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Fashion Week

New Yorks Modeblogger haben das Sagen

Wenn in New York diese Woche die Fashion Week beginnt, werden sie in den vorderen Reihen sitzen: Modeblogger haben mittlerweile bei den Shows das Sagen. Ein Treffen mit zwei angesagten Autoren.

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Bei der Fashion Week in New York werden die Modeblogger in der ersten Reihe sitzen.Keystone RMS

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Amy Marietta hat wenig Zeit, als sie mit ihrem weissen Top und der Designer-Sonnenbrille das Β«WhyNot CoffeeΒ» in New York betritt. HΓΆchstens eine halbe Stunde Pause will sich die 22-JΓ€hrige gΓΆnnen, dann muss sie zum nΓ€chsten Treffen: Kleider anprobieren. Β«Die Tage vor der Fashion Week sind vΓΆllig verrΓΌcktΒ», sagt sie, wΓ€hrend sie ihre blaue Handtasche ablegt und sich an einen der Tische setzt.

Marietta ist Mode-Bloggerin, seit drei Jahren schon. Ihre Seite Β«Viviere BellaΒ» lockt 80'000 Leser an. Auf Twitter hat sie 12'000 Follower. Β«Irgendwie scheine ich mit meinem Stil zu gefallenΒ», sagt sie. Deshalb wurde sie zur New York Fashion Week eingeladen, die am Donnerstag beginnt.

Die Tage, an denen nur renommierte Modemagazine oder Zeitungen von der Modenschau berichten durften, sind vorbei. Heute sitzen Blogger wie Amy Marietta in den vorderen Reihen. Das Online-Magazin Β«The CutΒ» beschrieb kΓΌrzlich in einem Artikel, wie sich die Fashion Week in den vergangenen zehn Jahren verΓ€ndert hat: FrΓΌher galt es als Tabubruch fΓΌr die GΓ€ste, Fotos von den Models auf dem Laufsteg zu schiessen. Mittlerweile zΓΌcken Blogger wie Bryanboy oder Scott Schuman vom besten Platz aus ihre Smartphones.



Studium plus Arbeit plus Blog

Amy Marietta ist grosser Instagram-Fan. Mit Hilfe der Fotoplattform kann sie Bilder hochladen, bearbeiten und kommentieren. Β«So bin ich mit meinen Lesern in Kontakt und weiss, was ihnen gefΓ€lltΒ», sagt sie, wΓ€hrend sie auf ihr Smartphone blickt. Zeit zum Aufbrechen. Sie verlΓ€sst das CafΓ© in Richtung U-Bahn-Station.

Hier im West Village hat sie ein Apartment nahe an ihrem Studienort, dem Β«Fashion Institute of TechnologyΒ». Neben der UniversitΓ€t arbeitet Marietta bei einem Social-Media-Unternehmen. Vom Bloggen allein kann sie nicht leben. Noch nicht. Die Zahl der Angebote steigt. Marietta verkauft Β«PackagesΒ»: Firmen kΓΆnnen sie ΓΌber mehrere Monate buchen, dafΓΌr bewirbt sie deren Produkte. Die Bloggerin erhΓ€lt Summen in vierstelliger HΓΆhe.

Ob sie keine Probleme damit habe, ihren Namen zu verkaufen? Marietta schΓΌttelt den Kopf. Β«Ich werbe nicht fΓΌr jeden, der mich anschreibtΒ», sagt sie. Β«Wenn eine Firma meinem Modegeschmack widerspricht, lehne ich ab.Β» Doch fΓΌr sie war es von Anfang an wichtig, mit ihrem Blog Geld zu verdienen. Als ihr Vater zu Beginn fragte, ob Schreiben ΓΌber Mode nicht Zeitverschwendung sei, antwortete sie: Β«Warte nur, es wird sich rentieren.Β»



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100'000 Dollar Jahreslohn

Ausgezahlt hat sich das Bloggen auch fΓΌr Justin Livingston. Der 26-JΓ€hrige gehΓΆrt heute zu den bekanntesten Modebloggern aus New York - mit mehr als 250'000 Followern. Anders als Amy Marietta ging es ihm nicht ums Geld, als er vor zwei Jahren seinen Blog Β«Scout SixteenΒ» startete

Β«Ich war unglΓΌcklich mit meiner Arbeit, weil sie so unkreativ warΒ», sagt Livingston. Ein Freund riet ihm, seine Ideen im Internet zu verbreiten. Mit Erfolg: Β«Scout SixteenΒ» wurde binnen kurzer Zeit von so vielen Menschen gelesen, dass Modemarken wie Β«American EagleΒ» oder Β«GapΒ» aufmerksam wurden. Vor einem Jahr machte sich Livingston selbststΓ€ndig. Mittlerweile verdient er nach eigenen Angaben mehr als 100'000 Dollar im Jahr.

Β«Ich habe meinen Erfolg mindestens zur HΓ€lfte der Stadt zu verdankenΒ», sagt er. Β«Die Menschen lieben es, Fotos und Texte aus dem Big Apple zu sehen.Β» Deshalb wird er auch ΓΌber die Fashion Week schreiben. Mit seiner roten Kappe und dem T-Shirt sieht er zwar nicht wie ein Laufsteg-Reporter aus. Dennoch haben ihn die Firmen gebucht.



(sda/ccr)

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