Familienförderung, Arbeitsplätze und saubere Energien - das ist die Wirtschaftspolitik, mit der Hillary Clinton Donald Trump schlagen will. Der Kontrast zum Programm ihres Rivalen ist frappierend.
Karen Merkel-Gyger
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Die wichtigsten Wahlversprechen von Hillary Clinton. Die Präsidentschaftsanwärterin verspricht eine Erhöhung des Mindestlohnes. US-Angestellte sollen landesweit mindestens 12 Dollar pro Stunde verdienen. Aktuell liegt die Untergrenze bei 7,25 Dollar.RMSClinton will die Lohnschere zwischen Frauen und Männern schliessen: Gleiche Arbeit soll unabhängig vom Geschlecht gleich entöhnt werden.RMSEines der wichtigsten Themen für Clinton sind die hohen Studiengebühren. Das liegt vor allem daran, dass ihr parteiinterner Rivale Bernie Sanders allen Amerikanern ein kostenloses Universitätsstudium versprach. Clinton geht weniger weit: Sie will jenen Studenten ein Gratisstudium ermöglichen, deren Familien weniger als 125'000 Dollar pro Jahr verdienen. Flickr/CC/Derek SpringerRMSClinton will die US-Einwanderungspolitik umfassend reformieren. Einwanderer sollen einfacher an die US-Staatsbürgerschaft gelangen. Sie erhofft sich dadurch viele Stimmen von den Latinos – Clintons Haltung gegenüber Einwanderern stösst bei diesen Wählern auf viel Zustimmung.RMSDie Reform des US-Gesundheitswesens ist eines der wichtigsten politischen Erfolge von Barack Obama - fast alle Amerikaner erhielten dadurch Zugang zu einer Krankenversicherung. Clinton will daran anknüpfen und «Obamacare» stärken und erweitern.RMSDas oberste US-Gericht fällte vor einigen Jahren den umstrittenen «Citizen United»-Entscheid: Wegen dieses Beschlusses fliesst das Geld im Wahlkampf praktisch unbegrenzt. Clinton will den Entscheid wieder umstossen. Allerdings profitiert sie momentan selber von finanzkräftiger Unterstützung.RMSClinton ist kritisch gegenüber neuen Freihandelsabkommen – und stellt sich damit gegen Präsident Barack Obama, welcher für den pazifischen Freihandelsdeal TPP weibelt.RMSClinton will neue Regeln für den Waffenkauf einführen. Sie riskiert damit den Widerstand von der einflussreichen Lobbygruppe NRA.RMSDie US-Infrastruktur ist in einem schlechten Zustand. Clinton will darum massiv in Brücken, Strassen oder Flughäfen investieren – insgesamt sollen 275 Milliarden Dollar in Bauprojekte fliessen. KeystoneRMSClinton plant Steuererhöhungen – aber nur für die reichsten Amerikaner. Eine Steuererhöhung für die Mittelklasse hat sie hingegen mehrfach ausgeschlossen. Flickr/CC/Fibonacci Blue/Bildquelle für die übrigen Fotos: KeystoneRMS
Hillary Clinton tritt mit einer liberalen, familienfreundlichen Wirtschaftspolitik zum Kampf um das Weisse Haus an. Sie will sich für kostenlose Studienplätze einsetzen, für staatliche Investitionshilfen und für Ausbildungsprogramme.
In den Mittelpunkt werde sie Familien stellen – sie sollten steuerlich am meisten von ihrer Politik profitieren, sagte die Demokratin am Donnerstag in Warren, einem Vorort der Autostadt Detroit, wo sie die Leitlinien ihrer künftigen Wirtschaftspolitik darlegte.
«Supermacht der sauberen Energien»
Erneuerbare Energien, die Bereitstellung der Technik dafür und deren Export sollen zu einem Eckpfeiler der US-Wirtschaft werden. «Ein Land wird die Supermacht der sauberen Energie im 21. Jahrhundert sein und Millionen von Arbeitsplätzen schaffen – wahrscheinlich entweder China, Deutschland oder Amerika. Ich möchte, dass wir es sind», sagte Clinton.
Clinton stellte bei ihrer Rede die Mittelklasse in den Vordergrund. «Wir brauchen eine Wirtschaft, die uns allen dient und nicht nur den Reichen unter uns», sagte Clinton, Sie wiederholte dabei ihren Plan, sollte sie Präsidentin werden, würde sie «in den ersten hundert Tagen meiner Amtszeit das grösste Konjunkturprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg aufzulegen». Im Wettbewerb mit Bernie Sanders in den Vorwahlen hat sich Clintons Wirtschaftspolitik nach links bewegt.
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Gegen das Handelsabkommen TPP
Deutlich sprach sich Clinton gegen das umstrittene transpazifische Handelsabkommen TPP aus. «Ich bin jetzt dagegen, ich werde es nach der Wahl bekämpfen und ich werde es bekämpfen, wenn ich Präsidentin bin.» Sie werde jedes Handelsabkommen stoppen, dass Arbeitsplätze koste.
Die USA dürften sich allerdings nicht international isolieren, wie es Rivale Donald Trump wolle, sondern sollten Handelsabkommen vorteilhafter abschliessen. Trumps Argumentation beruhe allein auf Angst. «Wenn Michael Phelps und Simone Biles wie Trump denken würden, blieben sie bei Olympia in ihren Kabinen, weil sie den Wettkampf scheuen», sagte Clinton, «Stattdessen gewinnen sie Goldmedaillen.»
