Erfolgskonzept Tesla: Warum die Schweiz der Testmarkt ist
Während Tesla hierzulande das meistverkaufte Luxusauto ist, haben sich traditionelle Autobauer verkalkuliert: Ihre Elektro-Modelle sind Ladenhüter. Warum die Schweiz Testmarkt für die Tesla-Jäger ist.
Caroline Freigang
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Das sind die Highlights vom Autosalon in Genf 2016:Neben den Neuheiten der Hersteller ist der Autosalon auch eine Showbühne der Karosserieschneider und der Designstudios. So präsentiert Sbarro den Sbarro Ginevra 2016 der Öffentlichkeit.RMSDer neue Jaguar F-Type SVR feiert seine Debüt auf dem Genfer Autosalon 2016. Mit 575 PS bringt der Flizzer 322 km/h auf den Tacho.RMSAuch DMC veredelte eine Luxuskarosse: Der Lamborghini LP610 von DMC in der Jeddah Edition.RMSArash zeigt in Genf einen neuen Sportwagen: Der Arash AF8 Falcons feiert auf dem Autosalon seine Premiere. 560 PS und Handschaltung soll die Fans überzeugen.RMSRolls Royce stellt an der Automesse den Rolls Royce Wraith als «Black Badge» Sonderedition vor. Optisch erkennt man Coupé und Limousine an der ganz schwarzen Lackierung.RMSMit dem neuen Mercedes C-Class Cabriolet bietet Mercedes erstmals ein Cabrio für die C-Klasse an.RMSMit dem Levante erweitert der Sportwagenhersteller Maserati seine Produktpalette: Es ist das erste SUV der Nobelmarke. Zum Marktstart im Juni 2016 sind zwei V6-Turbobenziner mit 350 und 430 PS sowie ein Dreiliter-Diesel geplant.RMSBugatti zeigt einen Flitzer der Superlative: den Bugatti Chiron mit 16 Zylindern und stolzen 1500 PS.RMSDer Veyron-Nachfolger kostet 2,4 Millionen Euro. Ein Drittel der 500 Exemplare sollen bereits verkauft sein.RMSEbenfalls 1500 PS stark ist der Koenigsegg Regera. Ein Hybridsystem beschleunigt den schwedischen Sportler in 2,8 Sekunden auf 100 km/h. Nach 20 Sekunden überschreitet der Tacho 400 Stundenkilometer. Ende 2016 wird der Regera ausgeliefert – zum Stückpreis von mehr als zwei Millionen Euro.RMSTesla präsentiert mit dem Model X nicht nur das erste reine Elektro-SUV, sondern auch das weltweit schnellste. Mit 532 PS geht es von 0 auf Tempo 100 in 3,4 Sekunden.RMSBentley präsentiert das schnellste Luxus-Auto der Welt: Pünktlich zum Genfer Autosalon bekommt das Bentley-Flaggschiff Mulsanne ein Facelift. Der neue Bentley Mulsanne Speed kitzelt statt 512 nun 537 PS aus dem 6,75-Liter-V8.RMSAuch Lamborghini präsentiert einen potenten Sportwagen: den Lamborghini Huracan Avio. Die Spezialversion der Huracan-Serie gibt es weltweit 250 Mal zu kaufen, heisst es in Vorabberichten.RMSEine weitere Lamborghini-Neuheit ist der 770 PS starke Lamborghini Centenario. Die schlechte Nachricht: Alle 40 Exemplare zum Stückpreis ab 1,75 Millionen Euro sind bereits ausverkauft. Hergestellt wurde er anlässlich des 100. Geburtstages von Firmengründer Ferruccio Lamborghini.RMSPorsche zeigt ein Hybridmodell: Der Panamera S E-Hybrisd fährt auch mit Strom.RMSAuch der neue Porsche 911 R feiert in Genf Premiere: Der puristische Sportwagen hat 500 PS, von 0 auf 100 km/h geht es in 3,8 Sekunden und erst bei 323 Kilometern in der Stunde ist Schluss. Die markanteste Neuerung der neuen Modell-Generation des Porsche Boxster ist der Motor: Der 16-Zylinder-Boxer hat ausgedient und wird durch ein 4-Zylinder-Pendant ersetzt.RMSEbenfalls neu bei Porsche - der 718 Boxster S. Seine Eckdaten: 350 PS, Sechsgang-Sportschaltgetriebe, von Null auf 100 km/h in 4,2 Sekunden, Höchstgewxchindigkeit 285 km/h.RMSDas Auto des Jahres: Konzernchef Karl-Thomas Neumann feiert den Sieg des Opel Astra. Das Unternehmen stemmt eine schwierige Neufindung.RMSVW-Chef Matthias Müller ist auch angereist: Das Unternehmen hat nach dem Abgasskandal noch viel Aufräumarbeit zu bewältigen. Bilder: Keystone/Mathias OhanianRMS
Teslas Erfolgsprinzip geht auf: Keine Plug-in Hybride, 500 Kilometer elektrische Reichweite, Ladezeiten von minimal 20 Minuten und ein eigenes Schnellladesystem. In der Schweiz führt der Elektro-Pionier auch Anfang 2016 die Liste der meistverkauften Luxus-Fahrzeuge an.
