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Technologie

Die neuen Stars der Autobranche heissen Nvidia oder Intel Mobileye

Die wichtigsten Innovationen der Automobilbranche sind nicht mehr neue Motoren – sondern Chips und Computer. Das zeigt ein serienreifer Nvidia-Computer, der alle SteuergerΓ€te eines Autos ersetzen kann.

Stefan Beutelsbacher,

Benedikt Fuest

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Intel Mobileye: Ein Automodell zeigt auf der CES die Sensortechnologie. Keystone

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Als Jensen Huang, Chef des Grafikchipherstellers Nvidia, die BΓΌhne im MGM-Hotel in Las Vegas betritt, zeigt er die vielleicht wichtigste Innovation der Autowelt seit 20 Jahren: den Β«Drive XavierΒ», eine Art Supercomputer fΓΌr selbstfahrende Wagen. Jensen prΓ€sentiert keine Roadmap und keinen Prototypen, er hΓ€lt das fertige Produkt in die Kameras. Eine serienreife Platine mit Chips, nicht grΓΆsser als ein Aktenkoffer.
Die kalifornische Chipschmiede investierte in den vergangenen Jahren zwei Milliarden Dollar in die Entwicklung von Xavier – und katapultiert sich mit dem System ins Zentrum der Revolution in der Automobilbranche. Der einstige Spiele-Hardwarehersteller ist der erste Zulieferer, der ein komplettes System aus Computerchips und Software zur Steuerung eines selbstfahrenden Autos serienreif hat. Die ersten Xavier-Computer will Nvidia bereits im ersten Quartal 2018 ausliefern.

Nividia ist ein begehrter Partner

Wenig spΓ€ter tritt Volkswagen-Markenchef Herbert Diess zu Huang auf die BΓΌhne und gratuliert ihm zur Entwicklung von Xavier. Volkswagen und Audi sind die ersten Hersteller, die ihre Autos kΓΌnftig von Nvidias Supercomputer, verbaut im Kofferraum, steuern lassen. Auch der Zulieferer ZF, der Fahrdienst Uber und viele weitere Autohersteller kΓΌndigen in Las Vegas die Zusammenarbeit mit Nvidia an.

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Jensen Huang
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Dass Nvidia und Volkswagen die Xavier-Plattform in Las Vegas auf der Elektronikmesse CES und nicht eine Woche spΓ€ter auf der Automesse NAIAS in Detroit zeigen, ist kein Zufall. Die wichtigsten Innovationen der Automobilbranche sind nicht mehr neue Motoren oder Modelle – sondern Chips, Sensoren und Computer.

Elektronik wird immer wichtiger

Die neuen Stars der Autobranche heissen Nvidia, Intel Mobileye oder Harman. Der klassische Zulieferer Delphi hat sich sogar aufgespalten und umbenannt, um das neue GeschΓ€ft mit den Auto-Computern unter dem Namen Aptiv an die BΓΆrse zu bringen. Β«Die WertschΓΆpfung in der gesamten Branche verschiebt sich massiv, weg von mechanischen Komponenten und hin zur ElektronikΒ», sagt Aptiv-Chef Kevin Clark in Las Vegas.
Β«Klassische Autos haben fΓΌr jede Funktion ein SteuergerΓ€t von unterschiedlichen Zulieferern – die dynamische Fahrzeugsteuerung mit ESP kommt von einem Zulieferer, das Hifi-System vom nΓ€chsten, die Assistenzsysteme von einem drittenΒ», erklΓ€rt Danny Shapiro, Nvidias Senior Director Automotive. Β«Die Aufgabe der Autohersteller war immer die Integration aller Komponenten in ein fertiges Fahrzeug, doch diese vertikale WertschΓΆpfungskette Γ€ndert sich grade radikal: Ab sofort werden immer mehr dieser Funktionen in Software-Apps ausgefΓΌhrt, die auf einem einzigen Supercomputer im Autolaufen.Β»

