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Jan Jenisch

Jan Jenisch

CEO Lafarge-Holcim

Es hatte etwas von Verrat, als Jan Jenisch im Frühling von Sika zu Lafarge-Holcim wechselte. Dass das Board von Lafarge-Holcim Jenisch schon länger im Visier hatte als Nachfolger für den zum Rücktritt gedrängten Eric Olsen, überrascht zwar nicht: Beim Bauchemiespezialisten hatte Jenisch den Aktienkurs in seinen fünf Jahren als Chef verdreifacht und den Umsatz von 4,6 auf 5,8 Milliarden Franken gesteigert. Aber bei Sika galt Jenisch 898 Tange lang als Identifikationsfigur der Belegschaft im Widerstand gegen den Verkauf an die französische Saint-Gobain. Und Jenischs operativer Erfolg diente als beste Begründung gegen einen solchen Verkauf.
Dass der gebürtige Deutsche dann doch so schnell wechselte, hatte auch mit seiner perspektivlosen Lage bei Sika zu tun: 2018 wird das Bundesgericht den Sika-Streit entscheiden. Kann Sika danach an Saint-Gobain verkauft werden, gäbe es für Jan Jenisch im französischen Grosskonzern keinen Platz mehr. Stoppt das Gericht den Verkauf, übernimmt die Eigentümerfamilie wieder die Kontrolle über den Konzern. Das Management inklusive CEO auszutauschen, dürfte dann eine der ersten Handlungen sein. Und natürlich ist Lafarge-Holcim mit 115 000 Mitarbeitern in 90 Ländern auch fünfmal so gross wie Sika, der Chefposten entsprechend renommierter und besser bezahlt.

Dafür erwartet Jan Jenisch eine Herkulesaufgabe, an der sich sein Vorgänger vergeblich abgearbeitet hat: Er soll die unter unglücklichen Vorzeichen gestartete Fusion zwischen Holcim, der Nummer eins der Zementwelt, und Lafarge, deren Nummer zwei, endlich zum Erfolg bringen. Dazu muss er zwei unterschiedliche Kulturen unter einen Hut bringen, die Kosten senken, Synergien finden und bisher regionalisierte Funktionen in der Zentrale bündeln. Und vor allem muss er den seit Jahren vor sich hin dümpelnden Aktienkurs nach oben bringen. Nicht nur das: Er müsste ihn fast verdoppeln, um das von Grossaktionär Thomas Schmidheiny ausgegebene Ziel von 100 Franken zu erreichen. Das alles unter einem Verwaltungsrat mit divergierenden Interessen.
Mitte Oktober hat Jenisch offiziell losgelegt. Noch arbeitet er unter dem Radar. Seine erste, nach aussen sichtbare Amtshandlung von Bedeutung war der Austausch des Finanzchefs. Es werden noch viele weitere folgen müssen.

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