Viele Experten raten Männern, sich bei Accessoires und Schmuck extrem zurückzuhalten. Ohrringe, Kettchen und Ringe — als das sind Dinge, an denen sich nur modesichere Herren austoben sollten. Das zeitlose Männeraccessoire, das immer angesagt sein wird, ist und bleibt hingegen die Uhr.
Wir haben mit dem Stilexperten und «bestangezogenen Mann der Schweiz 2016˚ Jeroen van Rooijen gesprochen und ihn gefragt, welche Uhren er empfehlen — und von welchen Uhren er dringend abraten würde.
«Das ist Kinderspielzeug»
«Sie sollte nicht zu modisch, mechanisch und von einer nicht allzu peinlichen Marke mit einer guten Heritage sein», erklärt van Rooijen. «Modemarken qualifizieren sich nicht.» Auch sei die Zeit der ganz grossen und grellen Uhren vorbei. «Sportive Klassik oder noble Diskretion machen sich besser.» Dabei müsse man auch nicht zwingend zu den teuersten Marken greifen. «Ich finde, dass es von Marken wie Tissot, Certina, Rado, Victorinox oder Oris auch Uhren unter 1000 Euro gibt, die sehr modern und vernünftig aussehen.»
Unter 300 Euro habe er allerdings noch keine «passablen, länger tragbaren Herrenuhren» gesehen. Davon sollten erwachsene Männer die Finger lassen. «Das ist Kinderspielzeug.»
Gipfel der Stillosigkeit
Der Spruch «Je grösser, desto besser» hat auch in der Uhren-Welt keine Gültigkeit. «Sehr grosse Uhren, die breiter und dicker sind als das Smartphone, sind extrem vorbei.» Auch eine Jogging-Uhr sollte man laut van Rooijen nicht in Kombination mit einem Anzug tragen. Ausserdem solltet ihr die Finger von gefälschten Luxusuhren lassen, insbesondere auf der Arbeit. «Sie sind der Gipfel der Stil- und Respektlosigkeit. Mit Menschen, die solche Sachen tragen und damit kriminelle Banden unterstützen, will man keine Geschäfte machen.»
Regeln, zu welchem Outfit man welche Uhr tragen sollte, gebe es aber kaum. «Zum Smoking keine Sportuhr. Zum Anzug keine Fitnessuhr. That’s it.»
Eine Rolex ist «der Massenartikel unter den Luxuswaren»
In einem Blogbeitrag schrieb van Rooijen, dass man Rolex tragen könne und solle. Das liegt nicht etwa daran, dass eine Rolex ein Statussymbol ist — die Uhr sei vielmehr «der Massenartikel unter den Luxuswaren». «Ich finde eine Rolex eigentlich nicht besonders luxuriös, sondern fast schon basic.» «Es ist eine Art ‚Werkzeug‘, also ein solider Apparat mit einem vernünftigen Preis und guter Wertstabilität. Ausser sie ist mit Diamanten dekoriert, das finde ich irgendwie pervers und unpassend.»
Eine gute Alternative sei die Longines Hydro Conquest, die einer Rolex sehr ähnelt. Die gibt es auch für unter 1000 Euro. «Die Oris Aquis ist auch maskulin und zeitlos schön. Die Inox von Victorinox hat sogar fast das Zeug zum Klassiker.» Angesagt sei derzeit klasslische Sportlichkeit, wie zum Beispiel bei den Tudor-Uhren. Dekorierte Statement-Watches im Stil von Hublot seien jedoch ausgereizt.
Luxusuhren findet man nicht mehr nur bei Juwelieren und in Boutiquen, sondern auch Online: Chrono24 gehört zu den grössten Uhrenplattformen im Netz.
Hier sind die teuersten Uhren der Webseite*:
*Chrono24 erstellte die Liste manuell, um Fantasiepreise auszuschliessen und weil besonders teure Exemplare mit «Preis auf Anfrage» inseriert sind (Stand 14.02.2017). RMS 10. Jaeger-LeCoultre Master Grande Tradition Grande Complication
Die technische Meisterleistung von Jaeger-LeCoultre mit fliegendem Tourbillon und Minutenrepetition gibt es laut diesem Inserat für 285'000 Dollar. In anderen Versionen, die ebenfalls auf der Seite angeboten werden, kann sie auch mehr als 400'000 Franken kosten. RMS 9. Hublot MP-05 LaFerrari Sapphire
Hublots Hommage ans gleichnamige Auto von Ferrari kostet auf Chrono24 rund 450'000 Franken – im Vergleich zum Supersportler (Preis rund 1,5 Millionen Franken) ist die Uhr ein Schnäppchen. RMS 8. Greubel Forsey GMT
Jedes Modell der Manufaktur in La Chaux-de-Fonds kostet auf der Webseite über 100'000 Franken. Bei der abgebildeten GMT ist der höchste angegebene Preis im Moment 620'000 Franken. RMS 7. Vacheron Constantin Traditionnelle Kaliber 2755
Die Komplikationsuhr der ältesten ununterbrochen tätigen Uhrenmanufaktur der Welt gibt es ab etwa 550'000 Franken. Die Preise reichen bis weit über 700'000 Franken. Das abgebildete Exemplar kostet 615'000 Franken. RMS 6. Richard Mille RM27 Rafael Nadal
Wer die Uhr besitzen will, die der Tennisstar im Finale der Australian Open gegen Roger Federer trug, muss auf Chrono24 650'000 Franken und mehr ausgeben. RMS 5. Richard Mille RM38-01 Tourbillon G-Sensor Bubba Watson
Die Golferuhr der Manufaktur aus Le Breuleux misst unter anderem die Wucht des Schlägerschwungs. Der US-Spitzengolfer Bubba Watson trägt seit 2011 Uhren von Richard Mille. Diese hier ist auf 50 Stück limitiert und kostet gut 800'000 Franken. RMS 4. Audemars Piguet Royal Oak Grande Complication
Die Komplikationen der Waadtländer sind auf Chrono24 ab etwa 200'000 Franken zu haben. Die abgebildete Uhr kostet etwa 820'000 Franken. Noch teurer sind einige Taschenuhren der Waadtländer. RMS 3. Patek Philippe 5208P-001 Grand Complications
Der selbstständige Uhrenhersteller aus Genf baut die teuersten Armbanduhren der Welt. Stellvertretend für eine ganze Reihe von relativ ähnlichen Patek-Philippe-Uhren steht die Referenz 5208 mit einem Preis bis etwa 1,2 Millionen Franken. RMS 2. Patek Philippe Sky Moon Tourbillon
Die blaue Patek Philippe mit Sternenhimmel kostet je nach Kaliber und Version 1,2 bis 1,7 Millionen Franken. Einzelne Ausführungen können auf Chrono24 auch bis zu 2 Millionen Franken kosten. RMS 1. Patek Philippe 6300G-001
Die Top-Uhr von Patek im Netz ist im Moment bei einem Händler in Hongkong... RMS ... und kostet 4,8 Millionen Franken. Da lohnt es sich persönlich vorbeizugehen und einen oder zwei Experten mitzubringen, wenn man die Uhr tatsächlich haben will.
Bilder: Hersteller/Chrono24 RMS