Erdbeeren oder Melonen sind für Japaner mehr als nur geschmackvolle Früchte. Für perfekte Exemplare sind Käufer bereit, viel Geld auszugeben. Kein Wunder, treibt auch die Produktion sonderbare Blüten.
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In Japan hat ein Geschäftsmann für einen Blauflossen-Thunfisch (oder Roter Thun) bei einer traditionellen Neujahrsauktion 647'000 Franken bezahlt. Blauflossen-Thunfische gehören mit Höchstpreisen bis 6500 Franken pro Kilo zu den teuersten Lebensmitteln der Welt. Inzwischen sind die wertvollen Fische wegen Überfischung vom Aussterben bedroht.Für welche Lebensmittel noch Rekordpreise fällig werden:RMSTrotz des stolzen Preises ist der Thunfisch bei weitem nicht das teuerste Lebensmittel. Diese Auszeichnung beansprucht ein anderes Fischprodukt: Der Weissstör-Kaviar* kann pro Kilo bis 70'500 Franken kosten. Die gesuchten gelb-weissen Eier werden von Stören produziert, die unter einer Pigmentstörung leiden und deshalb weiss sind. Mit nur etwa zwölf Kilo ist die Jahresproduktion äusserst klein.* Bild: Kaviar vom Sibirischen Stör aus der SchweizRMSDer Panda-Tee wird für 68'000 Franken pro Kilo gehandelt. Erstmals wurde dieser äusserst exklusive Tee 2012 angeboten. Das Spezielle daran: Der Tee wird mit Panda-Kot gedüngt. Angeblich macht das den Tee sehr gesund, da Pandas sich ausschliesslich von Bambus ernähren.RMSWeisser Trüffel ist im Vergleich zum Tee schon einiges günstiger, 16'000 Franken pro Kilo sind dafür fällig.RMS15'000 Franken kostet das Kilo Safran. Grund dafür ist die aufwändige Herstellung, denn für ein Kilo müssen 200'000 Blüten manuell geerntet werden. Und die Ernte ist erst der Anfang der zeit- und arbeitsintensiven Produktion des teuersten Gewürzes der Welt.RMSDie Yubari-Honigmelone ist die teuerste Frucht unter den Delikatessen (3200 Franken pro Kilo). Die Melone kommt aus der japanischen Stadt Yubari nahe Sapporo. Eine weitere japanische Melone, die Densuke-Wassermelone, wird für 750 Franken pro Kilo gehandelt. Die schwarzen Melonen sind wegen ihrer Süsse beliebt.RMSMit den Waldpilzen Matsutake liefert Japan auch den teuersten Pilz (2200 Franken pro Kilo).RMSSchleichkatzen der Art Fleckenmusang haben entscheidenden Anteil am hohen Preis des Kopi Luwak Kaffees (1300 Franken pro Kilo). Die Tiere aus Indonesien fressen die Kaffeefrüchte und scheiden die Bohnen unverdaut aus. Im Darm sorgen Enzyme dafür, dass sich der Geschmack der Bohnen verändert.RMSKäse ist ebenfalls mit auf der Liste. Am teuersten ist der serbische Esel-Käse Pule, für ein Kilo werden fast 1000 Franken bezahlt. Elch-Feta aus Schweden ist mit 550 Franken nicht ganz so teuer.RMSAus dem Epizentrum für Delikatessen, Japan, stammt auch Fugu. Die Spezialität aus Kugelfisch kostet 550 Franken pro Kilo.RMSUnerwartet schafft es auch das Alltagslebensmittel Kartoffel auf die Liste der teuersten Lebensmittel der Welt. Die Bonnotte-Kartoffel (550 Franken pro Kilo) ist eine französische Sorte, die nur auf einer Insel an der Atlantikküste angebaut wird. Die Felder werden mit Tang gedüngt und die Erntezeit ist äusserst kurz.Bilder: Keystone/WikicommonsRMS
Japaner lieben ihr heimisches Obst. Manche Früchte erreichen dabei Preise, als würde es sich um Luxusware handeln.
Mit ernster Miene beäugt Naoto Hiraishi seine Melone. Prüfend betrachtet der Manager des Obstwarengeschäfts Senbikiya die kugelrunde Frucht von allen Seiten. «Schauen Sie, das Netz auf der Oberfläche, ist es ist vollkommen gleichmässig», erzählt der Japaner strahlend und dreht das Stück Obst vorsichtig in seinen Händen als halte er einen funkelnden Diamanten vor sich.
