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Studie

Strom statt Kerosin: Wie wir in Zukunft fliegen

Nach den E-Autos auf der Strasse erobert der Elektroantrieb nun auch den Luftverkehr. Eine Studie zeigt: รœber 70 E-Flieger sind bereits in Entwicklung. Dabei geht es nicht nur um elektrisches Fliegen.

Gerhard Hegmann

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Lightning Strike VTOL X-Plane: Dieses E-Flugzeug entwickelt die Boeing-Tochter Aurora.PR RMS

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Auf der weltgrรถssten Luftfahrtmesse in Paris hing in diesem Jahr an der Tรผr eines kleinen Pavillons ein provozierendes Plakat. Danach wird die Luftfahrtindustrie die Umweltschutzauflagen bei kรผnftig immer mehr Flugzeugen mit herkรถmmlichen Triebwerken oder alternativen Treibstoffen niemals erfรผllen kรถnnen. Nur mit elektrischen Antrieben oder Hybridlรถsungen sei dies mรถglich, lautete die Mahnung.

Das Plakat stammte nicht von einer Umweltschutzorganisation, sondern von Siemens. Der deutsche Technikkonzern sieht in Flugzeugen mit Elektroantrieb ein Zukunftsgeschรคft und entwickelt und testet bereits intensiv Antriebe fรผr Modelle, die mit Strom statt Kerosin funktionieren, und heimst dabei Weltrekorde ein.

E-Flugzeugen gehรถrt die Zukunft

Dies ist nur eines von zahlreichen Beispielen fรผr den nรคchsten Umbruch. Nach den E-Autos auf der Strasse kommen die E-Flugzeuge, E-Drohnen oder neue E-Verkehrssysteme fรผr den Luftverkehr. Und wie beim Auto kรผnftig auch werden sie autonom gesteuert, fliegen also automatisch.

Manfred Hader, Luftfahrtexperte vom Beratungsunternehmen Roland Berger, fasst den Wandel in einem Satz zusammen: ยซDie Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann elektrisch angetriebene Flugzeuge Normalitรคt sein werden.ยป Die Branche werde sich in den nรคchsten Jahrzehnten stark verรคndern.

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70 Modelle sollen bis 2030 fliegen

War es bei den E-Autos fast ausschliesslich der Technikunternehmer Elon Musk, der die etablierten Unternehmen mit seiner Firma Tesla wachrรผttelte, ist die Basis fรผr die Entwicklung neuer Luftfahrtideen deutlich breiter. So hat Roland Berger in einer Datenbank allein 70 aktuelle Projekte mit E-Modellen abgespeichert, die bis 2030 fliegen sollen.

Die Studie, die der WELT vorliegt, zeigt, dass etwa die Hรคlfte der Projekte von Firmenneugrรผndungen, Start-ups und unabhรคngigen Entwicklern betrieben werden. Nur in 18 Prozent der Fรคlle sind die grossen Hersteller wie Boeing, Cessna, Agusta Westland und vor allem Airbus beteiligt. So hat Airbus eine enge Kooperation mit Siemens fรผr E-Antriebe geschlossen und treibt die Entwicklung verschiedener E-Mobilitรคtsmodelle voran.

Boeing startet durch

Praktisch รผber Nacht hat jetzt auch Boeing in grossem Stil die Themen E-Fliegen und autonome Steuerung besetzt. Neben der schon bestehenden Zusammenarbeit mit Zunum, einem Entwickler fรผr E-Regionalflugzeuge, hat Boeing nun die US-Firma Aurora Flight Sciences zu einem unbekannten Preis komplett รผbernommen.

Die private Firma mit 550 Beschรคftigten gilt mit zahlreichen Prototypen und Technologien fรผr E-Modelle und Lufttaxis sowie futuristischen Flugkonzepten als eines der weltweit innovativsten Unternehmen in diesem Segment. Fรผr viele Entwicklungen bekam Aurora auch Gelder der Pentagon-Forschungsbehรถrde Darpa.

