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Lohn

Studie: So viel kostet ein Parlamentarier

Forscher der Uni Genf haben ermittelt, wie viel Parlamentarier effektiv verdienen. Demnach verdient ein Ratsmitglied etwa so viel wie der Chef eines KMU im Informatikbereich. Zumindest theoretisch.

Margret Kiener Nellen

Das sind die reichsten Parlamentarier: Platz 5: Margret Kiener Nellen (SP/BE) Die Β«WeltwocheΒ» machte die Steuerveranlagung 2011 des Ehepaars Kiener-Nellen publik.VermΓΆgen: 10 Millionen Franken
Andreas Glarner

Platz 5: Andreas Glarner (SVP/AG) GrΓΌnder der Airproduct, die er an den WΓΌrth-Konzern verkaufte. GrΓΌnder der Careproduct VermΓΆgen: 10 Millionen Franken
CΓ©line Amaudruz

Platz 5: CΓ©line Amaudruz (SVP/GE) Ihre Familie besitzt 9,5 Prozent der Groupe Minoteries.VermΓΆgen: 10 Millionen Franken
Franz GrΓΌter

Platz 4: Franz GrΓΌter (SVP/LU) GrΓΌnder mehrerer Internetfrmen. MiteigentΓΌmer Green.ch. VermΓΆgen: 20 Millionen Franken
Ruedi Noser

Platz 3: Ruedi Noser (FDP/ZH)Unternehmer, Noser Group VermΓΆgen: 50 Millionen Franken
Hans Grunder

Platz 3: Hans Grunder (BDP/BE) Unternehmer, Grunder Ingenieure VermΓΆgen: 50 Millionen Franken
Marcel Dobler

Platz 3: Marcel Dobler (FDP/SG) Digitec-GrΓΌnder VermΓΆgen: 50 Millionen Franken
Thomas Matter
Hermann Hess

Platz 2: Hermann Hess (FDP/TG) Immobilienunternehmer und Retter der Bodenseeschifffahrt VermΓΆgen: 150 Millionen Franken
Magdalena Martullo-Blocher
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RMS

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Mitglieder des Nationalrats verdienen unter dem Strich 79 Franken pro Stunde Parlamentsarbeit, im StΓ€nderat sind es 76 Franken. Diese Durchschnittswerte haben Forscher der UniversitΓ€t Genf ermittelt.

Der Auftrag dazu stammt von der Verwaltungsdelegation der Bundesversammlung. Sie wollte wissen, ob mit den Mitteln des Parlaments haushΓ€lterisch umgegangen wird. Deshalb liess sie Einkommen und Umfang der parlamentarischen Arbeit untersuchen, zudem den Aufwand fΓΌr politische TΓ€tigkeiten im Zusammenhang mit dem Parlamentsmandat.

Unbezahlte Nebenjobs

Die Resultate sind am Dienstag in Bern vorgestellt worden. Demnach verdient ein Ratsmitglied etwa gleich viel wie der GeschΓ€ftsfΓΌhrer eines Kleinunternehmens im Informatikbereich, nΓ€mlich 14'440 Franken brutto pro Monat. In der Bundesverwaltung ist das der Lohn eines mittleren Kaders. Dieser Vergleich ist aber theoretisch, weil das Pensum fΓΌr Sitzungen und Sitzungsvorbereitungen im Mittel nur rund 50 Prozent betrΓ€gt.

Anders sieht das Resultat aus, wenn alle TΓ€tigkeiten in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Mandat berΓΌcksichtigt werden. Dann betrΓ€gt die Arbeitslast der Nationalratsmitglieder 87 Prozent, bei StΓ€nderΓ€tinnen und StΓ€nderΓ€ten sind es 71 Prozent. Der Zusatzaufwand fΓ€llt zum Beispiel fΓΌr Parteisitzungen, Medienarbeit, ReprΓ€sentationsaufgaben oder Kampagnen an. Verwaltungsratsmandate oder Aufgaben in VerbΓ€nden wurden nicht berΓΌcksichtigt.

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Teure Mitarbeitende

Die Autoren haben jeweils Durchschnitts- oder Medianwerte ermittelt. Die Studie enthΓΌllt aber auch grosse Einkommensunterschiede. Es sei nicht mΓΆglich, einen einzigen Stundenlohn zu bestimmen, der charakteristisch fΓΌr die bundesparlamentarische TΓ€tigkeit wΓ€re, heisst es.

Entscheidend ist vor allem, ob ein Ratsmitglied einen Mitarbeiter beschΓ€ftigt oder nicht. FΓΌr Personal- und Sachausgaben erhalten die Parlamentsmitglieder eine Jahrespauschale von 33'000 Franken. Wer das Geld in der eigenen Tasche behΓ€lt, verdient entsprechend mehr. Im Nationalrat betrΓ€gt der jΓ€hrliche Einkommensunterschied im Mittel 28'000 Franken, im StΓ€nderat 23'000 Franken. Die Autoren kamen gleichzeitig zu dem Schluss, dass die Parlamentarier mit einem Mitarbeiter nicht weniger arbeiten als jene ohne UnterstΓΌtzung. Sie folgern daraus, dass sich erstere, statt sich zu entlasten, wohl noch anderen Arbeiten im Parlament widmen.

Steuerfreie BezΓΌge

Das Einkommen der Parlamentarierinnen und Parlamentarier setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Das Entgelt etwa enthΓ€lt unter anderem ein Jahreseinkommen von 26'000 Franken und ein Taggeld von 440 Franken. Hinzu kommen BeitrΓ€ge an die Altersvorsorge und ErgΓ€nzungen zu den Familienzulagen.

Zu den PauschalentschÀdigungen gehâren der Beitrag zur Deckung von Personal- und Sachausgaben von 33'000 Franken, eine EntschÀdigung für Mahlzeiten von 115 Franken pro Tag, für Übernachtungen von 180 Franken pro Tag oder ein 1.-Klasse-GA. Diese Bezüge sind steuerfrei. Gegen Beleg werden auch die Kosten für Auslandreisen, Parkgebühren oder die IT-Ausrüstung entschÀdigt. In der letzten Legislaturperiode gab der Bund dafür 37,4 Millionen Franken pro Jahr aus.

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(sda/ccr)

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