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American Airlines befeuert Airbus-Boeing-Duell

Airbus A320neo: American Airlines setzt auf den spritsparenden Flieger. (Bild: Keystone)

Mit einem Rekordauftrag heizt die Fluggesellschaft American Airlines laut Medienberichten den Machtkampf zwischen Airbus und Boeing weiter an. Bei den Amerikanern könnte ein Strategiewechsel anstehen.

Veröffentlicht 20.07.2011

Die Fluggesellschaft American Airlines plant eine Generalüberholung ihrer Flotte und verschafft den beiden weltweit grössten Flugzeugbauern damit Rekordaufträge.

Insgesamt wolle die Tochtergesellschaft des AMR-Konzerns rund 400 Mittelstreckenflieger im Listenpreis-Wert von 37 Milliarden US-Dollar (rund 30 Milliarden Franken) bestellen, erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg von mehreren mit der Sache vertrauten Personen.

Dazu wolle Boeing seinen Mittelstreckenflieger 737 nach dem Vorbild von Airbus mit neuen, sparsameren Triebwerken aufrüsten, um in der wichtigsten Flugzeugklasse nicht weiter gegen die Europäer abzufallen.

Der «Financial Times» zufolge soll die EADS-Tochter Airbus mit mehr als 250 Exemplaren der Mittelstreckenflugzeuge A320 und A320neo bei AMR allerdings stärker punkten als Boeing. Der US-Konkurrent kann der Zeitung zufolge nur mit Bestellungen für 150 der neuen 737-Jets rechnen.

AMR könnte die Auftragsvergabe nach einer heutigen Sitzung des Verwaltungsrats bekanntgeben. Dem «Wall Street Journal» zufolge verhandelt der Konzern aber noch mit den Flugzeugbauern. American Airlines ist momentan ein reiner Boeing-Kunde. Ihre letzten Airbus-Flieger hatte die Airline vor zwei Jahren ausgemustert.

Grösster Auftrag aller Zeiten

Die Bestellung wäre in jedem Fall die grösste der Luftfahrtgeschichte. Erst im Juni hatte die malaysische Fluggesellschaft Air Asia auf der weltgrössten Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris 200 Exemplare der A320neo bestellt und damit den gerade erst aufgestellten Bestellrekord der indischen Fluglinie IndiGo gebrochen.

Auf der Messe liessen die Europäer die Amerikaner dank der spritsparenden Neuauflage der Airbus-A320-Familie weit hinter sich. Die EADS-Tochter sammelte für die A320neo-Modelle mehr als 600 Bestellungen und Vorverträge ein - Boeing konnte die Kunden nicht einmal für 80 Exemplare der 737 begeistern.

Die A320neo soll erstmals Herbst 2015 ausgeliefert werden und dank neuer Triebwerke und abgeknickter Flügelspitzen (Sharklets) rund 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als der langjährige Kassenschlager A320.

Neuer Antrieb für alte Flieger

Der Airbus-Erfolg setzt Boeing unter Druck. Insidern zufolge schwenken die Amerikaner nach monatelangem Abwägen jetzt auf eine ähnliche Strategie ein und wollen die 737 mit einem neuen Antrieb versehen. Dabei soll es sich um das Leap-X-Triebwerk des amerikanisch-französischen General-Electric-Ablegers CFM handeln. CFM zeichnet auch für den alten Antrieb der 737 verantwortlich und liefert eines der neuen Triebwerksmodelle für die 320neo.

Noch im Juni hatte Boeing-Manager Jim Albaugh angedeutet, dass das Unternehmen lieber einen komplett neu entwickelten Mittelstreckenjet auf den Markt bringen würde. Dieser wäre aber nicht vor 2020 fertig. Die alte 737, die in den Grundzügen aus den 1960er Jahren stammt, lässt sich nach bisheriger Einschätzung nicht so einfach wie die Airbus-Maschinen mit neuen Triebwerken versehen. Dafür müsste das Flugzeug aufwändig verändert werden.

Laut «Wall Street Journal» könnte die umgerüstete 737-Version im Jahr 2017 fertig sein.

Entscheidung für 50 Jahre

«Es geht um eine Entscheidung für die nächsten 50 Jahre», betonte Albaugh zuletzt. Boeing schätzt, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten 70 Prozent der verkauften Flieger Mittelstrecken-Maschinen sein werden.

(laf/tno/awp)

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