Guten Tag,
Verzweifelt suchen die grossen Beratungsunternehmen wieder gute Leute. Nicht wenige Management-Consultingfirmen wachsen im zweistelligen Prozentbereich.
Stefan O. Waldvogel
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SpΓ€testens mit dem Swissair-Desaster begann das Berater-Bashing zum normalen Ton zu gehΓΆren. Der grenzenlosen Euphorie war der bΓΆse Absturz gefolgt. Nach einer Verdoppelung des Umsatzes innerhalb von sieben Jahren mussten die Schweizer Berater 2002 im Schnitt einen RΓΌckgang von gut 17 Prozent hinnehmen. Und im Jahr darauf ging das einst so lukrative GeschΓ€ft mit dem guten Rat dann sogar nochmals krΓ€ftig zurΓΌck. Stellenabbau, LohnkΓΌrzungen und Entlassungen trafen auch die gut ausgebildeten und gut bezahlten Consultants.
Nun scheinen die trΓΌben Beraterzeiten vorbei zu sein. Vier von fΓΌnf Consultingfirmen vermeldeten fΓΌrs vergangene GeschΓ€ftsjahr ein Umsatzplus, 90 Prozent rechnen fΓΌr 2005 mit mehr AuftrΓ€gen. Dies zeigt eine Umfrage des Branchenverbandes. Β«Es sind deutlich mehr Anfragen zum Thema Wachstum im Markt, die Firmen haben genug von blossen KostensenkungenΒ», sagt Peter NΓ€geli, PrΓ€sident der Association of Management Consultants Switzerland (Asco). Β«Wir merken, dass die Firmen sich auf das Wachstum konzentrieren, und erhalten sehr viele ProjekteΒ», heisst es bei McKinsey.
Genaue Umsatzzahlen gibt es bei der Nummer eins der klassischen Managementberatung nur fΓΌr den deutschen Markt, und dort hat McKinsey im letzten Jahr mehr als acht Prozent verloren. Und in der Schweiz? Β«Bei uns gab es ein leichtes PlusΒ», lΓ€sst sich der Kommunikationsverantwortliche von McKinsey Schweiz, Charles Whitehouse, dazu nur entlocken.
So viel ist klar: McKinsey wird als Branchenprimus bedrΓ€ngt β in Deutschland von Roland Berger Consulting, in der Schweiz speziell von der Boston Consulting Group (BCG). Beim Β«OriginalΒ», wie sich BCG selbstbewusst nennt, legt das Schweizer GeschΓ€ft im laufenden Jahr um gut 15 Prozent zu. Β«Und in den nΓ€chsten drei Jahren soll das im gleichen Tempo weitergehenΒ», sagt Victor Aerni, Partner bei BCG.
Nach eigenen Angaben Β«jedes Jahr ein zweistelliges WachstumΒ» erwirtschaftete auch Bain & Company. Β«Alle haben gejammert, wir haben investiertΒ», so Josef Ming, Chef von Bain & Company Switzerland. Die Firma beschΓ€ftigt 45 Consultants und sucht nochmals 20 Talente. BCG mΓΆchte weitere 40 Leute einstellen, gleich viele, wie im Verlauf des Jahres 2005 angeheuert worden sind. Β«Die personellen KapazitΓ€ten kΓΆnnten zum Engpass werden, wir sind verzweifelt daran, Leute zu suchenΒ», heisst es in der ZΓΌrcher BCG-Zentrale.
Der Kampf um gute Consultants sei eine echte Herausforderung, sagt Aerni, die GrΓΆsse seines Unternehmens und die Marke Boston Consulting Group hΓ€lfen bei der Rekrutierung. Doch die Konkurrenz ist gross, denn auch Banken und viele Industriekonzerne sind wieder an den hoch qualifizierten Hochschulabsolventen interessiert. Alle haben ihre Rekrutierungsspezialisten aktiviert. Mit einer Vielzahl von Wettbewerben, Studien und persΓΆnlichen PrΓ€sentationen versuchen sie die Talente mΓΆglichst frΓΌh an sich zu binden.
