Mit einem Rekordauftrag heizt die Fluggesellschaft American Airlines laut Medienberichten den Machtkampf zwischen Airbus und Boeing weiter an. Bei den Amerikanern kΓΆnnte ein Strategiewechsel anstehen.
Airbus A320neo: American Airlines setzt auf den spritsparenden Flieger. (Bild: Keystone) RMS
Die Fluggesellschaft American Airlines plant eine GeneralΓΌberholung ihrer Flotte und verschafft den beiden weltweit grΓΆssten Flugzeugbauern damit RekordauftrΓ€ge.
Insgesamt wolle die Tochtergesellschaft des AMR-Konzerns rund 400 Mittelstreckenflieger im Listenpreis-Wert von 37 Milliarden US-Dollar (rund 30 Milliarden Franken) bestellen, erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg von mehreren mit der Sache vertrauten Personen.
Dazu wolle Boeing seinen Mittelstreckenflieger 737 nach dem Vorbild von Airbus mit neuen, sparsameren Triebwerken aufrΓΌsten, um in der wichtigsten Flugzeugklasse nicht weiter gegen die EuropΓ€er abzufallen.
Der Β«Financial TimesΒ» zufolge soll die EADS-Tochter Airbus mit mehr als 250 Exemplaren der Mittelstreckenflugzeuge A320 und A320neo bei AMR allerdings stΓ€rker punkten als Boeing. Der US-Konkurrent kann der Zeitung zufolge nur mit Bestellungen fΓΌr 150 der neuen 737-Jets rechnen.
AMR kΓΆnnte die Auftragsvergabe nach einer heutigen Sitzung des Verwaltungsrats bekanntgeben. Dem Β«Wall Street JournalΒ» zufolge verhandelt der Konzern aber noch mit den Flugzeugbauern. American Airlines ist momentan ein reiner Boeing-Kunde. Ihre letzten Airbus-Flieger hatte die Airline vor zwei Jahren ausgemustert.
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GrΓΆsster Auftrag aller Zeiten
Die Bestellung wΓ€re in jedem Fall die grΓΆsste der Luftfahrtgeschichte. Erst im Juni hatte die malaysische Fluggesellschaft Air Asia auf der weltgrΓΆssten Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris 200 Exemplare der A320neo bestellt und damit den gerade erst aufgestellten Bestellrekord der indischen Fluglinie IndiGo gebrochen.
Auf der Messe liessen die EuropΓ€er die Amerikaner dank der spritsparenden Neuauflage der Airbus-A320-Familie weit hinter sich. Die EADS-Tochter sammelte fΓΌr die A320neo-Modelle mehr als 600 Bestellungen und VorvertrΓ€ge ein - Boeing konnte die Kunden nicht einmal fΓΌr 80 Exemplare der 737 begeistern.
Die A320neo soll erstmals Herbst 2015 ausgeliefert werden und dank neuer Triebwerke und abgeknickter FlΓΌgelspitzen (Sharklets) rund 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als der langjΓ€hrige Kassenschlager A320.
Neuer Antrieb fΓΌr alte Flieger
Der Airbus-Erfolg setzt Boeing unter Druck. Insidern zufolge schwenken die Amerikaner nach monatelangem AbwΓ€gen jetzt auf eine Γ€hnliche Strategie ein und wollen die 737 mit einem neuen Antrieb versehen. Dabei soll es sich um das Leap-X-Triebwerk des amerikanisch-franzΓΆsischen General-Electric-Ablegers CFM handeln. CFM zeichnet auch fΓΌr den alten Antrieb der 737 verantwortlich und liefert eines der neuen Triebwerksmodelle fΓΌr die 320neo.
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Noch im Juni hatte Boeing-Manager Jim Albaugh angedeutet, dass das Unternehmen lieber einen komplett neu entwickelten Mittelstreckenjet auf den Markt bringen wΓΌrde. Dieser wΓ€re aber nicht vor 2020 fertig. Die alte 737, die in den GrundzΓΌgen aus den 1960er Jahren stammt, lΓ€sst sich nach bisheriger EinschΓ€tzung nicht so einfach wie die Airbus-Maschinen mit neuen Triebwerken versehen. DafΓΌr mΓΌsste das Flugzeug aufwΓ€ndig verΓ€ndert werden.
Laut Β«Wall Street JournalΒ» kΓΆnnte die umgerΓΌstete 737-Version im Jahr 2017 fertig sein.
Entscheidung fΓΌr 50 Jahre
Β«Es geht um eine Entscheidung fΓΌr die nΓ€chsten 50 JahreΒ», betonte Albaugh zuletzt. Boeing schΓ€tzt, dass in den nΓ€chsten zwei Jahrzehnten 70 Prozent der verkauften Flieger Mittelstrecken-Maschinen sein werden.