Abo
Handelsstreit

Wie im Wilden Westen: Trump und der Welthandel

Statt sich an das WTO-Regelwerk zu halten, bringt Trump wieder das einfache Gesetz des Wilden Westens zur Geltung: Gewinner ist, wer den Revolver am schnellsten zieht. Doch die USA sind nicht der einzige Westernheld mit einem grossen Colt.

Donald_Trump_Cowboy_Hut.jpg
Leitprinzip Β«America FirstΒ»: US-PrΓ€sident Donald Trump glaubt nicht an komplexe multilaterale Absprachen. Chip Somodevilla/Getty Images

Werbung

Geht es nach US-PrΓ€sident Donald Trump, steht der Welthandel vor der grΓΆssten UmwΓ€lzung der vergangenen Jahrzehnte. Er hΓ€lt nichts von der vorherrschenden Idee, dass der Abbau von HandelshΓΌrden weltweit zu mehr Warenaustausch und damit zu mehr Wohlstand fΓΌr alle fΓΌhren kann. Seiner Auffassung nach sind solche Hindernisse vielmehr ein willkommenes Instrument zur Durchsetzung amerikanischer Interessen.
Statt sich an das komplizierte, fein austarierte Regelwerk des internationalen Handels zu halten, bringt Trump wieder das einfache Gesetz des Wilden Westens zur Geltung: Gewinner ist, wer den Revolver am schnellsten zieht und am hΓ€rtesten zuschlΓ€gt. In dieser Position sieht der US-PrΓ€sident sich selbst und sein Land.

Globale Wirtschaft wie ein grosser Kuchen

Dahinter steht eine ΓΆkonomische Weltsicht, die vor allem auf RivalitΓ€t setzt. Demzufolge ist die globale Wirtschaft so etwas wie ein grosser Kuchen. Je grΓΆsser das StΓΌck fΓΌr den einen ist, desto kleiner fΓ€llt der Rest aus, den sich die anderen zu teilen haben. Die USA, so beklagt Trump, bekommen ein viel zu kleines StΓΌck, denn die anderen - etwa Deutschland und China - haben das mΓ€chtige Amerika mit Verhandlungstricks ΓΌber den Tisch gezogen.

Die Verteidiger des geltenden Welthandels-Systems halten dem entgegen, dass Kooperation und Arbeitsteilung dafΓΌr sorgen kΓΆnnen, dass die Addition von eins und eins mehr als zwei ergibt. Ihr Argument lautet: Wenn die LΓ€nder sich auf ihre jeweiligen StΓ€rken besinnen und einen mΓΆglichst ungehinderten Austausch zulassen, werden viele Waren gΓΌnstiger in der Welt und mehr Menschen kΓΆnnen an ihnen teilhaben. So trΓ€gt der freie Handel dazu bei, dass es idealerweise allen Staaten besser geht, als wenn sie nur fΓΌr sich wirtschaften.

Partner-Inhalte

Komplexes GefΓΌge von Absprachen

Diese Auffassung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg massgeblich von den USA geprΓ€gt. Ergebnis war das geltende Welthandels-System, ΓΌber das mittlerweile die WTO wacht, die aus dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (Gatt) hervorging. Ziel der Welthandelsorganisation ist es, ZΓΆlle und andere HΓΌrden, mit denen Staaten auslΓ€ndische Konkurrenz von ihren MΓ€rken fernhalten, in einem umfassenden multilateralen System abzubauen.

Die Basis dafΓΌr haben die 164 WTO-Mitglieder schon vor vielen Jahren gelegt. So gilt allgemeinverbindlich ein komplexes GefΓΌge von Absprachen ΓΌber Zoll-Obergrenzen, die bis tief hinein in einzelne Produktgruppen reichen. Sie besagen beispielsweise, dass die EU gegenΓΌber Drittstaaten einen Zoll auf Autoimporte von bis zu zehn Prozent erheben kann, andererseits die USA fΓΌr Tabakwaren einen von bis zu 350 Prozent.