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Durchbruch in Stufen

Dabei geht es nicht nur um elektrisches Fliegen, sondern auch um autonome Steuerung. Ein erster Schritt ist mรถglicherweise eine Ein-Mann-Pilotenkabine in Verkehrsflugzeugen, der nรคchste Schritt kรถnnte dann das vรถllig automatische Fliegen sein. Aurora will auch den Autofahrdienstvermittler Uber mit autonomen Lufttaxis beliefern. Boeing plant, noch weitere Firmen mit besonderen Technikfรคhigkeiten zu รผbernehmen. Dies erklรคrte jรผngst die Chefin der Boeing-Rรผstungssparte, Leanne Caret. Im Gegensatz dazu sickerte jรผngst durch, dass die Airbus-Rรผstungssparte auf der Investitionsbremse steht, um besonders hohe Ausgaben zu vermeiden.

In der Roland-Berger-Studie รผber die kรผnftige Verbreitung von E-Flugzeugen wird deutlich, dass der Durchbruch in Stufen erfolgen wird. Zunรคchst kommen die summenden Motoren bei Drohnen und Lufttaxis zum Einsatz sowie bei dem Wandel zu insgesamt mehr Elektrik statt Hydraulik in Flugzeugen. Im nรคchsten Schritt sind dann E-Regionalflieger und schliesslich grรถssere E-Passagierjets zu erwarten. 2018 soll beispielsweise erstmals ein Prototyp des hubschrauberรคhnlichen City-Airbus fรผr vier Passagiere abheben, und rund um das Jahr 2023 soll die Maschine in Dienst gestellt werden.

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Zukunft ohne Kerosin

Etwa im Jahr 2025 wollen nach bisherigen Ankรผndigungen Airbus und Boeing ihre Nachfolger fรผr die meistverkauften Modelle A320 und Boeing 737 prรคsentieren. ยซJe nach Fortschritt in der Batterietechnik kรถnnte sich die Frage stellen, ob die Neueinfรผhrungen womรถglich hinausgezรถgert werden, um den Antrieb dann auf hybrid-elektrisch umzustellenยป, sagt Roland-Berger-Luftfahrtexperte Hader.

In der Studie wird beispielsweise auf das US-Start-up Wright Electric verwiesen, das ein elektrisch angetriebenes 150-Sitze-Modell plant. Binnen 20 Jahren sollen Kurzstreckenflรผge komplett elektrisch erfolgen, prognostiziert das junge US-Unternehmen. Das amerikanische Unternehmen Wright Electric plant mit Easyjet einen elektisch angetriebenen Jet fรผr 150 Passagiere. Einengrossen Interessenten gibt es bereits. Die britische Billigfluglinie Easyjet unterstรผtzt das Vorhaben.

Herausforderungen bleiben

ยซZum ersten Mal wird eine Zukunft ohne Kerosin denkbar, und wir freuen uns, dabei zu seinยป, sagt Carolyn McCall, die Chefin der Billigairline. Trotz aller hochfliegenden Plรคne mรผssen noch einige Hรผrden รผberwunden werden. Erst in der Zeitspanne 2025 bis 2030 sei mit der erforderlichen Batteriespeicherdichte von 0,5 Kilowattstunden pro Kilo Batteriegewicht fรผr grรถssere Flugzeuge zu rechnen, heisst es in der Studie. Das sei aber selbst dann noch um ein Vielfaches niedriger als die Energieausbeute aus Kerosin.Zu den grossen Herausforderungen gehรถren auch regulatorische Fragen, die beispielsweise die Zulรคssigkeit von autonomen Lufttaxis betreffen, sowie das Thema Sicherheit von Superbatterien in Flugzeugen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der ยซWeltยป unter dem Titel: ยซBald fliegen wir mit Strom und ohne Pilotยป.

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Was die Autobauer beim autonomen Fahren planen, sehen Sie in der Bildergalerie:

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