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Francis Fukuyama: «Der Westen muss eine Antwort auf China finden»

Francis Fukuyama ist der meistzitierte Denker der Welt. Der Autor von «Ende der Geschichte» über den Graben zwischen den USA und Europa.

Elisabeth Niejahr,

Dieter Schnaas

Yoshihiro Francis Fukuyama is an American political scientist, political economist, and author. Fukuyama is known for his book ‘The End of History and the Last Man’,  Milan 12 march 2019. (Photo by Leonardo Cendamo/Getty Images)

Francis Fukuyama: «Wir sollten nicht unterschätzen, wie kraftvoll die Idee einer liberalen Demokratie ist.»

Getty Images

Herr Fukuyama, autoritäre Regimes und rechtspopulistische Parteien fordern die Demokratien weltweit heraus. Wird der Westen gegen sie bestehen?
Kommt drauf an. Etwa darauf, was wir im Westen künftig unter «dem Westen» verstehen. Schon jetzt herrscht darüber keine Einigkeit mehr. Als US-Präsident Donald Trump vor Kurzem Polen besuchte, war nach dem Staatsbesuch in einer Pressekonferenz davon die Rede, dass der Westen in Gefahr sei. Gemeint waren aber nicht individuelle Freiheitsrechte und politische Teilhabe, die man in den Nachkriegsjahrzehnten damit verbunden hätte. Gemeint war: Das weisse, christliche Europa ist in Gefahr.

Okay, dann fragen wir konkreter: Soll ich noch auf den liberalen Westen hoffen?
Ja. Wir sollten nicht unterschätzen, wie kraftvoll die Idee einer liberalen Demokratie ist. Und welche grossen praktischen Vorteile sich mit einer liberalen Gesellschaft verbinden. Der Liberalismus wurde erfunden, um Diversität zu regieren. In der Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts ging es zunächst um die Akzeptanz und Anerkennung religiöser Differenz: Die Vernunft lehrte, den anderen als anderen zu respektieren. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Universalität dieser Idee nationalisiert. Was folgte, waren zwei Weltkriege. Sie sollten sich nicht wiederholen. Also schuf man die liberale Weltordnung mit ihren Institutionen. Sie ist jetzt erneut gefährdet.

Was macht Sie dennoch zuversichtlich?
Wir befinden uns unverkennbar in einer Abwärtsbewegung. Aber ich glaube, dass sich die Geschichte in Zyklen entwickelt. Und dass der Westen alter Ordnung wieder erstarkt. Warum denkt Russlands Präsident Wladimir Putin, er müsse Wahlen abhalten, obwohl er wohl lieber autoritär regieren würde? Nun, das liegt an der Stärke der liberalen Idee. Die meisten Regierungen tun zumindest so, als seien sie liberale Demokratien.

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