In einem Koffer des verstorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ist ein Landschaftsbild des Impressionisten Claude Monet zum Vorschein gekommen. Gurlitt hatte offenbar den Koffer mitsamt Bild vor seinem Tod mit ins Spital genommen. Nach Gurlitts Ableben bewahrte die Klinik den Koffer auf und ΓΌbergab ihn Anfang September Gurlitts Nachlassverwalter, wie die Taskforce Β«Schwabinger KunstfundΒ» am Freitag mitteilte.
Nach einer ersten Sichtung des Monet-Werkverzeichnisses kΓΆnnte das Werk um 1864 entstanden sein, wie aus der Mitteilung der Taskforce hervorgeht. Die Arbeit auf Papier zeigt eine Landschaft in lichtem Blau. Nach Angaben der Taskforce weist es vom Motiv her grosse Γhnlichkeit mit dem Bildnis Β«Vue de Sainte-AdresseΒ» auf. Die zustΓ€ndige Stelle in Deutschland prΓΌft nun, ob es sich beim gefundenen Monet-Bild um Raubkunst handelt. Das Bild befindet sich inzwischen im Depot, wo auch die anderen Bilder der Gurlitt-Sammlung aufbewahrt werden.
Verschollenes und Unbekanntes
Cornelius Gurlitt war der Sohn von Hildebrand Gurlitt, der als einer von vier KunsthΓ€ndlern Adolf Hitlers fΓΌr das NS-Regime mit Kunst handelte. Seit dem Tod des Vaters hΓΌtete Sohn Cornelius die umfangreiche Kunstsammlung des Vaters ebenso eifersΓΌchtig wie verschwiegen. Durch puren Zufall kamen die SteuerbehΓΆrden dem als ausgesprochen scheu, ja sogar etwas kauzig geltenden, betagten KunsthΓ€ndlerssohn auf die Spur. In dessen bescheidener Wohnung in Schwabing bei MΓΌnchen stiessen sie auf eine millionenschwere Kunstsammlung.
Die Presse feierte den Fund als Jahrhundert-Sensation. Verschiedene Werke galten seit 1945 als verschollen, andere waren gΓ€nzlich unbekannt. Von den weit ΓΌber tausend Werken stehen allerdings viele unter Raubkunstverdacht.
Kurz vor seinem Tod hatte der herzkranke Gurlitt im April 2014 einer Untersuchung seiner Sammlung und der KlΓ€rung des Raubkunstverdachts zugestimmt. Die BehΓΆrden wollten Gurlitt daraufhin die beschlagnahmten Bilder wieder aushΓ€ndigen. Diesen Tag erlebte der 81-jΓ€hrige KunsthΓ€ndlerssohn aber nicht mehr. Er starb am 6. Mai.
Kunstmuseum Bern hat noch nicht entschieden
Seine prestigetrΓ€chtige, aber auch umstrittene Sammlung vermachte Gurlitt ΓΌberraschend dem Kunstmuseum Bern. Dieses hat noch bis Ende Jahr Zeit zu entscheiden, ob es die Erbschaft antreten oder ausschlagen will. Keine einfache Frage, denn eines ist sicher: Wer auch immer die Sammlung ΓΌbernimmt sieht sich mit aufwΓ€ndigen RechtshΓ€ndeln und schwierigen ethischen Fragen konfrontiert.
Momentan arbeiten die Museumsverantwortlichen in Bern mit Hochdruck daran, sich einen Γberblick ΓΌber die Sammlung zu verschaffen.