Guten Tag,
Konstanz ist bei Schweizer Schnäppchenjägern beliebt. Doch auch für einerholsames Wochenende hat die grösste Stadt am Bodensee viel zu bieten.
Norman C. Bandi
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Es gibt kaum jemanden, der sich nicht schon geärgert hat, dass er sich dies ausgerechnet an seinem freien Samstag antut. Der Stau in das vermeintliche Shoppingparadies beginnt für Deutschschweizer in der Regel beim Grenzübergang auf der Autobahn und schleppt sich harzig bis zum Einkaufszentrum Lago, wo Autofahrer eine Ewigkeit ausharren, um einen Parkplatz zu ergattern. Und all das nur, weil sie in Konstanz ein paar Franken sparen wollen.
Wenn es hoch kommt, besuchen Tagesausflügler ihren Kindern zuliebe das Aquarium Sea Life mit der Unterwasserwelt von Rhein und Bodensee. Es liegt vis-à-vis des Konsumtempels. Von hier aus kann man den Bahnhof erahnen. Die vielen Sehenswürdigkeiten in der Altstadt auf der gegenüberliegenden Strassenseite sind wenigen Shoppingtouristen vertraut, obwohl die meisten in dieser Gegend bereits auf Schnäppchenjagd waren. Gleiches gilt entlang des Ufers für den Stadtgarten hinter dem nahen Hafen.
Dass sich gleich im Anschluss eine andere Welt offenbart, wissen lediglich Ortskundige, die sich bewusst auf die grösste Stadt am Bodensee einlassen – am besten für ein verlängertes Wochenende. Bei der Anreise per Auto oder Bahn am Freitag lässt sich der Stau umgehen. Am Samstag konzentriert man seine Aktivitäten abseits der Massen etwa im Münster respektive in den Museen oder macht Wellness in einem der beiden Fünfsternehotels beziehungsweise in der öffentlichen Therme. Am Sonntag hat man die 34 Kilometer lange Küstenlinie auf dem Stadtgebiet praktisch für sich allein.
Die historische Vergangenheit wird ab Ende April zelebriert. Unter dem Motto «Europa zu Gast» wird von 2014 bis 2018 an das Konstanzer Konzil erinnert, an den grössten Kongress, den das Spätmittelalter in Europa je gesehen hat. Er machte den Ort zwischen 1414 und 1418 zum Zentrum der abendländischen Welt. Sogar ein Papst wurde damals hier gewählt. Eine Landesausstellung, Festspiele, Themenrouten, inszenierte Führungen oder eine Smartphone-App lassen die Konzilzeit in der geschichtsträchtigen Universitätsstadt aufleben. Fünf Konstanzer Hotels haben bis Mitte September ein Pauschalangebot für Reisende auf den Konzilspuren im Programm. Von den beiden Fünfsternehäusern ist das Steigenberger Inselhotel dabei. Die Nobelherberge, früher ein Dominikanerkloster, befindet sich auf einer Privatinsel direkt hinter dem Stadtgarten. Sie verfügt über 100 Zimmer und zwei Suiten.
Die andere Top-Adresse ist das luxuriöse Boutiquehotel Riva neben dem Casino Konstanz, zu Fuss rund 30 Minuten vom Einkaufsepizentrum entfernt. Das 2008 eröffnete Haus am See mit 45 Zimmern und fünf Suiten ist ein moderner Kontrast. Er besteht aus einer eleganten Jugendstilvilla und einem L-förmigen Neubau, auf dessen Dach ein beheizbarer Swimmingpool ganzjährig genutzt werden kann. Der kulinarische Höhepunktist das Gourmetrestaurant Ophelia, es ist mit 17 Gault-Millau-Punkten und zwei Michelin-Sternen dekoriert. Die Küche des Standardrestaurants Riva kostet zwar viel weniger, mundet aber fast genauso. Beiden Lokalen gemein ist je eine Terrasse sowie die Auswahl an 3500 erlesenen Tropfen aus dem Weinschrank in der Lobby-Bar.
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