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Accenture-Studie: Teure Egoismen

Die mangelnde Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Handel kostet das Land sechs Milliarden Franken.

red

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Schweizer KonsumgΓΌterhersteller und DetailhΓ€ndler arbeiten bei der Warenverteilung zu wenig intensiv zusammen. In der Schweiz fehlt im Gegensatz zu Frankreich, Italien, Spanien, aber auch Deutschland der Wille weitgehend, einheitliche Standards durchzusetzen. Besonders der Handel ist nicht sehr darauf erpicht, mit den Produzenten intensiver zu kollaborieren. Der so entstehende Schaden ist enorm. Die Beratungsfirma Accenture schΓ€tzt das daraus resultierende Effizienzsteigerungspotenzial in naher Zukunft auf sechs Milliarden Franken. Dies geht aus einer unverΓΆffentlichten Studie hervor, die BILANZ vorab einsehen konnte. Sie entstand zwischen Accenture und der Unternehmerorganisation One Global Standard (GS1), einem Zusammenschluss von Schweizer Technik- und LogistikverbΓ€nden mit mehr als 4200 Mitgliedern aus allen Branchen. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, einheitliche technische Standards beim Warenaustausch zu fΓΆrdern. KonsumgΓΌterproduzenten und Detailhandel stellen zwei Drittel der GS1-Mitglieder.
Die Studie geht davon aus, dass sich Β«HΓ€ndler, Hersteller und Logistik-Dienstleister in der Schweiz zunehmend mit gesΓ€ttigten, sich verΓ€ndernden MΓ€rkten und einem stark technologisierten Umfeld konfrontiertΒ» sehen. Sie postuliert deshalb, dass die Firmen eine Kollaborationskultur entwickeln, die von gegenseitigem Vertrauen geprΓ€gt ist. Β«KollaborationΒ» heisst, dass Hersteller, HΓ€ndler und Logistiker mit kompatiblen technischen Plattformen arbeiten und einen aktiven Informationsaustausch pflegen. Β«Im heutigen komplexen Umfeld kΓΆnnen sich Marktteilnehmer kaum im Alleingang behauptenΒ», sagt Jan Burger, Leiter des Bereichs Consumer Markets von Accenture und einer der Autoren der Studie. Burger und seine Mitarbeiter werteten im vergangenen Winter 300 FragebΓΆgen aus und befragten zusΓ€tzlich rund zwei Dutzend Akteure in Interviews vertieft.

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Die Resultate der Studie lassen sich zu vier zentralen Aussagen bΓΌndeln:
– Alle Akteure sehen den Nutzen von Prozessen der Zusammenarbeit nur aus ihrer eigenen partiellen Sicht. Sie haben dabei nicht die Optimierung der gesamten WertschΓΆpfungskette vor Augen.
– InteressengegensΓ€tze behindern die Zusammenarbeit auf den verschiedenen Handelsstufen. WΓ€hrend die Logistiker bereits heute intensiv kooperieren, zeigen sich die HΓ€ndler zurΓΌckhaltend und skeptisch. Gerade sie aber wΓ€ren als wichtigster Faktor in der WertschΓΆpfungskette gefordert, als treibende Kraft zu fungieren.
– Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass in der Schweiz modernste Kommunikationsnormen und -standards im Vergleich mit dem Ausland noch wenig verbreitet sind. Radio Frequency Identification Device (RFID), ein mit einem Sender ausgestatteter, mit Daten versehener Chip, gilt als Vision der kommenden Jahre. Damit kΓΆnnen WarenflΓΌsse prΓ€zis erkannt und gesteuert werden. In der Praxis hat sich RFID indessen noch nicht genΓΌgend bewΓ€hrt. In der Schweiz laufen erste Pilotversuche.
– Ein gemeinsames Vorgehen zur Durchsetzung einheitlicher Datenstandards ist gefragt. Die Umfrageteilnehmer sind sich jedoch einig, dass technische und psychologische Hindernisse bei der Verbreitung von neuen Standards bestehen. KonsumgΓΌterindustrie und Logistiker erhoffen sich von einer besseren Kollaboration bedeutende Effizienzgewinne. Immerhin erwarten alle Befragten, dass sich die Zusammenarbeit eher verstΓ€rkt.

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Die Accenture-Studie zeigt, dass sich die Schweizer Marktteilnehmer einen potenziellen Wettbewerbsnachteil gegenΓΌber auslΓ€ndischen Konkurrenten aufbauen. Die Konsequenzen kΓΆnnten gravierend sein: Β«AuslΓ€ndische Firmen kaufen Schweizer Unternehmen oder grΓΌnden hierzulande effizientere Tochtergesellschaften.Β» Die Studie weist zudem darauf hin, dass auch fΓΌr die Konsumenten Nachteile resultieren dΓΌrften: Β«Das Sortiment kΓΆnnte wegen des schwindenden Interesses der internationalen Hersteller schrumpfen, die Preise kΓΆnnten hingegen steigen.Β»

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