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Sharing Economy 
Airbnb, Uber und Co.: Warum strengere Regeln nicht nötig sind

Uber App
Von A nach B: Mit Uber lässt sich leicht einen Fahrer finden. Quelle: Keystone

Regelmässig stehen die Arbeitsbedingungen von Airbnb, Uber und Co. am Pranger. Eine neue Studie zeigt aber nun: Strengere Regulierungen braucht es nicht. Entscheidend ist was anderes.

David Torcasso
Von David Torcasso
21.04.2018

Immer mehr Güter und Dienstleistungen werden über digitale Plattformen geteilt, getauscht oder verkauft. Auch in der Schweiz. Die Sharing Economy ist längst zum Alltag geworden: Wir übernachten in Airbnb-Wohnungen, buchen ein Uber-Taxi und holen uns mit Mila einen Hobbytechniker zur Installation des Wlan ins Haus.

Vor allem die beiden grossen Player Uber und Airbnb sorgen für Gesprächsstoff: Sie haben bereits mehrere Schweizer Parlamentarier dazu bewogen, Vorstösse einzureichen, die sich mit dem so genannten «Plattformkapitalismus» beschäftigen. Durch Fahrdienste oder Homesharing-Plattformen stehen etablierte Anbieter wie Hotels oder Taxis unter Druck, verschiedene Organisationen prangern die Arbeitsbedingungen in der Sharing Economy an.

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Keine dringende Regulierung

Trotz all diesen Befürchtungen und Fragen rund um die neue Wirtschaft des Teilens braucht es keine neuen Regulierungen, stellt die Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung – kurz TA-Swiss – fest. Die «Plattformökonomie» sei ein wesentlicher Faktor für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. «Deshalb ist übereifriges Handeln fehl am Platz», sagt Kurt Pärli von der Universität Basel, einer der Autoren der Studie.

Obwohl kein akuter Bedarf an Regulierungen besteht, müssten die Behörden die Entwicklung aber laufend beobachten, sagt Pärli. Durch die steigende Verbreitung der Sharing Economy erwarten die Studienautoren ökonomische Vorteile: «Die Wirtschaft des Teilens führt zu einer effizienteren Nutzung von Ressourcen, die Produktivität kann gesteigert und die Innovation vorangetrieben werden», sagt Pärli. Die Gesetze und Regeln in der Schweiz würden dafür ausreichen, «solange sie durchgesetzt werden», sagt Pärli.

Die Airbnb-Plattform.
Airbnb: Der Schlafplatzvermittler setzt Hotels unter Druck.
Quelle: Keystone

Datenschutz ist entscheidend

Zur Vorsicht mahnen die Autoren auch beim Thema Datenschutz: «Ein schlecht umgesetzter Datenschutz kann die Verbreitung der Plattformökonomie für Bieter und Anbieter stark hemmen», sagt Pärli. Der Schutz der Daten sei, wie man in der aktuellen Diskussion sehen könne, sei die wichtigste Voraussetzung für die Sharing Economy.

International gültige Regulierungen für grosse Anbieter wie Uber oder Airbnb zu entwickeln sei aber sehr anpruchsvoll, so Pärli. Wenn die Beliebtheit von Sharing Economy weiter steigt, müssten die Behörden laut den Autoren auch den Schweizer Arbeitsmarkt genau im Auge behalten.

Das fordert auch Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin des VPOD: «Eine grosse Gefahr von diesen Plattformen besteht darin, dass sie prekäre Arbeitsverhältnisse schaffen. Wenn Arbeitnehmende nur noch sporadisch angestellt werden, können sie nicht mehr mit einem regelmässigen Einkommen rechnen. Damit werden sie praktisch zu Selbständigerwerbenden, obwohl sie gar nicht wollen», sagt Prelicz-Huber. Sie befürchtet bei Personen mit einer niedrigen Qualifikation eine Lohnspirale nach unten.

Mobility
Das Carsharing-Unternehmen Mobility ist bei Schweizern beliebt.
Quelle: Keystone

Vorschläge liegen auf dem Tisch

Die VPOD-Präsidentin prangert die Plattformen selbst an: «Uber argumentiert, die Fahrer seien selbständig, auch wenn sie fast nur für Uber fahren. So drücken sie sich vor rechtlichen Grundlagen und zahlen keine Sozialbeiträge», sagt Prelicz-Huber. Mögliche Lösungsvorschläge wie die Einführung eines dritten Arbeitsstatus liegen auf dem Tisch.

Aber auch beim heissen Eisen rund um die Arbeitsbedingungen bei Sharing Economy bleibt TA-Swiss in der Studie bei ihrer Einschätzung: Der Arbeitsmarkt sei für unkonventionelle Formen von Dienstverhältnissen gut aufgestellt, und die Wirtschaft des Teilens verlange nicht nach spezifischen Regulierungen, so die Studie.

Wie sehr die «Collaborative Economy» polarisiert, zeigt sich aber auch bei der Erstellung der Studie: Die Stiftung TA Swiss wird durch die öffentliche Hand finanziert und ist unparteilich. Sie führt die Studien nicht selbst durch, sondern vergibt Mandate. Die Studie zur Sharing Economy stammt von Autoren der Forschungsstätte Infras, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, sowie der Juristischen Fakultät der Universität Basel.

Deshalb seien selbst im Leistungsausschuss von TA-Swiss die Meinungen stark auseinander gegangen: Einige Mitglieder wollten eine noch stärkere Auseinandersetzung mit den Risiken der Sharing Economy, andere meinten, die Chancen seien zu wenig gewürdigt worden. Es brauche deshalb eine breite gesellschaftspolitische Diskussion zur Wirtschaft des Teilens, sagt Pärli. «Entscheidend ist ein Gleichgewicht zu finden zwischen neuen, rechtzeitigen Erweiterungen oder Anpassungen der Regulierungen und einem zweckmässigen Abwarten», sagt Pärli.