Clinton hob in ihrer Rede mehrfach auf ihre Herkunft ab. «Ich bin die Tochter eines Unternehmers und die Enkelin eines Fabrikarbeiters. Diese Wurzeln habe ich nie vergessen», sagte sie. Sie wolle kleine Firmen stärken, weil die Mittelklasse der Antrieb der amerikanischen Wirtschaft sei. Clinton ist die Tochter eines Textildruckers und stammt damit aus der gehobenen Mittelklasse, ihr Grossvater arbeitete in der Textilproduktion.
Zugang zu Krediten erleichtern
Als Präsidentin wolle sie einen Infrastrukturfonds einrichten, die kleineren Unternehmen den Zugang zu Krediten erleichtert, sagte die Demokratin. Auch die Steuererklärung wolle sie für kleine Unternehmen vereinfachen. Ausserdem wolle sie 10 Milliarden Dollar wolle sie in die Forschung investieren. Darüber hinaus sollten alle US-Haushalte bis 2020 Zugang zu Breitbandinternet bekommen.
Grosskonzerne sollten dagegen mehr in die Pflicht genommen werden. «Es herrscht ein Ungleichgewicht zwischen den Rekordgewinnen der Unternehmen und den Lohnsteigerungen der Angestellten», sagte Clinton. Wie bereits zuvor betonte sie, das müsse sich ändern. Konzerne, die ihren Steuersitz ins Ausland verlegen, um Abgaben in den USA zu sparen, müssten dafür finanziell belangt werden. Clinton spricht hier die Steuerpraxis von Grosskonzernen wie Facebook oder Apple an, die einen grossen Teil ihrer Gewinne ausserhalb der USA halten. Im Wahlkampf wird Clinton eher die Nähe zum Establisment nachgesagt: Sie gilt als bestens vernetzt mit Grosskonzernen und hat mächtige Untersützer an ihrer Seite (siehe Bildergalerie unten).
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«Trump spart 4 Milliarden Dollar Steuern»
Für die Wohlhabenden und vor allem zum eigenen Vorteil zu planen, das warf Clinton ihrem Mitbewerber Trump vor. «Wenn wir ihm glauben, dass er so reich ist, wie er sagt, spart seine Familie durch die von ihm vorgestellten Ideen 4 Milliarden Dollar Steuern», sagte die Demokratin.
Trump hatte am Montag sein Wirtschaftsprogramm vorgestellt. Es reicht von Steuererleichterungen, der Aufkündigung von Handelsabkommen bis zum Abbau von Regulierungshürden. Trump bewegt sich damit in der Tradition klassischer republikanischer Wirtschaftspolitik. In den Kommentaren der Analysten ist Trumps Rede durchgefallen.
Rückzahlung von Studienkrediten
Ein weiterer wichtiger Punkt in Clintons Rede war Bildung. Ein Studium müsse kostenfrei für die Mittelklasse und schuldenfrei für alle werden. Sie wolle ausserdem die Rückzahlung der Studienkredite erleichtern, indem diese prozentual zum Einkommen begrenzt wird. Auch andere Ausbildungswege sollen gestärkt werden.
In der Familienpolitik wolle sie die Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung stärken. Kinderbetreuung solle zu einem grösseren Teil von der Steuer abgesetzt werden können. Bezahlter Elternurlaub würde die Wirtschaft nicht belasten, sondern zum Wachstum beitragen. Auch Lohngleichheit zwischen Mann und Frau sei letzlich eine Konjunkturspritze. «Wenn Familien mehr zur Verfügung haben, können sie auch mehr Geld ausgeben.»
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Sehen Sie hier die Wirtschaftsgrössen, die Hillary Clinton unterstützen:
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Diese prominenten Wirtschaftsvertreter haben Hillary Clinton offiziell die Unterstützung zugesagt:
Warren Buffett: Grossinvestor, Chef von Berkshire Hathaway und drittreichster Mensch der Welt.RMSGeorge Soros: Fondsbetreuer, unter anderem Quantum Fund, Multimilliardär.RMSSheryl Sandberg: Geschäftsführerin von Facebook.RMSReed Hastings: Mitgründer und Geschäftsführer von Netflix.RMSMarc Benioff: Cloud-Pionier mit salesforce.com. Flickr/TechCrunchRMSSean Parker: Mitbegründer von Napster, ehemaliger Berater von Facebook.RMSJeffrey Katzenberg: Filmproduzent, Mitbegründer und Chef von Dreamworks.RMSDaniel Akerson: Ehemaliger CEO von General Motors. Langjähriger Unterstützer der Republikaner.RMSLarry Flynt: Verleger, Publizist und Chef des Verlagshauses Larry Flynt Publications. Unter anderem Herausgeber des Magazins «Hustler».RMSElizabeth Holmes: Gründerin und Geschäftsführerin des Biotechunternehmens Theranos, welches kürzlich die Lizenz zum Betrieb von Bluttest-Labors verloren hat.RMSNoch kein offizielles «Endorsement» gab es von anderen früheren Unterstützern von Hillary und Bill Clinton, so etwa Microsoftgründer Bill Gates und Lloyd Blankfein von Goldman Sachs (Stand: Juli 2016). Bilder: KeystoneRMS