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Technik

Mobilfunker wollen sich in Barcelona neu erfinden

Die Mobilfunk-Industrie versammelt sich in Barcelona zu ihrem wichtigsten Branchentreff. Vordergründig dreht sich alles um die neuesten Smartphones. Hintergründig aber ist etwas anderes in Arbeit.

Am Mobile World Congress in Barcelona werden die wichtigen Neuheiten der Branche vorgestellt: Eine Frau testet eine Virtual-Reality-Brille aus.
Der neue 3D-Modus der Handys von ZTE. Die Chinesen haben eine Spielzeuglandschaft am MWC aufgebaut, die sich für plastische Testbilder eignet.
Die Connected-Car-Simulation von BMW in Kooperation mit Intel und Ericsson. BMW ist das erste Mal am MWC.
Am Stand von IBM gibt es ein farbenfrohes Kleid zu bestaunen. Die LED-Lichter des «cognitiv dress» passen sich den Emotionen von Tweets an.
Tierisches aus Schottland: Die University of Scotland hat mit Vodafone Tracker entwickelt, die halb so gross sind wie bisher. Diese werden in den Nacken der Tiere gesetzt, um ihre Bewegung und die Entwicklung der Population zu verfolgen.
Mastercard ermöglicht eilige Menschen noch mehr Zeitersparnis. Zusammen mit GM entwickelte das Unternehmen ein System, mit dem im Auto zum Beispiel ein Kaffee im Lieblingscafé vorbestellt und bezahlt werden kann. Es soll dieses Jahr lanciert werden.
Smarte Kleidung - die Elektronen sind eingewebt und überwachen Körperfunktionen wie Temperatur und Herzschlag.
Den Spielroboter aus Korea namens Cubroid können Kinder selbst zusammenbauen und per App steuern.
Ebenfalls einen Roboter gibt es auf der Startup-Bühne «4 Years From Now» (4YFN) zu sehen, die dem Mobile World Congress angehängt ist. Pibo kommt aus Korea und soll seinen Besitzern ein Freund sein. Das Ziel ist es, diese zu mehr Emotionalität und einem besseren sozialen Miteinander zu bringen.
Für rund 950 Dollar kann Oval gekauft werden, das ein spanisches Startup an der 4YFN präsentiert. Das digitale Instrument hat die Form eines Ufos und kann ein Schlagzeug aber zum Beispiel auch eine Geige imitieren.
Ein israelisches Startup will an der 4YFN die Living Box an den Mann bringen. Damit sollen selbst Stadtbewohner ohne Balkon ihr Gemüse züchten können. Das Gewächshaus ist zusammenklappbar und wird mit Solarenergie betrieben. Natürlich gibt es auch eine passende App zum 300-Dollar-Spass.
Auch branchenfremde Unternehmen nutzen die Bühne, so werden Tech-Messen immer stärker zu Automessen. Peugeot präsentiert das Konzept «Freedom» in Kooperation mit Samsung. Es soll abgestuft autonom fahren je nach den Wünschen des Fahrers und sich zugleich mit anderen Geräten zu Hause und im Büro koppeln.
Bei Seat können Besucher der Messe gleich in den Simulator einsteigen.
«City of Tomorrow» heisst die Losung bei Ford: Damit will der Autobauer Lösungsansätze für Mobilitätsherausforderungen in Ballungsräumen wie Staus und Luftbelastungen liefern. Die Ideen drehen sich um Lieferkonzepte mit Elektroauto und Drohne.
Die Korean Telekom testet aktuell Live-Übertragung aus der Perspektive von Skifahrern und 360-Grad-Umsicht. Sie soll mit 5G-Datengeschwindigkeit funktionieren und bei der Winterolympia 2018 in Pjöngjang weltweit für Zuschauer verfügbar sein.
Für Spass ist am Stand von Noitom gesorgt: Der Cyber-Handschuh «Hi5» agiert in Kombination mit VR-Brillen. Mehrere Spieler werden in die gleiche virtuelle Landschaft projiziert und können sich so zum Beispiel virtuell Bälle zuwerfen.
LG bietet mit seinem neuen Smartphone ein neues Format: Das 5,7-Zoll-Display kommt im Verhältnis von 18:9 daher. Das hilft beim Abspielen von manchen Filmen, aber damit kann vor allem Multitasking betrieben werden. Zwei Quadrate werden nebeneinander angezeigt und erlauben so ergänzende Aufgaben, wie etwa das Fotografieren und gleichzeitige Anschauen des Ergebnisses.
Dafür hat der Neuling G6 auch eine besonders gute Kamera.
Sony wartet mit dem Xperia XA1 auf. Ein Highlight gegenüber dem Vorgänger XA ist die verbesserte Kamera, die es mit der der Premiumlinie aufnehmen kann. Dieses Modell und die Ultra-Version sollen im Frühling mit Android Nougat lanciert werden. Die Kunden können zwischen Weiss, Schwarz, Pink und Gold wählen.
Ebenfalls Neues gibt es im Hochpreissegment: Das Xperia XZ Premium hat als erstes Smartphone ein 4K HDR Display.  first 4K HDR display in a smartphone. Ein neues Kamerasystem namens «Motion Eye», das 960 Bilder pro Sekunde machen und in Superslowmotion abspielen kann.
