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Männertraum Massanzug: Eva Bräutigam ist mit ihrem Atelier eine moderne Amazone in dieser Männerdomäne – und betreibt das Handwerk auf höchst klassische Art.
Königsdiziplin: Die Schneiderin Eva Bräutigam prüft, ob der Veston auch wirklich sitzt. Ihre individuell gefertigten Feinmass-Anzüge verkauft sie ab 7800 Franken.
Dan Cermak für BILANZMitten in Zürichs neuer urban-moderner Mitte, der Europaallee, hinter einer der zahlreichen Glasfronten, wartet eine andere Welt. Historische Holzschränke mit einer Armee an Schubfächern, Vitrinen, Bücher und Ledersofas, daneben Nähmaschinen und Büsten aus dem vergangenen Jahrhundert. Hinten hängen braune Papierstreifen von der Decke.
Man kann durchaus von einem Sehnsuchtsziel für Männer sprechen: Nicht wenige träumen davon, einmal den eigenen Massanzug, vollständig handgefertigt, zu tragen; Kragen, Ärmel, Taille, jeder Millimeter individuell dem Körper angemessen. Einige Meter Stoff ausgebreitet, brütet Eva Bräutigam (35) über einem Schnittmuster, einen Tisch weiter näht Chantal Keller (25) konzentriert am Revers eines Sakkos. Beiden hängt ein gelbes Massband um den Hals.
Darf man heute noch eine Frau «Amazone» nennen, weil sie in einem Männerberuf arbeitet, einer vermeintlichen Männerdomäne gar? Heute lauert schliesslich hinter jeder Ecke ein Shitstorm. Wie dem auch sei: Eva Bräutigam ist Feinmass-Schneiderin, macht also Herrenanzüge, Festkleidung oder Mäntel, aber auch Damengarderobe, komplett von Hand, nach den individuellen Massen des Kunden und dafür eigens erstellten Schnitten, stickt selber jedes einzelne Knopfloch.
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