Abo
E-Commerce

Der Kampf gegen die Retouren im Onlinehandel

Dem grenzenlosen Bestellen von Klamotten im Internet soll ein Ende gesetzt werden. Zalando und Co. greifen durch – mit High-Tech.

David Torcasso

Asos
Hat auch in der Schweiz Kunden: Der britische Fashion-OnlinehΓ€ndler Asos. Β© 2018 SOPA Images

Werbung

OnlinehΓ€ndler haben genug von der Flut an Retouren: Der britische OnlinehΓ€ndler Asos hat diese Woche strengere RΓΌckgaberichtlinien fΓΌr seine Kunden eingefΓΌhrt. Unter anderem erhalten sie bei RΓΌcksendungen der Kleider statt einer RΓΌckerstattung einen Gutschein.
Auch der zweitgrΓΆsste ModehΓ€ndler der Welt – H&M β€“ will fΓΌr gewisse Kunden wieder Versandkosten bei Onlinebestellungen einfΓΌhren. Und Zalando hat in vier seiner 17 operativen LΓ€ndern in Europa eine Mindestbestellmenge eingefΓΌhrt.
Asos, H&M und Zalando haben in der Schweiz hunderttausende Kunden. Zalando ist der grΓΆsste OnlinehΓ€ndler hierzulande. Mit diesen Massnahmen mΓΆchten sie vor allem auch gegen Β«Serial ReturnerΒ» vorgehen. So werden Online-Shopper genannt, die Artikel zu oft zurΓΌcksenden.
Neben Regeln soll aber auch Technologie helfen. Damit analysieren und beobachten sie die Kunden genauestens und versuchen Muster bei den Bestellungen zu erkennen. Erkennbar wird insbesondere, wer wie oft bestellt. Und ob es sich um eine bewusst in Kauf genommene Retouren handelt.

Kunden werden gesperrt

Einer der fΓΌhrenden Anbieter in diesem Bereich ist das schwedische Startup inRiver aus MalmΓΆ. Es analysiert die Β«ReisenΒ» und kann die VetriebskanΓ€le und das Verhalten der Kunden genaustens analysieren – dafΓΌr greift es auf KΓΌnstliche Intelligenz zurΓΌck.

Partner-Inhalte

Β«So sind kostenlose Retouren nur noch unter bestimmten UmstΓ€nden mΓΆglich, wΓ€hrend Kundenkonten mit auffΓ€lligem Bestellverhalten gesperrt werdenΒ», sagt Steve Gershik von InRiver. UrsprΓΌnglich seien Retouren dazu gedacht gewesen, Kunden vor FehlkΓ€ufen zu schΓΌtzen, sagt er. Darum gehe es heute aber nicht mehr: Β«Es gibt immer mehr sogenannte Serial Returners, also Verbraucher, die viele Artikel bestellen und dann einen Grossteil davon retournieren.Β»
Das Problem mit den Retouren zeigt sich zunehmend von der hΓ€sslichen Seite: VerstΓΆpfte City-Strassen wegen all den Lieferwagen, Umweltverschmutzung und vor allem immense Kosten fΓΌr die OnlinehΓ€ndler.
Bei Amazon kam im vergangenen Jahr ein Skandal an die Γ–ffentlichkeit: Der Onlineriese vernichtet retournierte Ware. Β«Deshalb muss die Verringerung des Retourenvolumens fΓΌr Online-HΓ€ndler ganz oben auf der PrioritΓ€tenliste stehenΒ», sagt Gershik.

Bei Galaxus noch kein Thema

Asos ist aber nicht alleine beim Einsatz von KΓΌnstlicher Intelligenz im Onlinehandel. Auch die Plattform True Fit vereint detaillierte Daten von ΓΌber 100 Millionen registrierte Nutzer, die zusammen mehr als 100 Milliarden Euro an Transaktionen auf ΓΌber 250 Online Shops umgesetzt haben. Β«Viele OnlinehΓ€ndler wissen nicht, was sie mit all den Daten anfangen sollen.Β» Oft wΓΌrden sie auch selbst Daten sammeln, Β«dabei macht eine kollektive Datensammlung mehr Sinn, weil sie dann erst richtig wirksam istΒ», sagt Meyden.

Werbung

Der Schweizer OnlinehΓ€ndler Galaxus will seine RΓΌckgaberichtlinien zurzeit nicht Γ€ndern, sagt Alex HΓ€mmerli von Galaxus. Er weist aber auch daraufhin: Β«Wenn wir feststellen, dass ein Kunde bzw. eine Kundin unsere RΓΌckgaberichtlinien missbraucht, suchen wir das GesprΓ€ch. Kommen wir auf keine Einigung, behalten wir uns das Recht vor, das Konto zu sperren oder die RΓΌcknahme zu verweigern.Β»

Gegen Aufpreis gibts Vorteile

Eine andere Strategie, um die immensen Kosten fΓΌr die Retouren wieder einzuholen, wΓ€hlt Zalando. Wenn der Kunde mehr mΓΆchte, muss er dafΓΌr bezahlen. Wir wollen die Services stΓ€rker auf individuelle KundenbedΓΌrfnisse zuschneidenΒ», sagt Julia Zweigle von Zalando.
Der Onlinegigant aus Berlin testet in der Schweiz zurzeit das Angebot Zalando Plus. FΓΌr Mitglieder gibt es eine Lieferung am gleichen Abend kostenlos. Normale Kunden kΓΆnnen gegen einen Aufpreis von neun Franken von dem Service profitieren.
Man versuche Retouren aber auch mit besseren Produktbeschreibungen oder einer optimalen GrΓΆssenberatung zu reduzieren, sagt Zweigle. DafΓΌr werden von Zalandoauch KI eingesetzt. KΓΌnftig sollen auch Virtual-Reality-Anwendungen kommen. Zweigle versichert: Β«Wir setzen KΓΌnstliche Intelligenz nicht gezielt ein, um unsere Kunden durch ihr Retouren-Verhalten zu benachteiligen.Β»

Werbung

Kleider fΓΌr einen Tag

Zu noch mehr Retouren fΓΌhre aber auch ein relativ neues Verhalten der Kunden, beobachtet Gershik. Sie bestellen sich online Kleider, um ihr Β«Outfit of the DayΒ» ihrer Community zu prΓ€sentieren. Das heisst, sie ziehen ein KleidungstΓΌck einige Stunden an, machen Bilder davon, die sie auf Instagram verΓΆffentlichen und schicken alle Artikel dann zurΓΌck zum Onlineshop. Β«Es wird bestellt, mit der Absicht, die Ware zurΓΌckzuschickenΒ», sagt Gershik.

Werbung