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Studie

Eigentumswohnungen: Darum steigen die Preise

Schweizweit werden Eigentumswohnungen teurer. Nur am Genfersee sinken die Preise - eine Konstellation, die Erinnerungen an die Immobilienmarktkrise der 90er Jahre weckt. Was Experten dazu sagen.

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Eigentumswohnungen: Die Nachfrage hat leicht zugenommen.Β Β Keystone RMS

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Entgegen den Prognosen steigen die Preise fΓΌr Eigentumswohnungen weiter. Grund dafΓΌr ist vor allem, dass professionelle Bauherren schneller als erwartet Projekte gestoppt haben. Das heisst jedoch nicht, dass der Bauboom ungebremst weitergehen wird.
WΓΌest & Partner war sich im letzten Herbst sicher: Das stete AufwΓ€rts der Preise am Wohnungsmarkt hat 2016 ein Ende. Konkret prognostizierte das Beratungsunternehmen, dass die Preise fΓΌr Eigentumswohnungen im laufenden Jahr um 0,6 Prozent fallen, Mieten von angebotenen Wohnungen sollten sich um 0,3 Prozent reduzieren.

Um 1 Prozent verschΓ€tzt

Drei Monate spΓ€ter sieht sich WΓΌest & Partner zur Korrektur bei den Eigentumswohnungen gezwungen. Die neue Prognose lautete auf ein Plus von 0,4 Prozent, was mit dem laut WΓΌest & Partner ΓΌberraschenden Preiswachstum von 1,6 Prozent im vergangene Jahr begrΓΌndet wird. Zwar liege dieser Wert klar unter den Wachstumsraten der vergangenen Jahre, heisst es in dem am Dienstag publizierten Immo-Monitoring. Doch entgegen den Erwartungen hΓ€tten auch 2016 die angebotenen Wohnungen relativ problemlos Abnehmer gefunden.
GrΓΌnde dafΓΌr sieht das Beratungsunternehmen sowohl auf der Angebots wie auf der Nachfrageseite. So hΓ€tten einerseits professionelle Bauherren schneller als angenommen auf die sich abzeichnenden Vermarktungsschwierigkeiten reagiert und Projekte gestoppt. Damit seien auch weniger Eigentumswohnungen auf den Markt gekommen, was die starke Angebotsausdehnung aus dem Vorjahr korrigiert habe.

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Tiefe Zinsen heizen Nachfrage an

Andererseits habe ebenfalls entgegen den Erwartungen die Nachfrage kaum nachgelassen. Im Gegenteil: Sie hat sogar noch leicht zugenommen, weil die Banken in der zweiten JahreshΓ€lfte wieder tiefere Hypothekarzinsen angeboten hatten, nachdem sie sie zuvor nach der VerschΓ€rfung der Negativzinsen noch heraufgesetzt hatten. Dabei mitgeholfen habe auch, dass sich die Meinung durchgesetzt habe, dass die Zinsen auch lΓ€ngerfristig tief bleiben werden.
Die Prognose einer Preissteigerung von lediglich 0,4 Prozent signalisiert aber auch, dass die Luft nach oben dΓΌnn geworden ist. Das Risiko eines Absturzes des Immobilienmarktes bleibt bestehen. Als auffΓ€llig bezeichnet WΓΌest & Partner, dass in der Genferseeregion die Preise rΓΌcklΓ€ufig sind. Diese Situation wecke Erinnerungen an die Situation Anfang der 90er Jahre. Nachdem die Preise in der Romandie ins Rutschen geraten waren, schlitterte die Schweiz in eine schwere Immobilienmarktkrise.

Entwarnung der Experten

Als Vorbote eines Immobiliencrashs sieht WΓΌest & Partner die aktuelle Entwicklung dennoch nicht. Es sei zwar nicht auszuschliessen, dass nach den PreisrΓΌckgΓ€ngen rund um den Genfersee jetzt auch schweizweit die Preise unter Druck geraten kΓΆnnten. Wenn ΓΌberhaupt, seien jedoch nur moderate Korrekturen zu erwarten, weil die aktuelle Situation nicht mit derjenigen der 90er-Jahren zu vergleichen sei.

