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BILANZ hat dieses Jahr wieder 25 Airlines getestet: Singapore Airlines verteidigt ihre Spitzenposition β auch wegen ihres Superjumbos A380. Swiss behauptet sich als bester Carrier Europas.
Claus Schweitzer
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In Zeiten, da bei vielen Fluggesellschaften nur noch gespart wird, legt Qatar Airways stets noch einen drauf. Ihre Bordcrews haben die BestΓ€ndigkeit und die Servicekultur der einstigen Vorbilder Cathay Pacific und Singapore Airlines erreicht. Die Flotte des arabischen Shooting Star ist mit einem Durchschnittsalter von vier Jahren jung wie kaum eine andere β und bietet etwa in den Langstreckenmaschinen des Typs Boeing 777 eine Economy Class in 3-3-3-Konfiguration (einen Sitz weniger pro Reihe als ΓΌblich) und einen Sitzabstand von 86 Zentimetern (7 Zentimeter mehr als die Norm). Zudem spΓΌrt auch der Economy-Passagier, dass man wΓ€hrend des ganzen Flugs an ihn denkt, und Stammkunden werden selbst in den hinteren Reihen mit Namen angesprochen. Die Technologie ist immer auf dem neusten Stand. So kΓΆnnen etwa wΓ€hrend des Flugs SMS und E-Mails mit dem Smartphone empfangen und gesandt werden.
Auf vielen Strecken erreicht Qatar Airways ihr Ziel, den Β«best value for moneyΒ» zu bieten. Die Business Class erfreut mit einem guten KabinengefΓΌhl, beim Empfang werden wahlweise heisse und kalte StofftΓΌchlein gereicht, und allein mit dem Lob des Menus liesse sich diese Seite fΓΌllen. Von den Langusten in Thaicurry-Tempura ΓΌber das Thunfischtatar mit pikanter Avocado-Vinaigrette bis zum Steinbutt mit jungem Blattspinat kommt ein grΓΆsseres Angebot auf den Tisch, als mancher Restaurantkoch am Boden im Repertoire hat. Jeder Gang, sei es bei Lunch, Dinner oder FrΓΌhstΓΌck, wird einzeln an den Platz gebracht. Keine andere Airline schenkt so grosszΓΌgig so gute Weine aus. Und die mit Pyjamas als Extra bestΓΌckten Liegesitze bieten optimale Voraussetzungen, um ausgeruht am Ziel anzukommen.
Qatar Airways β also ganz ohne Fehl und Tadel? Nicht ganz. So wunderbar der Premium-Terminal in Doha ist, so unattraktiv ist der Airport fΓΌr Economy-Reisende β zumindest bis Mitte 2011, wenn der neue Flughafen erΓΆffnet wird.
Wie im Luxushotel. Zwar kann auch Singapore Airlines die ΓΌblichen Strapazen an den FlughΓ€fen rund um den Globus nicht umgehen, doch macht sie das Flugerlebnis und das Ein- und Ausreiseprozedere im Changi Airport in Singapur zu einer kultivierten Erfahrung. Und an Bord der weltbesten Airline kann sich der Business-Class-Gast darauf verlassen, dass sich eine allgegenwΓ€rtige, erfahrene Crew um sein Wohl kΓΌmmert und ihm zum BegrΓΌssungs-Champagner nicht SalznΓΌsschen serviert, sondern beispielsweise ein paar frische Scampi auf Mango-Chutney. Er weiss, dass die Sitze den Stand des unterhaltungstechnisch Machbaren bieten, stets direkten Zutritt zum Gang haben und erholsamen Schlaf im extrabreiten Bett versprechen. FΓΌr einen nachhaltigen Eindruck sorgen auch die Fast Lanes am Flughafen und das engagierte Bodenpersonal in Singapur, das selbst Economy-Reisenden das GefΓΌhl vermittelt, als Individuum und nicht als durchlaufendes StΓΌckgut wahrgenommen zu werden β was sich etwa in der Hilfsbereitschaft Γ€ussert, wenn man den Anschlussflug verpasst hat.
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Seit Singapore Airlines den doppelstΓΆckigen A380-Giganten im Rennen hat, mΓΌssen die europΓ€ischen Traditionslinien die ZΓ€hne noch etwas fester zusammenbeissen. Der Innenraum des Airbus ist so gut schallgeschΓΌtzt, dass man beim GesprΓ€ch mit dem Sitznachbarn kaum merkt, dass der Riesenvogel bereits abgehoben hat. Die Kabinenluft ist deutlich frischer als bei allen anderen Flugzeugen, es gibt viel Kopffreiheit, ein gutes RaumgefΓΌhl dank grossen Fenstern, und Turbulenzen sind kaum spΓΌrbar. Die KΓΌche ist vielleicht nicht so innovativ, wie die Verantwortlichen in Singapur glauben, bietet aber eine ordentliche Auswahl an Menus. Nach dem Aufwachen erwartet einen schon eine FrΓΌhstΓΌckskarte, die umfassender ist als in den meisten Luxushotels.
