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Kunst

Stechende Blicke

Mit 25 Selbstbildnissen von Andy Warhol und Giorgio de Chirico hat Andrea Caratsch seine neuen Galerieräume in St. Moritz eröffnet.

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Von einem Selbstbildnis wird oft erwartet, dass es die persönliche Seite des Künstlers offenbart. Die Porträts von Warhol und de Chirico sind jedoch bewusste Inszenierungen und Stilisierungen. Beide lieben das Rollenspiel: Der eine schlüpft in barocke Kostüme, der andere setzt sich wilde Perücken oder dunkle Sonnenbrillen auf.

Wechselnde Rollen und Maskierung werden bei beiden zu einem zwanghaften Spiel, das zu Hunderten von Selbstbildnissen führt. Womit sie als einzige Künstler in der Kunstgeschichte sogar Rembrandt überholt haben. Obwohl stilistisch unterschiedlich, haben beide ähnliche Methoden im Umgang mit Vorlagen und Reproduktionen: Mit Porträt­fotografien und Anleihen bei Gemälden alter Meister hat de Chirico bereits in den 1940er-Jahren die postmoderne Zitierweise und Collagetechnik der Pop Art vorbereitet. Die ironischen Selbstporträts, die ihn meist in barocken Gewändern und mit allerlei Requisiten zeigen, sind voll von Zitaten aus der Kunstgeschichte. Warhol hingegen hat die Gattung des Selbstporträts mit ikonenhaften Selbstdarstellungen zu neuem Leben erweckt. Sein Markenzeichen ist das Screen Printing: Fotos und Polaroids von sich selbst nutzte er ab 1963 als Schablonen für seine unzähligen Selbstporträt-Serien.

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Beide Künstler präsentieren ihre Selbstbildnisse mit Vorliebe als konstruierte Fiktion und transferieren den Geniekult der Klassik und Romantik gekonnt ins 20. Jahr­hundert. (ba)

Galerie Andrea Caratsch, Via Serlas 12/35, ­St. Moritz

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