Herr Odier, Sie werden bis 2022 als Senior Partner im Unternehmen bleiben. Warum übergeben Sie das Zepter nicht früher?
Wir haben im Partnergremium einen wichtigen Entscheid getroffen. Mein Kollege Hubert Keller wird ab 2023 die Funktion als Senior Partner übernehmen. Gleichzeitig haben mich die Partner gebeten, bis 2022 zu bleiben und die Übergangsphase zu managen. Wir verfolgen eine langfristige und nachhaltige Planung. Mit Hubert wird die Kontinuität sichergestellt, aber auch die konsequente Ausrichtung auf unsere Investmentkompetenz.

Ihre Bank ging zuletzt durch eine Krise, es gab Zwist im Partnergremium und dann den überraschenden Austritt von Hugo Bänziger aus dem Teilhaber-Gremium. Wie steht die Bank heute da?
Welche Krise? Die Bank ist in einer starken Verfassung: Wir haben die verwalteten Vermögen stark gesteigert, die Kernkapitalquote liegt bei fast 30 Prozent, und die Performance unserer Investmentlösungen ist top. Auch in der Partnerschaft haben wir uns erneuert und uns mit den richtigen Leuten verstärkt. Natürlich war der Abgang von Hugo Bänziger in diesem Zusammenhang nicht geplant.

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Waren sämtliche anderen Managing Partner für den Austritt Bänzigers?
Abgänge sollten die Ausnahme sein. Die Partnerschaft lebt von Konsensentscheiden, und wir haben uns in gegenseitigem Einverständnis und in einer verantwortungsbewussten Art und Weise entschieden, die Teilhaberschaft zu beenden.

Lombard Odier: Die sieben geschäftsführenden Teilhaber, Denis Pittet, Alexandre Zeller, Annika Falkengren, Hubert Keller, Patrick Odier, Christophe Hentsch und Frédéric Rochat (v.l.).

Hart errungene Harmonie: Die sieben geschäftsführenden Teilhaber, Denis Pittet, Alexandre Zeller, Annika Falkengren, Hubert Keller, Patrick Odier, Christophe Hentsch und Frédéric Rochat (v.l.).

Quelle: François Wavre für BILANZ

Damals wurden «Divergenzen betreffend die Umsetzung der Strategie» genannt. Betrafen diese auch die Frage einer Abspaltung des Asset Managements?
Nein, es ging nicht um die Strategie an sich, sondern um die Implementierung. An der strategischen Positionierung halten wir unverändert fest. Wir setzen auf zwei starke Standbeine, die wir weiterentwickeln wollen.

Welche?
Da ist einerseits das Private Banking, also das schweizerische und das globale Wealth-Management-Business, und anderseits das Asset Management, das Geschäft mit den institutionellen Anlegern. Zudem sind wir im Bereich Bankentechnologie führend und bieten diese Dienstleistung anderen Finanzinstituten – inzwischen sind es neun – an. Alle Bereiche tragen positiv zur Profitabilität der Gruppe bei.

«Lombard Odier steht nicht zum Verkauf. Warum sollten wir die Bank verkaufen?»

Patrick Odier

Beim Asset Management soll das nicht immer so gewesen sein.
Es gelang uns schneller als geplant, den Bereich erfolgreich zu restrukturieren und auf die massgebenden Trends in der Industrie auszurichten. Seit über fünf Jahren sind wir mit dem Asset Management in den schwarzen Zahlen. Das Angebot ist auf spezialisierte, Mehrwert schaffende Investmentstrategien ausgerichtet. Die Kunden nehmen uns als Vorreiter bei der Integration von Nachhaltigkeitsprinzipien wahr und kennen uns als Spezialisten für Wandelanleihen. Das Business ist skalierbar, und wir werden den Bereich weiter vorantreiben.

Die Branche ist in einer Konsolidierungsphase, viele Banken bündeln ihre Kräfte. Es gibt Gerüchte, Lombard Odier und Konkurrent Pictet würden sich zusammenschliessen, ja hinter den Kulissen würden gar schon die Fühler für einen Verkauf von Lombard Odier ausgestreckt.
Unsinn. Lombard Odier steht nicht zum Verkauf. Warum sollten wir die Bank verkaufen?

Reportage sur la banque Lombard Odier Darier Hentsch (LODH). Genève et Troinex, 2 juillet 2019. Patrick Odier

«Wir sehen uns im Grunde weniger als Besitzer, sondern vielmehr als Trustees der Bank.»

Quelle: François Wavre für BILANZ

Nur schon aus persönlichen finanziellen Interessen: Der Goodwill, der versteckte Wert von Lombard Odier, ist immens, Branchenkenner schätzen, dass bei einem Verkauf mehrere Milliarden an die Partner gehen würden.
Sehen Sie, diese Bank gibt es seit 1796. Viele Generationen haben sie geführt, behütet und aufgebaut. Wir sehen uns im Grunde weniger als Besitzer, sondern vielmehr als Trustees der Bank. Unsere Verantwortung ist es, mit dem Unternehmen sorgsam umzugehen, es in starker Verfassung zu halten und an die kommenden Generationen weiterzugeben. Wir haben eine Verpflichtung und ein Versprechen gegenüber unseren Kunden – viele sind über Generationen hinweg bei uns.

Von den namensgebenden Familien sind Sie der letzte Odier. Stehen in Ihrer eigenen Familie schon mögliche zukünftige Repräsentanten bereit?
Ich habe drei Töchter, dass meine Familie künftig wieder in der Bank vertreten sein könnte, ist denkbar. Das müssen sie jedoch wollen und sich durch Leistung erarbeiten. Für diese Frage ist es aber noch zu früh: Alle drei sind momentan zufrieden mit ihren jetzigen Tätigkeiten.

Ist eine der Töchter im Banking tätig?
Nein. Meine jüngste Tochter ist am Aufbau einer NGO im Flüchtlingsbereich beteiligt. Die mittlere Tochter ist Anwältin, und die älteste ist im Internetbereich tätig.