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ETH-Professor Thomas Zurbuchen, ehemals Wissenschaftsdirektor der US-Raumfahrtbehörde NASA fand ohne klare Ziele als Teenager seinen Weg in die Wissenschaft.
Eigentlich wollte Zurbuchen Militärpilot werden, doch er war zu gross dafür.
Thomas MeierWerbung
Thomas Zurbuchen reflektiert im Rahmen der Artikel Serie «Warum es sich lohnt, zu träumen» darüber, wie er seine Berufung in die Wissenschaft fand.
Ich wollte Militärpilot werden, wurde aber zu gross dafür. Ich interessierte mich für vielerlei, hatte aber keinen Traumberuf. In der Mittelschule füllte ich einen Fragebogen aus bezüglich Berufswahl. Bei mir kamen zwei Berufe heraus, die ich nicht kannte, und ich kannte auch niemanden, der diese Berufe hatte – Ingenieur und Wissenschaftler. Ich merkte, dass ich dafür ans Gymnasium musste, und bestand dann auch knapp die Prüfung. Meine ganze Karriere ist in diesen zwei Bereichen daheim.
Meine Familie lebte im Berner Oberland und war von meiner Berufswahl nicht begeistert. Mein Vater hatte gehofft, dass ich ihm früher oder später beruflich in seiner Freikirche helfen würde. Meine Ausbildung war für meine Eltern noch fremder als für mich. Sie liessen mich aber machen. Als es ihnen dann bewusst wurde, dass aus ihrem Plan nichts wird, war es zu spät, und ich war schon in meiner Laufbahn als Physiker zu Hause.
Nein. Ich kannte niemanden in meiner gewählten Karriere. Meine Lehrer am Gymnasium und an der Uni waren aber wirklich gute Beispiele, und ich wollte alles, was ich konnte, von ihnen lernen.
Ich hatte in meinem Leben nie langfristige und konkrete Ziele. Ich glaube auch nicht, dass dies wirklich nötig ist. Wichtig ist, dass wir so gut wie möglich an einem Ort über fünf bis acht Jahre alles lernen und das Maximum rausholen und dann den Mut haben, von einer Karriere in die andere zu springen, wenn sich eine Möglichkeit dazu ergibt. Das öffnet unglaubliche Horizonte. Es gibt zwar Menschen, die schon als Kind wissen, was sie beruflich tun wollen, und eine gute Vorstellung von ihrer Karriere haben. Das ist gut so. Das potenzielle Problem einer solchen Strategie: Es gibt viele Träume und Möglichkeiten, die man als Kind nicht sehen kann und die es auch noch nicht gibt. Und wenn man sich erlaubt, erst später im Leben neue Möglichkeiten zu überprüfen und sich neue Ziele zu setzen, kann man deshalb Ziele erreichen, die viel grösser sind als unsere Träume als Kind. Das ist mir in meinem Leben passiert.
Dieser Artikel ist im Bonanza, einem Magazin der BILANZ, erschienen (Dezember 2025).
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