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Kunstsammlung 
Die Bührle-Erben und ihr Milliardenschatz

Kunstsammlung: Rund zwei Drittel der gesammelten Kunstwerke bleiben in Familienbesitz.Keystone

Die Bührle-Erben sind viel reicher als gedacht. Das zeigt die erstmalige Veröffentlichung der vollständigen Inventarliste der Kunstsammlung von Emil Georg Bührle.

Von Erik Nolmans
22.08.2017

Der Industrielle und Waffenhersteller Emil Georg Bührle, verstorben 1956, war einst der reichste Mann der Schweiz. Doch auch heute reden die Erben des Clangründers unter Führung von Enkel Gratian Anda in der Schweizer Wirtschaft noch ein tüchtiges Wörtchen mit, als Grossaktionäre beim Flugzeugbauer Pilatus, Betreiber der Ihag Privatbank oder Besitzer von Ländereien und Hotels. In der jährlichen Reichstenliste der BILANZ hat der Clan denn auch seit langem seinen festen Platz. Geschätztes Vermögen: 700 bis 800 Millionen.

Viel zu wenig, wie wir jetzt einräumen müssen. Denn seit Jahrzehnten befinden sich – bisher der Aufmerksamkeit weitgehend entzogen – Kunstwerke im Besitz der Familie, deren Wert sich allein für den Anda-Zweig auf rund eine Milliarde Franken belaufe, wie ein enger­­ 
Vertrauter der Familie bestätigt. 
Gratian Anda nimmt dazu keine Stellung.

Von Renoir über Gauguin bis Picasso

Grundlage für die Neubeurteilung ist die erstmalige Veröffentlichung der vollständigen Inventarliste der Kunstsammlung, die Emil Georg Bührle zwischen 1920 und 1956 erworben hat (die Liste liegt der BILANZ vor). 633 Werke waren es insgesamt, und es wimmelt von Meisterwerken, von Renoir über Gauguin bis Picasso. Publiziert wurde die Liste zu einer Ausstellung in Lausanne. Ein Anliegen der Kuratoren war aber auch, dem latent vorhandenen Vorwurf, es sei Raubkunst dabei, entgegen­zutreten. Die Liste zeigt detaillierte Angaben zum Verkäufer und zum bezahlten Preis.

1960 teilte die Familie die damals noch 598 Bilder umfassende Sammlung auf. Bislang ging man davon aus, dass die allermeisten der wertvollen Bilder der eigens geschaffenen Stiftung Sammlung E.G. Bührle zugeteilt worden waren, die die Bilder öffentlich ausstellt. Doch es waren nur ein Drittel – rund 350 Bilder blieben im Privatbesitz, worunter viele der Topwerke, wie sechs van Goghs und acht Picassos. Die Bilder wurden unter Tochter Hortense Anda-Bührle und Sohn Dieter Bührle zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Während Dieters Anteil gröss­tenteils verkauft wurde, ist laut ­Lukas Gloor, Direktor der Stiftung, der Bestand des Anda-Zweiges nahezu unverändert geblieben. Zum Gesamtwert der Bilder wollte Gloor keine Angaben machen. Er gab nur an, in der Stiftung seien rund drei Fünftel des Gesamtwerts der ursprünglichen Sammlung gebündelt. Kunstexperten schätzen den Wert der Stiftung allein auf gegen 3 Milliarden Franken.

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Keiner ist in der Schweizer reicher, als die Familie Kamprad. Mehr dazu im Video:

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