Solche Erfolge würde auch die Konkurrenz gern verbuchen. Das Rennen unter den Nachahmern läuft: Audi, BMW, Mercedes und auch Massenhersteller wie GM bauen mit Hochdruck an ihren «Tesla-Jägern». Porsche stellt am Autosalon in Genf seinen neuen Panamera S-E Hybrid vor (siehe Bildergalerie oben).
Seit Diesel-Skandal legen Autobauer zu
Traditionelle Autobauer hätten auf alle Pferde gesetzt – Diesel, Hybrid, Plug-In, Brennstoffzellen und reichweitenarme Elektroautos – und sich verrannt, schreibt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, in seiner neusten Studie.
Nach dem VW-Dieselgate müssten nun viele Firmen im Abgasbereich nachinvestieren – ab 2017 kämen Kosten von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr auf die Branche zu. Deshalb setzten die Autobauer vermehrt auf «richtige» Elektromobilität statt Diesel, um ihre CO2-Ziele zu erreichen, so Dudenhöffer.
«Testmarkt für Zukunftstechnologien»
Dass diese Entwicklung Sinn macht, zeigt sich laut dem Auto-Experten am Beispiel der Schweiz. Diese gilt als Testmarkt für Autotrends. Dafür nennt Dudenhöffer vier Gründe: Erstens gebe es in der Schweiz keine steuerlichen Bevorzugungen für Dieselkraftstoffe. Deshalb habe in dem kleinen Land kein Dieselboom stattgefunden, wie etwa in Deutschland. Zweitens würden Elektroautos nicht subventioniert – sie müssten sich also im «normalen Wettkampf» gegen konventionelle Antriebe durchsetzen.
Drittens kauften Schweizer mit ihrem hohen Sozialprodukt pro Kopf deutlich mehr Luxuskarossen als der Rest Europas. Da neue Technologien tendenziell zuerst bei hochwertigen Fahrzeugen eingesetzt würden, sei die Schweiz eine Art «Testmarkt für die Marktfähigkeit von Zukunftstechnologien», so Dudenhöffer. Zuletzt habe die Schweiz keine eigenen Autobauer, die gewisse Modelle auf den Markt «pushten» und so das Bild verfälschten.
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Tesla führt die Liste der Luxus-Fahrzeuge an
Nimmt man die Schweiz also als Indikator für Autotrends, zeigt sich deutlich, dass traditionelle Autobauer einen Gang zulegen müssen, um mit Tesla Schritt zu halten. Bereits 2015 führte das US-Unternehmen in der Schweiz die Liste der meistverkauften Oberklassen-Fahrzeuge an. Im Januar stieg der Marktanteil des Unternehmens dann auf 0,7 Prozent – und das, obwohl der neue Tesla X noch nicht einmal verkauft wird.
Das Urteil vom Autokenner Dudenhöffer: Tesla sei zwar noch nicht «über den Berg» mit seinem an der Börse hoch bewerteten Unternehmen, das rote Zahlen schreibt, aber die Kundennachfrage im neutralen Testmarkt Schweiz sei beeindruckend. «Tesla schlägt alle – deshalb wollen alle jetzt Tesla-Imitate bauen.» Der Newcomer sei aber nicht die einzige Bedrohung für die konventionellen Autobauer: Auch Google und Apple mischten im Markt für Elektroautos mit – und würden mit Tesla zum Benchmark für die gesamte Industrie.
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Neue Elektrofahrzeuge:Audi hat im Herbst einen SUV vorgestellt, der es mit Tesla aufnehmen soll: Der Quattro E-tron fährt rein elektrisch und hat bei 435 PS eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern. 2018 soll das Fahrzeug auf die Strasse kommen.RMSAm Autosalon in Genf zeigt Porsche den neuen Panamera S-E Hybrid. Rein elektrisch hat dieser allerdings nur eine Reichweite von 36 Kilometern. Er hat eine Höchstgeschwindigkeit von 270 Kilometern pro Stunde, unter Strom fährt er 135 Kilometer pro Stunde schnell.RMSDen kompakten Chevrolet Bolt bringt General Motors noch in diesem Jahr auf den Markt. Er fährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 145 Kilometern pro Stunde bei einer Reichweite von 320 Kilometern. Konzerntochter Opel...RMS...hat den Ampera-e präsentiert. Er soll eine grössere Reichweite haben als sein Vorgänger und 2017 auf den Markt kommen.RMSDer Tesla S ist der Vorzeige-Flitzer, der als erster Elektrosportwagen breitere Akzeptanz gefunden hat. In der Schweiz ist er der meistverkaufte Oberklassewagen.RMSDas neue Modell - Tesla X – gibt es noch nicht zu kaufen. Es ist am Autosalon Genf das erste Mal in Europa zu sehen.RMSOb es das Nachfolgemodell mit den markanten Flügeltüren mit dem Vorgänger aufnehmen, muss sich noch zeigen.Bilder: Keystone/Mathias OhanianRMS