Xperia Ear ist ein Kopfhörer mit integriertem Digitalassistenten. Damit hat man gemäss Sony freie Hände, Augen und sogar Ohren - denn die Technologie leitet den Sound direkt in den Hörkanal, Nutzen können Umgebungsgeräusche beim Musikhören oder Kommunizieren weiter wahrnehmen.
«Xperia Touch» ist ein interaktiver Projektor, der jede Oberfläche zum Touchscreen machen kann - Klavierspielen am Boden oder Malen an der Wand sind nicht länger unmöglich. Das Gerät soll in Europa im Frühling in den Handel kommen, günstig ist es mit 1499 Euro nicht.
Einen Assistenten gibt es ebenfalls.
Samsung hat am Mobile World Congress dieses Jahr nur Tablets vorgestellt. Das Samsung Galaxy Book richtet sich an Geschäftsleute. Es funktioniert mit dem S Pen wie auch das...
... Samsung Tab S3, über das im Vorfeld bereits viel bekannt wurde. Zum Smartphone Galaxy S8 nannte Samsung das Präsentationsdatum: der 29. März. Das Samsung Tab S3 ist eine klare Ansage an Apple: Gute Leistung, hochwertige Verarbeitung. Front und Rückseite aus Glas plant Apple erst für sein nächstes iPhone.
Der S Pen zeigt sich im Kurztest gut in der Handhabung und reaktionsschnell. Die Spitze ist 0,7 mm dünn. Nachteil: Er kann nicht am Gerät befestigt werden.
Das Galaxy Book kommt in zwei Grössen und läuft mit Windows 10. Das macht es zum direkten Konkurrenten vom Microsoft Surface, ist aber vor allem beim Gehäuse hochwertiger verarbeitet.
Das Amoled-Display der grösseren Variante gibt die Farben brillant wieder. Samsung hat bereits im Galaxy S7 auf die Technologie gesetzt.
Nachteil ist ein höherer Preis. Samsung macht noch keine Angaben, aber zwischen 700 und 800 Euro für die kleinere 10-Zoll-Variante erwartet und sogar bis zu 1600 Euro für die 12-Zoll-Variante. Preis für die Schweiz gibt es noch keine, Verkaufsstart soll im Juni sein.
Und noch eine weitere Neuheit von Samsung: Ein Controller für die VR-Brille der Koreaner. Das handliche Gerät verfügt über ein Touchpad, einen Home-Button und Knöpfe für die Lautstärke.
Die meisten anderen grossen Handyhersteller nutzen das Wochenende vor dem MWC, um ihre neuen Smartphones zu zeigen. So auch Nokia - das den Klassiker 3310 inklusive Snake wieder aufgelegt hat.
Darüber hinaus bringt Nokia und HMD Global drei Android-Smartphones auf den Markt. Das Nokia 6 war bereits bekannt, die kleineren Nokia 5 und Nokia 3 sind neu präsentiert worden. Nokia fokussiert sich mit günstigen Smartphones stark auf Schwellenländer in Afrika sowie Indien.
Richard Yu, Chef der Sparte Consumer Devices von Huawei, präsentierte das neue P10. Es glänzt...
...mit einer aussergewöhnlichen Farbenpracht. Neu gibt es die Huawei-Smartphones auch in grün und blau. Auch verfügt es erneut über eine Dual-Kamera von Leica. Huawei kooperiert für das Gerät neu mit GoPro. Der Actionkamera-Hersteller stellt eine App für Video-Editing zur Verfügung, die vorinstalliert wird.
Blackberry hat den Anfang gemacht und am Samstag das KeyONE präsentiert. Das Smartphone ist das erste, dessen Entwicklung komplett in der Hand der chinesischen Firma TLC gelegen hat. Das Gerät bringt die klassische Tastatur zurück, für die Blackberry bekannt ist. Die Kanadier haben die Entwicklung eigener Smartphones aufgegeben, nachdem der Martanteil zu sehr geschrumpft war.
Vom spanischen Telekomriesen Telefonica kommt die Plattform «Aura» mit technischer Hilfe von Microsoft. «Aura» kann als App genutzt werden und ist mit Amazons Echo kompatibel. In den nächsten 12 Monaten soll es in Spanien, Grossbritannien und Deutschland auf den Markt kommen. Die Technik soll den Nutzer die Macht über ihre Daten zurückgeben.
Über die Präsentationen von neuen Smartphones und Retro-Klassikern hinaus, beschäftigt sich die Messe mit anderen Themen. DIe Zukunft smarter Geräte und das Internet of Things stehen im Fokus in der Trendausstellung...
...bei der zahlreiche Konzerne ihre kommenden Produkte präsentieren. Auch für Autobauer ist der Mobile World Congress ein wichtiger Termin geworden. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit einem Rekord von 101'000 Besuchern. Die Messe in Barcelona hat sich zur weltgrössten Mobilfunkmesse entwickelt, sie findet dieses Jahr vom 27. Februar bis zum 2. März statt.
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Auf dem Mobile World Congress in Barcelona wird sich ab Montag vordergründig alles um die neuesten Smartphones und den Mobilfunkstandard 5G drehen. Doch hinter den Kulissen der grössten Mobilfunkmesse der Welt arbeiten einige Manager daran, ihre Konzerne auf ein neues Fundament zu stellen.