Mehr als nur Früchte
In gewisser Weise ist das auch ein Juwel, das er da in seinen Händen hält. Das wird auch dem Laien klar, wenn er einen Blick auf den saftigen Preis wirft: Schlappe 27'000 Yen kostet diese Melone. Das sind umgerechnet 235 Franken. Für eine einzige Melone. «Wir verkaufen die besten Melonen in Japan. Mit anderen Worten, die besten Melonen auf der Welt», sagt Hiraishi. Obst als Luxusware. In Japan ein lukratives Geschäft.
Obst ist in der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt keine Rarität. Was Hiraishi verkauft, ist nicht teure Importware, sondern wächst im eigenen Land. Es gibt Melonen in jedem gut sortierten Supermarkt zu kaufen, genauso wie Erdbeeren, Kirschen, Pfirsiche, Weintrauben und andere Fruchtsorten. Die Preise mögen zwar auch dort über dem liegen, was Europäer gewöhnt sind. Doch was Hiraishi und seine Kollegen in ihren edlen Auslagen anbieten, ist eine Klasse für sich.
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Nur das Beste wird geschenkt
Möglich macht das die ausgeprägte Geschenkkultur der Japaner. «80 Prozent unserer Kunden hier kaufen Obst als Präsent», erläutert Manager Hiraishi. Japaner lieben generell Essen und damit auch Obst. Lebensmittel sind deswegen auch Produkte, die man seinen Geschäftspartnern, Verwandten und Freunden als ein Zeichen der Wertschätzung überreicht. Entsprechend gross ist der Aufwand, den Japans Produzenten in den Anbau wie in die Verpackung investieren.
Beispiel Melone: «Normalerweise trägt eine Melonenpflanze so um die sechs Früchte. Bei unseren Melonen aber schneidet der Bauer erstmal die Hälfte ab», erklärt Hiraishi. Nach einer Weile schneidet er weitere zwei ab. Übrig bleibt die, die «am besten» heranwächst. Sie bekommt rund 100 Tage lang die ganzen Nährstoffe für sich alleine. Aber was heisst «am besten»? Ist eine Melone auch nur an einer winzigen Stelle etwas «kantig» oder «schief», ist sie gleich weniger wert. «Die Frucht muss ein schönes Netzmuster haben, schön schwer sein und eine schöne, runde Form haben», erläutert Manager Hiraishi.
Luxus-Erdbeeren in Pralinenschachteln
Andere Bauern haben sich auf Luxus-Erdbeeren spezialisiert. Bei der Firma Ichigo Co. aus der Provinz Niigata zum Beispiel kostet eine einzelne Erdbeere 1000 Yen, umgerechnet fast 9 Franken. Angebaut werden die Edel-Früchte dort in einem weltweit einmaligen Produktionsverfahren: In klinisch sauberen, hellen Hightechräumen, in denen die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und der Sauerstoff genauestens kontrolliert werden, wachsen die Erdbeeren unter LED-Licht heran. Auf diese Weise sind sie von den Wetterbedingungen unabhängig. Zudem gelangen hier keine Schädlinge hin, weswegen der Bauer keinerlei Chemie verwenden muss.
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Ichigo Co. vertreibt seine handverlesenen luxuriösen Erdbeeren über das Internet wie Pralines in Verpackungen zu jeweils sechs Stück. Kostenpunkt: 6000 Yen. Auch bei Senbikiya in Tokio werden die Früchte in aufwendigen Schachteln oder Holzkisten dargeboten. Seit 183 Jahren existiert das Unternehmen bereits. Damals, im Jahre 1834, sei das Obst nichts besonderes gewesen, erzählt Manager Hiraishi. Erst die Frau des zweiten Besitzers, Tochter eines Händlers von Katsuobushi (getrocknetem und geriebenem Bonito), habe damit begonnen, auserlesenes Obst als edles Produkt zu verkaufen, erzählt er.
Fruchtiges Marketing
Das Hauptgeschäft des Unternehmens befindet sich noch heute in Tokio an bester Adresse, umgeben von lauter Grossbanken. Über die Hälfte der Käufer seien Geschäftskunden, erklärt der Manager und legt die kostbare Melone vorsichtig ins Regal zurück. Wenige Tage zuvor war auf der nördlichsten Hauptinsel Hokkaido bei der ersten Auktion der diesjährigen Erntesaison ein Paar der berühmten Yubari-Melonen zum Preis von 1,5 Millionen Yen (rund 13'000 Franken) verkauft worden.
Der Händler kündigte an, die von ihm ersteigerten Melonen an Kinder einer Grundschule zu verschenken. Die Investition lohnt sich trotzdem für ihn. Denn das Ganze ist eine geschickte PR-Aktion, über die die Medien denn auch alljährlich berichten. In keinem anderen Land der Welt bekommt Obst eine derartige mediale Aufmerksamkeit. Ein Marketing-Trick, der in Japan auch beim Thunfisch angewendet wird.