Organisation spiegeln nämlich auch, dass nicht nur der Trump-Steuereffekt wirkte. Die Auslands-Investitionen aus OECD-Staaten lagen bei 599 Milliarden Dollar – und damit auf dem tiefsten Stand seit 2005. Die aktivsten Staaten waren dabei Japan, China und Frankreich. Das heisst: Aus diesen Ländern flossen die grössten Beträge in Auslands-Anlagen.

Dass ausländische Unternehmen die Schweiz verlassen, dass hier weniger investiert wird: dies war in der Tendenz bekannt. Eine Untersuchung des Beratungsunternehmens EY hatte zum Beispiel schon im Juni 2018 gezeigt, dass die Anzahl von Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen sinken; und dieser Trend war schon in den Jahren davor ans Licht gekommen.

EY erklärte all das aber noch mit einem weiteren Faktor – nämlich mit dem hohen Franken der letzten Jahre. Der macht die Idee, in der Schweiz einen Ableger zu gründen, zu einem besonders aufwändigen Wagnis.

(rap)