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Trump-Zentrale am WEF

Diese Kirche wird zum US-Hauptquartier in Davos

Eine Kirche in Davos wird für Millionen Franken umfunktioniert. Der Ort dient der US-Delegation als Schaltzentrale beim Besuch des Präsidenten.

Foto: Ringier Medien Schweiz, 26.02.24 Mitarbeiterportrait. Christian  Kolbe, Journalist , Blick.

<p>Diese Kirche wird zum USA House während des WEFs.</p>

Diese Kirche wird zum USA House während des WEF.

Philippe Rossier

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Die kleine Kirche gleich neben dem Kongresszentrum in Davos musste schon für einiges herhalten. Denn während des World Economic Forum (WEF) verwandelt sich das Gotteshaus der Freien Evangelischen Gemeinde jedes Jahr in ein gut besuchtes Eventlokal und TV-Studio.

In diesem Jahr soll die Kirche als USA House zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der US-Delegation in Davos werden – sozusagen das Hauptquartier von US-Präsident Donald Trump (79) in Davos.

Dass sich Staaten ganze Liegenschaften mieten und in Länderhubs umgestalten, hat am WEF Tradition. Seit einigen Jahren gehört das Ukraine House zum Inventar in Davos. Früher gab es ein Russia House, Indien verwandelt jedes Jahr die renommierte Konditorei Schneider zur India Lounge. Und die offizielle Schweiz empfängt ihre Gäste im zum House of Switzerland umgestalteten Eisstadion von Davos.

Sponsoren zahlen Millionen

Hinter dem USA House steckt der ehemalige Eishockeyspieler und umtriebige Unternehmer Richard Stromback (56), wie die «Financial Times» (FT) berichtet. Als Eishockeyprofi hat es der Amerikaner nie nach Davos geschafft, dafür aber als Teilnehmer am WEF. Und dabei hat er wohl ein lukratives Geschäftsmodell entdeckt: die Vermietung von Davoser Geschäftslokalen an eine zahlungskräftige Klientel während des Weltwirtschaftsgipfels. «Stromback vermietet am WEF die halbe Promenade», heisst es aus Insiderkreisen in Davos.

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Er lässt sich dafür gut bezahlen. Gemäss FT werfen potente Sponsoren wie Microsoft oder McKinsey bis zu eine Million Dollar auf, um den gemäss Homepage «offiziellen US-Veranstaltungsort» in Davos zu unterstützen. Geld, das die Firmen auch bezahlen, um der Konkurrenz ihre Nähe zur Trump-Delegation zu manifestieren, wie es aus Davos heisst.

Ziel ist es, «das Heiligtum» zum Treffpunkt für amerikanische Führungskräfte und Innovatoren und ihre Verbündeten zu machen. Allerdings weisen die Veranstalter auch darauf hin, dass sie weder die US-Regierung vertreten noch für deren Programm zuständig seien.

Trumps Lieblingsthemen

Auch deshalb ist auf der Homepage bisher nicht ersichtlich, wer von der US-Delegation tatsächlich in der Kirche vorbeischauen wird, ob sogar Trump die ehemalige englische Kirche gleich ausserhalb der Sicherheitszone mit einem Besuch beehren wird. Was im Kirchenraum diskutiert wird, dürfte ihm aber gefallen: Es geht darum, die amerikanische Führerschaft bei Themen wie künstlicher Intelligenz, digitalen Währungen oder der Eroberung des Weltalls zu untermauern.

Und um eine Hommage an die US-Geschichte. Denn im Jahr 2026 feiern die USA ihren 250. Geburtstag. Die Feierlichkeiten sind auch ein zentraler Punkt in der Agenda von Trump. Deshalb wird auf der kleinen Kirche direkt neben dem Treffpunkt der Mächtigen der Welt gross die Zahl 250 prangen.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.
 

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Foto: Ringier Medien Schweiz, 26.02.24 Mitarbeiterportrait. Christian  Kolbe, Journalist , Blick.

Christian Kolbe

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