Das alte Geschäftsmodell, Datenabos zu verkaufen, verliert langsam an Schwung. «Wegen des Preis- und Regulierungsdrucks müssen Telekomfirmen in angrenzenden Geschäftsfeldern nach neuen Umsatzbringern suchen», sagt Branchenexperte Tom Levine von der Anwaltskanzlei Allen & Overy. Es gebe keine Einigkeit darüber, wie man vorgehen solle.

Chancen

Einige Konzerne preschen vor: Telefonica etwa wird ihre Idee zum Umgang mit den Daten ihrer Nutzer vorstellen. Kunden sollen grössere Kontrolle über die Verwendung der Informationen bekommen, statt sie wie bisher bei Google, Facebook oder Amazon abzuliefern. Wie die Spanier damit Geld verdienen wollen, wollen sie auf der bis Donnerstag dauernden Messe darlegen.

Am radikalsten beim Geschäftsumbau dürfte nach Einschätzung von Experten Vimpelcom vorgehen. Die Nummer drei auf dem russischen Mobilfunkmarkt unterzog ihre Geschäfte einer Generalinventur und strebt nun wesentlich engere Bande mit Internet-Firmen an, von Streaming-Diensten bis zu Online-Taxidiensten.

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Versuchslabor für Telefonunternehmen

Dahinter steckt aber noch mehr: Kaum bemerkt vom Rest der Welt wandelte sich Russland in den vergangenen Jahren zu einer Art Versuchslabor für Telefonunternehmen. Dies machten die Konzerne nicht ganz freiwillig, sinkende Umsätze und die Sanktionen des Westens zwangen sie dazu.

Gleichzeitig hielt der Kreml die ansonsten so erfolgreichen Giganten aus dem Silicon Valley klein. Einheimische Onlinehäuser füllten die Lücke. Und die gehören mittlerweile zu Telefonkonzernen. So kontrolliert der Markt-Zweite Megafon den russischen Facebook-Klon VKontakte und übernahm Ende vorigen Jahres die Mehrheit am populären GMail-Rivalen Mail.ru.

Risiken

Andere Branchengrössen sind bei der Neuausrichtung aus unterschiedlichen Gründen vorsichtiger. Der Grund: Wohl jedes Telekom-Unternehmen versuchte früher oder später, mit eigenen Internet-Anwendungen den Heimatmarkt zu erobern.

So gut wie alle erlitten Schiffbruch oder wurden von den grossen US-Anbietern verdrängt. Die Deutsche Telekom etwa stellte ihre Download-Dienste Musicload und Gamesload 2014 ein, ein Jahr später zog sie auch beim hauseigenen Paypal-Konkurrenten Click & Buy den Stecker.

Gleichzeitig sind die Bedenken gross, wenn es darum geht, mit den Daten der eigenen Kunden Geld zu verdienen. Insbesondere in Deutschland, wo Datenschutz einen hohen Stellenwert geniesst, stossen solche Ideen schnell auf Widerstand. Stattdessen konzentrieren sich die Deutschen darauf, die herstellende Industrie zu vernetzen und Cloud-Rechenzentren aufzubauen.



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(sda/ccr)

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