WTO unter Beschuss

Wichtig dabei ist das sogenannte MeistbegΓΌnstigungsprinzip: Die Vorteile, die ein Land einem anderen bei ZollhΓΆhen einrΓ€umt, muss es auch allen anderen WTO-MitgliedslΓ€ndern gewΓ€hren. Ein weiteres wichtiges Prinzip gilt der Konfliktbeilegung. Kommt es zum Streit, ob sich ein Land mit unfairen Mitteln - etwa Dumpingpreisen oder Subventionen - Vorteile im Handel verschafft, wird das Schlichtungsverfahren der WTO eingeleitet.

Dieses ganze System steht nun in jedem einzelnen Punkt unter dem Beschuss von Trump. Nach seinem Leitprinzip Β«America FirstΒ» haben US-Interessen absolute PrioritΓ€t. Dabei setzt der PrΓ€sident auf die ΓΆkonomische Vormachtstellung seines Landes. Als weltgrΓΆsste Volkswirtschaft stellen die Vereinigten Staaten fΓΌr die meisten LΓ€nder einen kaum verzichtbaren riesigen Absatzmarkt dar. Das gilt insbesondere fΓΌr das exportlastige Deutschland.

Werbung

Donald Trump
Chip Somodevilla/Getty Images
Donald Trump
Chip Somodevilla/Getty Images

Zoll-Vereinbarungen sind Trump Dorn im Auge

Die detaillierten und verpflichtenden internationalen Zoll-Vereinbarungen sind Trump ein Dorn im Auge. Er will die ZollhΓΆhe wieder zur Variablen machen, die er nutzen kann, um in bilateralen Konflikten Vorteile fΓΌr die USA auszuhandeln. Zudem ist er bereit, einzelnen LΓ€ndern Ausnahmen von den bereits angekΓΌndigten StahlzΓΆllen zu gewΓ€hren. Damit setzt Trump den Grundsatz der MeistbegΓΌnstigung ausser Kraft.
Eine weiteren Verstoss gegen multilaterale Absprachen signalisieren seine Andeutungen, bei ZΓΆllen und Abgaben kΓΌnftig eine Art Spiegelung anzustreben, nach dem Motto Β«Verlangst Du auf Autos zehn Prozent Zoll, verlange ich auch zehn ProzentΒ». Denn das WTO-Regelwerk zielt eben nicht auf die totale Gleichheit von ZΓΆllen fΓΌr gleiche Produkte ab, sondern strebt ΓΌber Waren- und Dienstleistungsgrenzen hinweg einen umfassenden Interessenausgleich an.

Risiken - auch fΓΌr die USA selbst

Experten sehen in Trumps Strategie gewaltige Risiken - auch fΓΌr Firmen und Jobs in seinem eigenen Land. Denn die USA sind nicht der einzige Westernheld mit einem grossen Colt. Da gibt es auch die Handelsriesen China und Japan.

Werbung

Die beiden nutzen ihre HandelsΓΌberschΓΌsse im GeschΓ€ft mit den USA unter anderem dazu, um mit den ErtrΓ€gen US-Staatsanleihen zu kaufen. Damit garantieren sie letztlich, dass die Amerikaner mehr konsumieren kΓΆnnen als sie erwirtschaften. Sollten China und Japan US-Bonds in grossem Stil auf den Markt werfen, kΓΆnnte dies die internationalen FinanzmΓ€rkte in Turbulenzen stΓΌrzen und die US-Wirtschaft in die Bredouille bringen.
Ferner treffen etwa Trumps StahlzΓΆlle auch amerikanische Verbraucher und Unternehmen. So verlieren beispielsweise US-Autobauer an WettbewerbsfΓ€higkeit, weil Stahl fΓΌr sie teurer wird.
(reuters/ccr)

Werbung