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Erschwerend im Kampf um Talente wirkt sich aus, dass die gesamte Beraterbranche deutlich an Ansehen verloren hat. Dies trifft neben den klassischen Management-Consultants auch auf die Informatikberatung zu. Vor allem bei den Grossfirmen werden Strategie und IT immer komplexer, und klassische Computerfirmen werden immer mehr zu einer Art Beratern.
Das gilt speziell fΓΌr IBM, die vor drei Jahren die Beratungssparte von PricewaterhouseCoopers (PwC) ΓΌbernommen hat und sich selber als Β«grΓΆssten Unternehmensberater der WeltΒ» bezeichnet. In der Schweiz arbeiten derzeit mehr als 500 Berater fΓΌr IBM Business Consulting, allerdings haben offenbar viele frΓΌhere PwC-Leute die IBM wieder verlassen und sind dem angekΓΌndigten Stellenabbau zuvorgekommen.
Von diesen Problemen profitiert die kleinere Konkurrenz, insbesondere Accenture. Aber auch fΓΌr Accenture-Schweiz-Chef Thomas Meyer ist klar, dass der Ruf der Branche noch nicht wiederhergestellt ist. Die Image-Skandale und der grosse Stellenabbau wirkten bei den jungen Leuten immer noch nach. Das SicherheitsbedΓΌrfnis sei bei den Jungen deutlich gestiegen, so Meyer. Und dies sei fΓΌr das Land nicht unbedingt ein gutes Zeichen.
Β«Wieso soll ein junges Talent heute noch Berater werden?Β», fragt Stephan Dyckerhoff, Chef von Capgemini Schweiz, rhetorisch. Schliesslich sei es nicht einfach, stΓ€ndig unterwegs und mobil zu sein und gleichzeitig ein normales privates Umfeld zu pflegen. Β«Berater zu sein, war mal hip. Das ist es sicher nicht mehr, und der Beruf muss wieder attraktiver werden, sonst wird es noch schwieriger, qualifizierte Leute zu findenΒ», hofft Dyckerhoff.
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Der franzΓΆsische Konzern Capgemini sucht derzeit rund 40 Consultants; ungefΓ€hr gleich viele Berater sind stΓ€ndig aus dem nahen Ausland in Schweizer Projekte involviert. Es gebe kaum noch rein nationale Teams, beobachtet der gebΓΌrtige Deutsche. Gefragt seien in erster Linie die FΓ€higkeiten und weniger die NationalitΓ€ten. Doch hat Capgemini ein spezielles Problem: Der Konzern versenkte in den letzten drei Jahren nicht weniger als eine Milliarde Euro. Allein 2004 betrug der Nettoverlust mehr als 350 Millionen β dies vor allem wegen des schlechten US-GeschΓ€fts. DemgegenΓΌber sei die Beratung in der Schweiz und Deutschland Β«sehr profitabelΒ».
Beim US-Konzern Accenture trΓ€gt der Consulting-Anteil weltweit mehr als 60 Prozent zu den Gesamteinnahmen von 15,5 Milliarden Dollar bei. Und im Gegensatz zu den Franzosen verdient Accenture gutes Geld. Mit 600 von weltweit ΓΌber 123 000 Mitarbeitern nimmt sich die Schweiz in der Accenture-Welt zwar winzig klein aus, dennoch kommt man mit dem Rekrutieren von Spezialisten nicht mehr nach. FΓΌr diverse Projekte sind gemΓ€ss Meyer rund 240 Leute aus dem Ausland fΓΌr Accenture Schweiz tΓ€tig. Laut Meyer sei die gegenwΓ€rtige Auslastung mit ΓΌber 90 Prozent Β«zu hochΒ», die Leute arbeiteten zu viel und hΓ€tten unter anderem zu wenig Zeit fΓΌr Schulungen. Umso mehr wolle er den Effort der Rekrutierung nochmals erhΓΆhen: Studenten sollen direkt angesprochen werden. Bei der Nachwuchswerbung setzt Accenture in der Schweiz vor allem auf Teamgeist.
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