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Beliebte Apps fΓΌrs Auto

Wer den liefern kann, der hat die Chance, zum Apple oder Microsoft der Autobranche aufzusteigen. Die Chip-Riesen Intel und Samsung erkannten wie Nvidia diese MΓΆglichkeit und kauften 2017 mit Mobileye und Harman zwei MarktfΓΌhrer im Bereich Autoelektronik. Sie alle suchen nun Partner unter den klassischen Autoherstellern, um ihre Supercomputer auf vier RΓ€der zu bringen.
Wie sehr die klassischen Hersteller diese Revolution Nvidia, Intel und Co ΓΌberlassen, wird eine Woche spΓ€ter deutlich, 3300 Kilometer von Las Vegas entfernt: In Detroit, auf der Automesse NAIAS, wirkt alles, wie es frΓΌher einmal war. Wie zu der Zeit, als selbstfahrende Autos nichts waren als kΓΌhne Fantasien und sich die Menschen auch weniger Gedanken ΓΌber Klimaschutz machten. Ein Star der Messe in diesem Jahr ist der Silverado, den die Marke Chevrolet gerade auf den Markt gebracht hat. Ein Pick-up, mehr als fΓΌnf Meter lang, voll beladen rund sechs Tonnen schwer. Nur wenige Schritte davon entfernt zeigt Ford den F-150, das meistverkaufte Auto Amerikas. Er ist sogar noch ein wenig grΓΆsser als der Chevy, noch bulliger.
Chevrolet Silverado
Keystone
Chevrolet Silverado
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Detroit setzt auf AltbewΓ€hrtes

Der Hype, der derzeit um elektrische, selbstfahrende, vernetzte Pkw herrscht, spielt bei der NAIAS keine allzu grosse Rolle. In der alten Autostadt Detroit ist mehr Gegenwart als Zukunft zu betrachten. All die glamourΓΆsen AnkΓΌndigungen grosser Firmen, kleiner Start-ups und visionΓ€rer Unternehmer wie Jensen Huang tΓ€uschen ΓΌber die RealitΓ€t auf AmerikasStrassen hinweg: Pick-ups dominieren das Bild – noch immer.
Ford F-150
The Asahi Shimbun/Getty Images
Ford F-150
The Asahi Shimbun/Getty Images
Die Autowelt, so scheint es, ist zweigeteilt. In Detroit, die Dicken und Durstigen. All die Berge aus Blech, blank poliert und angestrahlt. In Las Vegas hingegen zΓ€hlt nicht die Leistung des Motors, sondern die Rechenpower der eingebauten Computer. Ob es tatsΓ€chlich zum grossen Showdown zwischen Autoherstellern und Tech-Firmen kommt und wer dann den Kampf gewinnen wΓΌrde, das kann heute natΓΌrlich niemand sagen. Aber es gibt Hinweise, dass die traditionellen Unternehmen unter Druck geraten.

Autobauer bleiben Messe fern

So scheint die Messe von Detroit im Niedergang begriffen, sie gilt als protzig, als Show fΓΌr alte weisse MΓ€nner. Die CES, Treffpunkt smarter Unternehmer, betrachten viele in der Autoindustrie inzwischen als die wichtigere Veranstaltung. Viele Autobauer sind gar nicht erst nach Detroit gekommen. Mazda, Porsche, Jaguar, Landrover, Mini, Aston Martin, Bentley, Ferrari, Maserati, McLaren, Lamborghini, Rolls-Royce und Tesla. Auch viele Autozulieferer, die auf der CES waren, fehlten auf der NAIAS.

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Das Unternehmen Continental etwa, das in Las Vegas Sensoren fΓΌr FingerabdrΓΌcke und Gesichtserkennung vorstellte. Die Firma Visteon, die ein neuartiges Head-Up-Display gebaut hat. Die alte und die neue Welt des Autofahrens, so scheint es, finden noch nicht richtig zueinander. Die Zweiteilung kΓΆnnte ein Symbol dafΓΌr sein, wie die Autowelt der Zukunft aussieht: Die Fahrzeuge von Daimler, Volkswagen, Ford kΓΆnnten bald nicht mehr sein als eine HΓΌlle fΓΌr die Technologie aus dem Silicon Valley.

Autokonzerne wollen Steuer in der Hand behalten

Verlieren die Autobauer in naher Zukunft die Kontrolle ΓΌber diese Technologie, die ihre Fahrzeuge steuert, dann kΓΆnnten sie zu ausfΓΌhrenden Partnern von Firmen wie Nvidia oder Google werden – Γ€hnlich wie Foxconn, die chinesische Firma, die fΓΌr Apple die iPhones baut.
Das wollen die Autohersteller aber unbedingt verhindern. In einem Hinterzimmer der Messehalle in Detroit sitzt Dieter Zetsche, er trΓ€gt ein dunkles Jackett, die Krawatte hat er abgelegt. Β«Wir werden darauf achten, dass wir von den Tech-Firmen keine Blackbox hingestellt bekommenΒ», sagt der Daimler-Chef. Β«Wir wollen die Technologie verstehen, mitentwickeln und kontrollieren.Β» FΓΌr Daimler sei es daher wichtig, nicht parallel zu den Tech-Firmen zu arbeiten, sondern gemeinsam, in Partnerschaften.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei der Β«WeltΒ» unter dem Titel: Β«Dieser Supercomputer verΓ€ndert den AutomobilbauΒ».

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