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Im Gegensatz zu damals sei die Preiskorrektur im Genferseegebiet heute auf lokale Übertreibungen zurückzuführen. Zudem hÀtten gesetzliche Vorgaben und Fârderprogramme des Bundes auf die Immobilienpreise gedrückt. Vor allem aber habe die Schweizerische Nationalbank (SNB) Anfang der 90er-Jahre die Zinsen markant erhâht, um die damals hohe Inflation einzudÀmmen. Im Gegensatz dazu sei die Teuerung zurzeit auf einem Rekordtief.

ZinserhΓΆhung kΓΆnnte Preise in Bewegung setzen

Aber genau das kΓΆnnte sich auch jetzt sehr schnell Γ€ndern, worauf auch WΓΌest & Partner hinweist. Sollte die Teuerung stark ansteigen und die SNB darauf ebenso deutlich die Zinsen anheben, seien deutliche Preisverwerfungen am Immobilienmarkt mΓΆglich, heisst es im Bericht. Das Genferseegebiet kann demnach hΓΆchstens Teil einer Entwicklung sein, AuslΓΆser einer schweizweiten Immobilienkrise dagegen ist die Region nicht.
(sda/jfr)
Wie lange ZΓΌrcher im Vergleich zu Bewohnern anderer GrossstΓ€dte fΓΌr eine Wohnung arbeiten mΓΌssen, hat der Β«Real Estate Bubble IndexΒ» der UBS im Herbst 2015 berechnet:
Als Teil des Β«Real Estate Bubble IndexΒ» hat die UBS im Herbst 2015 berechnet, wie lange ein gelernter Angestellter aus dem Dienstleitungssektor in 15 StΓ€dten arbeiten muss, bis er sich eine gutgelegene, 60 Quadratmeter grosse Wohnung kaufen kann.
In der nordamerikanischen Grossstadt Chicago sind Wohnungen erstaunlich erschwinglich. Ein gelernter Arbeiter aus dem Dienstleitungssektor kann sich eine 60-Quadratmeter-Wohnung schon nach 2,27 Jahren leisten.
Etwas lΓ€nger – etwa dreieinhalb Jahre – muss ein Angestellter in Boston fΓΌr eine solche Wohnung arbeiten.Tim Sackton/CC/flickr
Skyline Frankfurt
Etwas lΓ€nger geht es in ZΓΌrich. Erst nach 5,79 Jahren ist ein Wohnungskauf mΓΆglich.
Im kalifornischen San Francisco sind fΓΌr einen Wohnungskauf 5,92 Jahre Arbeit nΓΆtig.
Im Vergleich zu ZΓΌrich dauert es in Genf 10 Monate lΓ€nger – also 6,61 Jahre.
7,16 Jahre muss ein Angestellter arbeiten, bevor er in Amsterdam eine 60-Quadratmeter-Wohnung erwerben kann.
In Sydney dauert es 7 Jahre und 8 Monate.
Im kanadischen Vancouver dauert es bis zum mΓΆglichen Wohnungserwerb durchschnittlich 8,75 Jahre.
Tokio knackt bereits die 10-Jahr-Marke. Genau 10,23 Jahre dauert es dort, bis sich Angestellte nach einer Wohnung umschauen kΓΆnnen.
Leicht lΓ€nger mΓΌssen sich Bewohner mit 10,62 Jahren in New York gedulden.
Durchhaltewillen braucht es in Singapur. Angestellte mΓΌssen durchschnittlich 13 Jahre arbeiten, bis ein Wohnungskauf erschwinglich wird.
Am drittmeisten Arbeit ist in Paris gefragt, nΓ€mlich 13,32 Jahren.
Mit London ist noch eine zweite europΓ€ische Stadt ganz weit oben klassiert. 14,08 Jahre Arbeit sind dort nΓΆtig.
Einsame Spitze ist aber Hongkong. Einen Viertel ihres Leben – 21,22 Jahre – mΓΌssen Angestellte bis zum Wohnungskauf schuften.Bilder: Keystone
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