Jahrelang waren Singapore Airlines und Cathay Pacific (Rang 4) aus Hongkong auf die obersten RΓ€nge praktisch aller relevanten Rankings abonniert. Nun schieben sich erstmals zwei arabische Konkurrenten zwischen die beiden tonangebenden Fernost-Carrier. Neben Qatar Airways (2) ist Etihad Airways (3) aus Abu Dhabi der Name, den es sich zu merken gilt. Die expandierende Fluggesellschaft des (ΓΆl)reichsten Emirats am Arabischen Golf punktet mit dem derzeit wohl besten Bordservice.
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Guter Service bedeutet heute bei aller ProfessionalitΓ€t und Aufmerksamkeit eine gewisse ZurΓΌckhaltung und Gelassenheit. Wenn einem Fluggast die Gabel zu Boden fΓ€llt, mΓΆchte heute kaum mehr jemand drei Stewardessen mit drei neuen Gabeln herbeieilen sehen. Auch will nicht jeder sein Weinglas im Minutentakt nachgefΓΌllt bekommen oder auf eine Weise verhΓ€tschelt werden, die weiter geht, als man vernΓΌnftigerweise erwarten kann. Β«Wie bei zeitgemΓ€ssen Luxushotels misst sich heute exzellenter Service nicht mehr daran, was man bereit ist zu geben, sondern was der Gast erwartet. Alles, was darΓΌber hinausgeht, wird heute schnell als stΓΆrend oder sogar als lΓ€stig empfundenΒ», sagt Peter Baumgartner, Marketing- und Produktchef von Etihad Airways. Β«Entscheidend ist fΓΌr uns immer die Frage: Was ist fΓΌr den Fluggast relevant?Β»
Nahost auf HΓΆhenflug. Zum perfekten Flugerlebnis zΓ€hlt der Anspruch, Business-Class-Reisenden zu offerieren, was und wann immer sie es wΓΌnschen. Bei Etihad stehen 78 vorwiegend aktuelle Kinofilme und ungezΓ€hlte Unterhaltungsoptionen zur Wahl. Die eigenwillig gestalteten Liegesitze sind sehr bequem, verfΓΌgen jedoch ΓΌber zu wenig Ablagen fΓΌr Brillen, BΓΌcher oder GlΓ€ser.
Zu den Standards von Etihad gehΓΆrt der kostenlose Chauffeurservice: Business- und First-Class-Passagiere werden im Umkreis von 60 Kilometern rund um den Flughafen Genf abgeholt und wieder nach Hause oder ins Hotel gebracht. Beim Umsteigen am stark optimierten Flughafen Abu Dhabi brauchen auch Eco-Reisende nicht mehr zu verzweifeln und kΓΆnnen etwa freien Wi-Fi-Empfang auf dem ganzen GelΓ€nde nutzen.
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Auch Emirates (Rang 5) investiert unbeirrt in den kontinuierlichen Upgrade ihrer Komfort- und Servicelevels. Sie ist die weltweit einzige Fluggesellschaft, die von den frΓΌheren Verheissungen der Airbus-Marketingabteilung β Restaurants, FitnessrΓ€ume, Bowlingbahnen β wirkliche Neuheiten fΓΌr ihre kΓΌnftig 58 (heute 8) Flugzeuge umfassende A380-Flotte entwickelt hat. So vorn oben zwei Duschkabinen fΓΌr First- und eine Stehbar fΓΌr First- und Business-Class-Passagiere im hinteren Kabinenbereich des Oberdecks. Nervig ist der uneingeschrΓ€nkte Handyempfang ΓΌber den Wolken.
Die Durchstarter mΓΆgen aus dem arabischen Raum kommen, doch die Dominanz der fernΓΆstlichen Gesellschaften bleibt. Neben Singapore Airlines, Cathay Pacific (Rang 4), Malaysia Airlines (6) und Thai Airways (7) gesellen sich neu die japanische All Nippon Airways (ANA, 11) und die koreanische Asiana Airlines (12) zum goldenen Dutzend der Luftfahrt.
