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Der Benjafield’s Racing Club ist nicht nur der kleinste, sondern auch der exklusivste englische Motorclub. Einmal im Jahr treffen sich die meist betagten Besitzer edelster Vorkriegs-Bentleys im Smoking zum Dinner und erinnern sich an ihre automobilen Untaten.
Roland Löwisch
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Die wichtigsten Punkte aus der Satzung des Benjafield’s Racing Club:
«Die bedingungslose Akzeptanz des Grundsatzes ‹Alle für einen, einer für alle›», erläutert Eddie McGuire, langjähriger BRC-Jünger und hartgesottener Vintage-Fahrer. Der Aspirant muss bereit sein, auch nachts um vier Uhr schwer verölt unter ein Auto zu liegen – selbst dann, wenn es nicht sein eigenes ist. Er sollte verinnerlichen, dass Wattestäbchen ausschliesslich der Körperpflege dienen und nicht dem Polieren verwinkelter Karosserie-Ecken. Und er hat zu akzeptieren, dass nur Weicheier bei Regen das Verdeck ihres Oldies aufspannen. Im Grund ist der BRC ein Haufen grosser Jungs mit verdammt teuren Spielzeugen, eine spleenige Clique von bestens situierten Abenteurern, eine liebenswerte Gang mit dem verstorbenen Walter Owen Bentley als Guru.
Grosse Jungs mit teuren Spielzeugen unter sich
Je verrückter ein Club-Aspirant ist, umso besser für ihn – «normal sein kann jeder». Der Besitz eines Vintage-Bentley ist für die Zugehörigkeit zum BRC nicht zwingend, dennoch hat fast jedes Mitglied mindestens einen – nebst anderen netten Vehikeln wie Gordini, Aston Martin, Bugatti, Vorkriegs-MG und Ähnlichem. Der Amerikaner Frank Solano kommt oft mit seinem Lagonda V12 und darf damit sogar in den Reihen der Bentleys parken – denn der Motor stammt von W.O. höchstselbst.
Der Gigant unter Giganten. Die Teilnahme an den wochenlangen Touren ist kein Muss – wer Zeit und Lust hat, fährt mit. Allerdings lassen sich viele der BRC-Mitglieder die begehrten jährlichen Ausfahrten nicht nehmen: das italienische Bassano-Rallye, den Besuch der Classic Days auf Schloss Dyck bei Jüchen in Deutschland, den Spring Start des Vintage Sports-Car Club auf der Rennstrecke in Silverstone und natürlich die Reise zum Eldorado aller Upperclass-Herrenfahrer, nach Goodwood, wo man sich bei Lord March so richtig heimisch fühlt. Grundsätzlich wird auf der eigenen Achse angefahren, und man bleibt gerne unter sich.
Einmal im Jahr allerdings geht eine Einladung an befreundete Fahrer «fremder» klassischer Autos. Dann sind Lord und Lady Rotherwick hocherfreut, denn durch den Vorgarten ihres Domizils, des ehemaligen Jagdschlosses Cornbury Park in Oxfordshire, donnern Boliden aus sieben Jahrzehnten. Immer mittendrin das Monster unter den Bentleys: der Napier Bentley von Chris Williams, der klingt, als würde ein Bluthund Suppe schlürfen. Das Auto ist ein zum Einsitzer umgebauter Vintage-Bentley mit 24-Liter-Napier-Flugmotor. Mit seinem Giganten hält Williams in seiner Klasse die beste je gefahrene Zeit beim Vaughan Davis Sprint: 44,13 Sekunden. Auch Mr. Davis, W.O. Bentley habe ihn selig, war natürlich BRC-Mitglied.
«Bei uns spielt soziales Ansehen keine Rolle», sagt Eddie McGuire, «Geld sowieso nicht.» Wobei Letzteres durchaus zweideutig zu verstehen ist. Denn einige der Clubherren könnten dank Patentrechten oder ähnlichen Einkommensgaranten manchem Kleinstaat aus der Schuldenfalle helfen. Oder anders ausgedrückt: Es ist selbstverständlich, das Angebot von lächerlichen 75 000 Euro für ein nur dreistelliges altes Nummernschild eines Vorkriegs-Bentley auszuschlagen, weil es dort so schön hinpasst und das auch so bleiben soll. So eine Summe ist lächerlich im Vergleich zu den Preisen der Autos. Ein gut erhaltener Einstiegs-Vintage, der 3-Liter-Bentley, ist ab etwa 270 000 Euro zu haben. Einer der seltenen, echten und kompressorbeatmeten 4,5-Liter-Blower-Bentleys kostet dagegen etwa 1,6 Millionen Euro.
Über Geld wird beim BRC-Dinner nicht geredet, umso mehr dafür über eine unglaubliche Regelverletzung seitens der Clubführung: Unter den altehrwürdigen Autos und Männern durften während 15 Minuten zwei wohlgeformte Blondinen tänzeln, um das neue BRC-Outfit zu präsentieren.
Da vergassen die Bentley Boys nicht nur kurz ihren W.O., sondern sogar die Umwandlung von Wein zu Wasser.
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