Ein knallblauer Himmel spannt sich normalerweise in dieser Region in SΓΌdaustralien ΓΌber satte grΓΌne Reben, doch an diesem Tag im Oktober 2016 ist alles anders: SturmbΓΆen mit peitschendem Regen fegen ΓΌber das Land, garstig und kalt.
Vielleicht hat das abweisende Wetter indes auch einen tieferen Grund: Penfolds, die berΓΌhmteste Weinkellerei Australiens, hat in Magill Estate, dem Ort, wo 1844 der englische Arzt Christopher Rawson Penfold zusammen mit seiner Frau Mary das Weingut grΓΌndete, zur PrΓ€sentation der Penfolds Collection 2016 geladen. Und da entstrΓΆmt den bereitstehenden GlΓ€sern so viel sonnengespeicherte WΓ€rme, dass das Hundewetter draussen schnell vergessen geht.
Australien ist fΓΌr Winzer ein Traum, eine unerschΓΆpfliche Quelle hochwertiger Trauben. Die schΓΆnsten Weine sind Verschnitte aus verschiedenen Anbaugebieten und Rebsorten. Und einer der Besten, was das Verschneiden anbelangt, ist Peter Gago, der Meister-Blender von Penfolds.
Genau gerechnet
Gago ist seit 2002 Chief Winemaker von Penfolds, der vierte in der Geschichte des traditionsreichen Unternehmens. Er geht auf die sechzig zu, wirkt aber wesentlich jΓΌnger. Vor seiner Karriere bei Pen-β¨folds war Peter Gago Mathematik- und Chemielehrer. Β«Die australische Weinindustrie orientiert sich stark am KonsumentenΒ», sagt er. Β«Wir sind in der Lage, alle BedΓΌrfnisse vom fruchtbetonten, leicht zugΓ€nglichen, gΓΌnstigen Tischwein bis zum anspruchsvollen, reifebedΓΌrftigen, hochklassigen Premium-GewΓ€chs zu befriedigen.Β» Dazu mΓΌssen natΓΌrlich genΓΌgend Trauben zur VerfΓΌgung stehen.
Β«In Australien mit seiner AnbauflΓ€che von 170β000 Hektaren kein Problem.Β» DarΓΌber hinaus wird der Rebbau nirgends wissenschaftlicher und mechanisierter betrieben als down under, nirgends wird besser und genauer gerechnet, und nirgends wird im Keller nach ausgeklΓΌgelteren Rezepten gearbeitet.
Mit viel HolzwΓΌrze
Dazu passt: Das australische Weingesetz kennt wenig EinschrΓ€nkungen. Es darf gepflanzt werden, wo Land ist und wo BewΓ€sserungsmΓΆglichkeiten bestehen. Die Winemakers dΓΌrfen zu vielerlei Hilfsmitteln greifen und beherrschen die Kellertricks. Penfolds hat das australische Prinzip verinnerlicht und es mit ureigenem, unverwechselbarem Stil angereichert, der sortentypische, reife Frucht mit dichter Struktur und einer gehΓΆrigen Portion HolzwΓΌrze verbindet. Gago startet seine Degustation mit dem fabelhaften Yattarna Chardonnay 2014, dessen Trauben mehrheitlich auf der kΓΌhlen Insel Tasmanien, sΓΌdlich des australischen Kontinents, wachsen. Der finessenreiche, mineralisch grundierte Wein zΓ€hlt zur Topliga der Chardonnays.
Ein Hinweis auf die Lagerung
Dann wechselt der Meister zu den roten Bin-Weinen, mehrheitlich Vertreter des kΓΌhleren Jahrgangs 2014. Bei einem jΓ€hrlichen Ausstoss von 24 Millionen Flaschen umfassen diese nur einen Bruchteil der Produktion von Penfolds. Die Bezeichnung Β«BinΒ» ist kein definiertes QualitΓ€tslabel, sondern der arbeitstechnische Begriff fΓΌr die Stelle im Keller, wo die entsprechenden Flaschen lagern. Bin 28 ist ein sΓΌdaustralischer Shiraz, mit seiner warmen WΓΌrze und Saftigkeit ein Prototyp der beliebten Sorte. Bin 389 besteht aus Cabernet Sauvignon und Shiraz. Gago bezeichnet ihn mit seiner Eukalyptusfrucht und den Noten reifer schwarzer Beeren als den Β«australischsten Penfolds-WeinΒ». HabituΓ©s nennen ihn auch Β«Baby GrangeΒ», da er in FΓ€sschen aus amerikanischer Eiche lagert, die zuvor den grossen Grange in sich geborgen haben. Bin 407 ist ein reinsortiger Cabernet Sauvignon, frisch und pfeffrig und sicher vor dem Bin 389 zu trinken.
Furioses Finale
Die Topweine beanspruchen die ganze Selektionskunst von Peter Gago und seiner besten Winemakers. Aus Hunderten von Mustern wird im Degustationslabor die Mixtur komponiert, die zum St Henri Shiraz, zum Magill Estate Shiraz, zum RWT Shiraz, zum Bin 707, dem legendΓ€ren Cabernet Sauvignon, oder zum Grange fΓΌhrt. Der St Henri reift in grossen alten FΓ€ssern, was ihm einen seriΓΆsen, altmodischen Touch verleiht. Gago gibt dem 2013er Jahrgang ein Reifepotenzial von vier Jahrzehnten. Der RWT dagegen steht fΓΌr die moderne Variante, wird in grΓΆsstenteils neuen franzΓΆsischen Barriques ausgebaut. Er besticht durch seine Eleganz. Gago lobt die Β«Trinkigkeit, Geschmeidigkeit und LagerfΓ€higkeitΒ».
Zwischen typisch und ungewΓΆhnlich
Das furiose Finale bestreitet der Grange. Peter Gagos legendΓ€rer VorgΓ€nger, Max Schubert, hat diese Shiraz-Ikone, die zu Australien gehΓΆrt wie der Ayers Rock, in den 1950er Jahren gegen den harten Widerstand seiner Vorgesetzten entworfen. Gago ist der verlΓ€sslichste Sachwalter dieses Weines. Er perfektioniert den typischen Grange-Stil von Kraft, Struktur und Eleganz, den unverwechselbaren Charakter jenes eichenbetonten, reifebedΓΌrftigen und gewinnend alternden GewΓ€chses, das mit seiner Konzentration so australisch und mit der Absenz jeder sΓΌsslichen Schwere wiederum so unaustralisch wirkt. Mit dem 2012er Grange ist ihm erneut ein denkwΓΌrdiger Wein gelungen.
Die gesamte Palette der Penfolds-Spitzenweine ist beim Generalimporteur Rutishauser in Scherzingen erhΓ€ltlich. Die Preise bewegen sich zwischen 29.90 Franken (Bin 28) und 550 Franken (Grange), www.rutishauser.com.