Sie alle beherrschen die hohe Kunst der Dienstleistung. Kleine Defizite im Unterhaltungssystem (Thai Airways), am Boden (ANA) oder in der KΓΌche (Asiana) werden mit effizientem, aber dennoch liebenswΓΌrdigem Service und ausserordentlicher Detailpflege an Bord wettgemacht. So erfreut etwa ANA mit den weichsten Federkissen ΓΌber den Wolken. Zudem hat ANA als erste Fluggesellschaft auf ihren LangstreckenflΓΌgen ein Bord-WC eingefΓΌhrt, dessen Benutzung ausschliesslich weiblichen Passagieren vorbehalten ist β es kann von Frauen aller Klassen gleichberechtigt benutzt werden. Ebenfalls eine Innovation Γ la ANA: Gegen Entgelt kΓΆnnen Eco-Passagiere jederzeit Gerichte oder GetrΓ€nke aus der Business Class bestellen.
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EuropΓ€ische Fluggesellschaften, die weder mit den Materialschlachten noch mit der grosszΓΌgigen Kundenpflege der Nahost- und Fernost-Carrier mithalten kΓΆnnen, sind je nach Flug mal besser, mal schlechter. Als Vielreisender ist man etwas frustriert, dass es etwa bei Lufthansa (13) oder British Airways (15) keinen Mehrwert gibt, der ΓΌber den geschΓ€ftsmΓ€ssig agierenden Bordservice hinausgeht.
Spitzenreiter Swiss. Erfolgreichster Aufsteiger ist Turkish Airlines (18), die Swiss behauptet sich als Europas Spitzenreiter auf dem achten Rang. Zwar lassen sich die Business-Class-Sitze in vielen Swiss-Maschinen nicht flach machen, doch sollen bis 2011 alle Langstreckenflieger umgerΓΌstet sein mit den wettbewerbsfΓ€higen neuen Sitzen, die sich in waagrechte Zwei-Meter-Betten mit individuell einstellbarer HΓ€rte verwandeln lassen.
Das Neuste der Swiss ist die Aufnahme von San Francisco ins Streckennetz. Seit dem 2.ββJuni wird die Strecke ZRHβSFO sechsmal wΓΆchentlich (tΓ€glich ausser dienstags) bedient. San Francisco verspricht einerseits aufgrund des tiefen Dollarkurses fΓΌr den touristischen Verkehr interessant zu sein. Andererseits birgt es mit den zahlreichen dort ansΓ€ssigen internationalen Unternehmen auch fΓΌr GeschΓ€ftsreisende einiges an Potenzial. Entsprechend hoch sind die Erwartungen: Β«Alles unter einer durchschnittlichen Sitzplatzauslastung von 85 Prozent wΓ€re enttΓ€uschendΒ», wird Swiss-Chef Harry Hohmeister zitiert. Zum weiteren Ausbau der Swiss zΓ€hlen die FrequenzerhΓΆhungen auf diversen bestehenden Strecken, beispielsweise mit tΓ€glichen FlΓΌgen nach Bangkok, Boston, Los Angeles, Chicago und SΓ£o Paulo.
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Fliegendes Eco-Bett. In keiner Airline fliegt es sich in der Β«SardinenklasseΒ» entscheidend angenehmer als bei der Konkurrenz. Immerhin: Am meisten Beinfreiheit (86 gegenΓΌber den ΓΌblichen 79 Zentimetern) in der Economy bieten Qatar Airways (2), Malaysia Airlines (6) und Thai Airways (7), verlΓ€sslich solides Essen gibt es bei Cathay Pacific (4) und der australischen Qantas (9). Singapore Airlines (1), Emirates (5) und Virgin Atlantic (10) erfreuen mit einem ausgetΓΌftelten Unterhaltungsangebot in allen Klassen. Cathay Pacific hat als erste Fluglinie die feste Sitzschale in der Economy eingefΓΌhrt β sie macht die Bewegungen des Vordermanns nicht mit.
Eine Innovation, die Air New Zealand noch in diesem Jahr einfΓΌhrt, sorgt derzeit in der Flugbranche fΓΌr Furore: die Β«SkycouchΒ». Eine Dreier-Sitzreihe kann β dank hochklappbarem Polster in der LΓΌcke bis zur Sitzreihe davor β zu einer 84 Zentimeter breiten und 168 Zentimeter langen LiegeflΓ€che umfunktioniert werden. Buchen zwei Erwachsene die Skycouch, zahlen sie jeweils den regulΓ€ren Economy-Class-Preis, fΓΌr den zusΓ€tzlichen dritten Platz wird die HΓ€lfte des Tarifs aufgeschlagen.
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