Die Schweiz ist unbestritten ein Uhrenland und Β«Swiss MadeΒ» steht seit Dekaden fΓΌr QualitΓ€t und Luxus. Der Schweizer Uhrenbranche geht es soweit ganz gut, wie am diesjΓ€hrigen Salon International de la Haute Horlogerie SIHH zu hΓΆren war.
Die Schweizer Marken geniessen weltweit einen einmaligen Ruf, auch wenn nur rund 2,5 Prozent aller weltweit produzierten Uhren aus der Schweiz stammen. Trotzdem fliesst jeder zweite Franken, der auf der Welt fΓΌr eine Uhr ausgegeben wird, in die Schweiz.
Ist eine Smartwatch eine Uhr?
Der von den Schweizer Fabrikanten dominierte Markt hat nun einen Konkurrenten erhalten, dessen KerntΓ€tigkeit nicht das UhrengeschΓ€ft, sondern die Herstellung von Smartphones und Tablets ist. Als MarktfΓΌhrer Apple die Apple Watch prΓ€sentierte, kΓΌndigten Schweizer Uhrenhersteller wie Swatch und Tag Heuer ebenfalls neue Uhren an: Im Januar prΓ€sentierte Tag Heuer am Uhrensalon in Genf die teuerste Smartwatch der Welt. Die Swatch-Gruppe hingegen insistiert, dass ihre Uhren sich von Smartwatches unterscheiden. Β«Wir fΓΌhren keine smarte Uhren, die energiehungrige Betriebssysteme wie iOS oder Android benΓΆtigen, sondern vielmehr Uhren, die zum Beispiel die NFC-Technologie anbietenΒ», sagt ein Mediensprecher auf Anfrage. Zahlen nennt der Konzern nicht.
Mehr Uhren verkauft als alle Schweizer Hersteller zusammen
Apple ist umumstritten MarktfΓΌhrer bei Smartwatches. Aber mit wie viel Umsatz ist nicht bekannt. Apple verΓΆffentlicht keine offiziellen Verkaufszahlen bei dem Uhrensegment. Deshalb versuchen Analysten zu berechnen, wie viel Apple Watches ΓΌber den Ladentisch gingen. So etwa auch der Β«Industrie-AnalystΒ» Canalys mit BΓΌros in Singapur und dem Silicon Valley. In einem kΓΌrzlich verΓΆffenlichten Bericht schreibt Canalys, Apple habe 2017 rund 18 Millionen Apple Watches abgesetzt. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Ein spannnedes Detail: Im letzten Quartal 2017, also im WeihnachtsgeschΓ€ft, hat Apple am meisten zugelegt β um ΓΌber 30 Prozent. Rund acht Millionen StΓΌck habe der Konzern aus dem Silicon Valley in vierten Quartal 2017 verkauft. Die Startschwierigkeiten der AppleWatch sind anscheinend behoben.
Wenn diese SchΓ€tzungen stimmen, hat Apple zumindest im letzten Quartal des Jahres mehr Uhren als die gesamte Schweizer Uhrenbranche im gleichen Zeitraum verkauft. Laut dem Β«Verband der Schweizerischen UhrenindustrieΒ» waren es im vierten Quartal 2017 rund 6,5 Millionen StΓΌck.
Schweizer Uhrenhersteller weiter vorne
Trotzdem gilt der Vergleich nur fΓΌr das Weihnachtsquartal. Betrachtet man nΓ€mlich das gesamte, vergangene Jahr, geben die Schweizer Uhrenfabrikanten weiterhin klar den Takt an: Sie haben 2017 rund 25 Millionen Uhren verkauft, Apple laut Canalys rund 18 Millionen. Auch wenn sich Apple mengenmΓ€ssig den VerkΓ€ufen der Schweizer Uhrenbranche nΓ€hert, ist der Vergleich differenziert zu betrachten. Entscheidend ist der Umsatz und nicht die StΓΌckzahl. Die Schweizer Uhrenbranche hat 2017 rund 20 Milliarden Franken Umsatz gemacht, wΓ€hrend Apple im Segment Β«Andere ProdukteΒ» rund 15 Milliarden Dollar erwirtschaftet hat. Dort sind aber neben den AppleWatches auch einige andere Apple-Produkte wie etwa KopfhΓΆrer aufgefΓΌhrt.
Apple Watch tritt deshalb nicht mit der gesamten Schweizer Uhrenbranche in Konkurrenz, sondern mit einem bestimmten, eher niedrigen Preissegment. Der durschschnittliche Exportpreis einer Schweizer Uhr betrΓ€gt ΓΌber 700 Franken, eine Apple Watch der neusten Generation kostet rund 450 Franken. Deshalb ist Apple in punkto Umsatz noch weit entfernt von den hiesigen Uhrenherstellern.
Auch Schweizer Hersteller halten sich bedeckt
Trotzdem kann die SchΓ€tzung von Canalys durchaus als Wink an die Schweizer Uhrenindustrie verstanden werden, die nach wie vor kein Rezept gefunden hat, um Apple die Spitzenposition bei Smartwatches streitig zu machen. Wie es zurzeit in Punkto Smartwatches bei Schweizern Herstellern aussieht, ist schwer auszumachen. Sie fahren dieselbe Strategie wie Apple und geben sich bedeckt. Β«Wir geben prinzipiell keine Zahlen zu einzelnen Produkten heraus, genau wie andere Marken β beispielsweise Apple β auch nichtΒ», sagt Jean-Claude Biver, CEO von Tag Heuer zur Β«HandelszeitungΒ». Er hatte in einem Interview mit der Β«HandelszeitungΒ» Apple herausgefordert. Seit dem Start der Tag Heuer Β«ConnectedΒ» im Jahre 2015 hat der Hersteller Anfang des vergangenen Jahres eine erste Bilanz gezogen. Bis dahin seien 56'000 Smartwachtes beim Uhrenunternehmen aus La Chaux-de-Fonds verkauft worden.